Lebenslust braucht keine Dächer

VW Käfer Cabrio

Lebenslust braucht keine Dächer
In zweifacher Lackierung sehr begehrt © Foto: VW

Der offene Käfer genießt seit Jahrzehnten Kultstatus und ist ein Ausdruck eines bestimmten Lebensgefühls. Zwar fertigte bereits Entwickler Porsche Prototypen an, doch den Erfolgsweg trat das Cabrio erst nach dem Zweiten Weltkrieg an.

Von Heiko P. Wacker

Der offene VW Käfer gilt heute vielen als der perfekte Oldtimer: Weil er einfachen Unterhalt mit luftigem Fahrgenuss und unerreichtem Kultstatus verbindet. Das hat schon der Schöpfer des legendären "Krabblers" erkannt: Bereits in den frühesten Versuchsreihen von Entwickler Porsche haben sich auch offene Prototypen gefunden. Der Siegeszug hat jedoch erst nach dem Krieg begonnen - dann aber mit viel Elan.

Teure Hebmüller-Käfer

Schon 1948 hatte Joseph Hebmüller drei exklusive Prototypen eines Cabriolets auf Volkswagenbasis gebaut, die mit unerhörter Eleganz bestechen. Das Volkswagenwerk hat begeistert eine Serie von 2000 Stück in Auftrag gegeben - doch ein Großbrand hatte die Firma Hebmüller schon nach vier Jahren zerstört. Bis dahin waren lediglich 696 Cabriolets auf den Markt gekommen - heute zählen sie zum Teuersten, was man sich als Käfer-Fan gönnen kann. Der Name ist jedoch nicht in Rauch aufgegangen: Noch immer spendieren Käferfreunde ihrem Auto gerne eine zweifarbige "Hebmüller-Lackierung" - auch wenn es um eine Limousine geht.

Doch den "Oben-ohne-Käfer" hatte der Brand nicht aufhalten können. Bereits am 1. Juli 1949 präsentiert Karmann in Osnabrück eine offene Karosserie-Variante - und mit Osnabrück ist der offene Krabbler auch stets verbunden geblieben. Denn zwar haben sich auch andere Karossiers wie Rometsch am offenen Vergnügen versucht - selbst spezielle Polizeifahrzeuge für Sondereinsätze sind gebaut worden. Doch wirklich erfolgreich ist nur Karmann. Dort hat man munter über die Jahrzehnte die heute so gesuchten Cabrio-Serienmodelle gefertigt.

Produktionsende 1980

Auch im Polizeieinsatz tätig Foto: VW

Ab 1965 ist der VW 1300 mit 29 kW/40 PS auf den Markt gekommen, bald darauf folgt der auf 1,5 Liter gewachsene Motor mit 32 kW/44 PS und ab 1970 sorgt das 37 kW/50 PS starke VW 1302 LS Cabriolet für gute Laune. Die letzte Version ist dann nicht mehr stärker geworden - hat jedoch eine bessere Ausstattung erfahren, um als VW 1303 LS bis in die 80er-Jahre zu rollen.

Erst am 10. Januar 1980 endet die Produktion nach insgesamt 330.281 Cabrios von Volkswagen und Karmann. Die letzten Fahrzeuge haben damals für gut 14.000 DM in den Preislisten gestanden - und sind wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln weggegangen. Heute wird für wirklich gute Exemplare ähnlich viel verlangt - aber in Euro. Und wenn es eines der ganz frühen Exemplare sein soll, kann es rasch das Doppelte oder gar Dreifache sein.

Vom Käfer zum "Erdbeerkörbchen"

Nachfolger und Vorgänger Foto: VW

Beim Produktionsende für das Käfer Cabrio hat dann schon der Nachfolger in den Startlöchern gestanden. Der offene VW Golf hatte auf dem Genfer Salon 1979 seine Weltpremiere gefeiert. Bei Karmann ist die Produktion folglich nicht eingestellt, sondern lediglich auf das moderne Cabriolet umgestellt, das wegen des wuchtigen Überrollbügels rasch den Spitznamen "Erdbeerkörbchen" bekommen hatte. So ganz recht traute man dem kantigen Golf-Derivat den Erfolg des Vorgängers eben nicht zu.

Doch das Golf Cabrio ist wie eine Bombe eingeschlagen. Die Fahrzeuge waren in Sachen Verarbeitung und zuverlässiger Großserientechnik den allermeisten Konkurrenten weit überlegen, von der steifen Karosserie gar nicht zu reden. Der Erdbeerkorb war zudem mit bis zu 82 kW/112 PS sehr sportlich motorisiert, was für immensen Fahrspaß gesorgt hat. So ist der offene Golf bis 1992 im Programm geblieben. In wenigen Monaten wird man nun auch die ersten Modelle mit der ab 30 Jahren erreichbaren "H-Zulassung" sehen. Wer also schon immer mit einem "Erdbeerkörbchen" geliebäugelt hat, sollte allmählich zuschlagen. Gute Fahrzeuge sind schon unter 2000 Euro zu finden. Noch, wohlgemerkt. (mid)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.

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