Zwickau: Auto-Mekka in Sachsen

Zwickau: Auto-Mekka in Sachsen
167 Trabbis bilden das Sachsenring-Logo © Foto: dpa

Zwickau steht nicht nur für die Herstellung des Trabant. 50 Jahre vor Beginn der Produktion des «Volkswagens der DDR» feierte eine andere Marke ihre Geburtsstunde in Sachsen.

Das Herz des Autolandes Sachsen schlägt in Zwickau - und das seit mehr als 100 Jahren. Die viertgrößte Stadt in Sachsen ist der Geburtsort von legendären Automarken wie Horch, Audi und nicht zuletzt des Trabant, der vor 50 Jahren das erste Mal auf die Räder gestellt wurde. Heute setzt Volkswagen die automobile Geschichte Zwickaus fort. Besucher können die Faszination Autobau in der Stadt hautnah erleben - in Gegenwart und Vergangenheit.

Vom Phaeton-Horch bis zum Trabbi

Zum Pflichtprogramm eines jeden Zwickau-Besuchers sollte das August Horch Museum gehören. Es gilt als das einzige der rund 170 deutschen Automuseen, das sich an einem originalen Produktionsstandort befindet. Etwas außerhalb des historischen Stadtkerns hatte August Horch 1909 in der Nordvorstadt die ersten Wagen mit dem Markennamen Audi gebaut.

Seine Geschichte und die seiner Firma erzählt das Museum auf rund 3000 Quadratmetern Fläche. Fast alle jemals in Zwickau gebauten Fahrzeuge sind zu sehen. Gleich zu Beginn des Rundgangs glänzt ein Phaeton Horch aus dem Jahr 1911 mit 28 PS. Das Herz von Technikfreaks lassen frühe Horch-Motoren wie ein Vierzylinder von 1904 oder der erste serienmäßig in Deutschland produzierte Achtzylinder von 1926 höher schlagen. Eine Sonderausstellung widmet sich von November an dem Trabi. Anlass ist der 50. Geburtstag des «Volkswagens der DDR». Am 7. November 1957 rollte der erste von insgesamt 3,7 Millionen Trabis in Zwickau vom Band.

Tausende beim Trabbi-Treffen

Während die glänzenden Autos im Horch-Museum nicht berührt werden sollten, bietet der Verein Internationales Trabantregister im Jubiläumsjahr Trabis zum Anfassen und Ausprobieren. In einer Sonderausstellung auf dem Vereinsgelände, einer ehemaligen Firmenhalle am Rande der Innenstadt, sind 24 Fahrzeuge zu sehen.

Alljährlich im Sommer, wenn tausende Trabis und Trabifans aus aller Welt zum Trabi-Treffen nach Zwickau rollen, wird deutlich, dass das lange belächelte DDR-Auto rund 17 Jahre nach der Wiedervereinigung längst Kultstatus genießt. Zwickaus Oberbürgermeister Dietmar Vettermann (CDU) nennt den Trabi «das Markenzeichen der Stadt».

Produktion von Nobelkarossen

Auch die Gegenwart des Automobilbaus lässt sich in Zwickau bestaunen. Etwa zehn Kilometer vor den Toren der Stadt produziert Volkswagen seit 1991 Autos. Der Konzern führt angemeldete Besuchergruppen durch die riesigen Produktionshallen, in denen Golfs und Passats vom Band laufen, aber auch die Karosserien für die Nobelwagen Phaeton und den Bentley hergestellt werden.

Wer nach so viel Auto Abwechslung braucht, der kann sich in der hübsch sanierten Altstadt von Zwickau auf die Spuren des Komponisten Robert Schumann und dessen Frau Clara begeben. Das einstige Wohnhaus des Ehepaars beherbergt heute ein Museum. Auch das spätgotische Gewandhaus, in dem seit 1855 das Zwickauer Theater spielt, das Rathaus mit der klassizistischen Fassade, die Priesterhäuser aus dem frühen 13. Jahrhundert und der Mariendom mit einem gerade erst restaurierten Flügelaltar des Nürnberger Meisters Michael Wolgemut aus dem Jahr 1479 sind einen Besuch wert. (Erik Nebel, dpa)

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