Nokian Tyres: Hier wird noch jeder Reifen von Hand geprüft

Finnen mit hohen Wachstumszielen

Endkontrolle des Reifens bei Nokian
Ein Nokian-Mitarbeiter führt die Endkontrolle des Reifens durch. © Mertens

Der finnische Reifenhersteller Nokian Tyres ist auf Wachstumskurs. Nach Produktionsstätten in Finnland und Russland beginnt in 2018 der Bau eines Werkes in den USA.

Wissen Sie, von welchem Hersteller die Reifen an Ihrem Auto stammen? Vielleicht von Continental, Pirelli oder Michellin? Es sind Marken, die einem mehr oder minder bekannt sind. Doch vielleicht kommen die Pneus auch von Nokian Tyres. Noch nie gehört? Gut möglich, dabei sind die Finnen bekannt für ihre Premium-Winterreifen. Es sind also die Reifen, mit denen mittlerweile jeder unterwegs sein sollte. Nicht nur wegen der in Deutschland bestehenden Winterreifen-Pflicht, sondern vor allem wegen der eigenen Sicherheit. Denn auch ohne Schnee bieten sie bei kalten Temperaturen einen deutlich besseren Grip.


Nokian baut Fabrik in USA

Die Produktion der Winterreifen läuft bei Nokian Tyres bereits seit Mai auf Hochtouren, ab November startet dann wieder die Produktion der Sommerreifen. Derzeit produzieren die Finnen in zwei Werken ihre Reifen: in Finnland und in Russland. Nächstes Jahr beginnt in Dayton, im US-Bundesstaat Tennessee, der Bau einer dritten Fabrik. Die Fertigstellung ist für 2020 geplant.

Andrei Pantioukhov von Nokian. Foto: Mertens
Nokian-Vizepräsident Andrei Pantioukhov leitet auch das russische Werk. Foto: Mertens

Ab dann sollen dort jährlich vier Millionen Reifen produziert werden, sagt Nokian-Vizepräsident Andrej Pantioukhov. In das US-Werk investieren die Finnen 360 Millionen US-Dollar. Bisher braucht es einer Lieferzeit von sechs Wochen, bis die Reifen in den USA angekommen sind.

Mit dem Ausbau der Produktionskapazitäten steht auch die globale Strategie der Finnen fest. „Wir wollen langfristig Marktführer werden und starker als der Markt wachsen“, sagt Pantioukhov, der auch die Fabrik in Vsevolozhsk in der Nähe von St. Petersburg leitet. Es ist der größte Produktionsstandort von Nokian Tyres. Pro Tag werden hier von den 1200 Mitarbeitern in der Produktion 45.000 Reifen für 40 Märkte produziert.“Täglich verlassen rund 50 Lkws unser Werk“, berichtet Pantioukhov. Die jährliche Produktion liegt bei 17 Millionen Reifen. Von ihnen gehen 12 Prozent nach Nordamerika, 28 Prozent nach Europa und 25 Prozent werden in Russland vertrieben. In diesem Jahr lief gerade der 100-millionste Reifen seit dem Produktionsstart am 6. Juni 2005 vom Band.

Reifen-Werk in Russland modernstes Europas

Nokian-Reifen in der Produktion Foto: Mertens
Noch ist der Reifen nicht fertig: Blick in die Nokian-Produktion in Russland. Foto: Mertens

Das Werk in Russland gilt als modernste und effizienteste Reifenfabrik in Europa. Sie sei Maßstab für andere Werke, berichtet der Vize-Präsident. Die Mitarbeiter in der Produktion arbeiten in Zwölf-Stunden-Schichten, haben jedoch nach zwei Tagen einen Tag frei. Ihr Verdienst: Dazu schweigt man sich bei Nokian aus. Der lokale PR-Manager verrät nur soviel, dass es über den ortsüblichen Gehältern liegen würde. Und die liegen zwischen 400 und 500 Euro. Gemessen am Einkommensniveau in Deutschland ist das verschwindend gering.

Doch wer bei Nokian eine Anstellung findet, der ist zufrieden. Denn die Finnen bezuschussen nicht nur das tägliche Essen, bieten Betriebssport im eigenen Gym, sondern neben einer Gesundheitsversorgung im Werk bietet man seinen Angestellten auch die Möglichkeit, in einer firmeneigenen Wohnanlage (Hakkapeliitta Village) eine Wohnung zu erwerben. Hier gibt es für 343 Familien Wohnungen. Eigene Kindergärten und Sportanlagen gehören mit zum offerierteb Angebot.

Wer bei Nokian arbeitet, gibt seinen Job so schnell nicht auf. Nokian Tyres gehört nach Aussagen von Pantioukhov nach einem nationalen Tabakhersteller zum zweitgrößten Hersteller von Konsumgütern in Russland.

Täglich werden 400 Tonnen Gummi verbraucht

In der russischen Produktionsstätte werden täglich 400 Tonnen Gummi verarbeitet – das geschieht in einem hochautmatisierten Prozess, auch wenn Pantioukhov betont, dass bei Nokian die Menschen die Reifen produzieren. Dass der Faktor Mensch trotz aller Automatisierung nach wie vor eine wichtige Rolle spielt, kann man im Werk am Ende der Produktionsstrecke sehen. Hier wird nicht nur per Laser eine Qualitätskontrolle durchgeführt, sondern jeder Reifen, der das Werk verlässt, wird von einem so genannten Inspektor auf mögliche Schäden untersucht.

Winterreifen von Nokian. Foto: Mertens
Nokian-Reifen auf dem Weg zur Endkontrolle. Foto: Mertens

Ein Mitarbeiter prüft pro Schicht zwischen 2000 und 2500 Reifen. Diese Inspektoren gehören zu den bestbezahlten und erfahrensten Mitarbeiter. Bevor sie diesen Posten einnehmen, haben sie bereits alle anderen Stationen in der Produktion durchlaufen. Diese Endkontrolle beweise, welchen Stellenwert die Qualtität bei Nokian habe, sagt Pantioukhov. Dazu zählt auch, dass im Falle des Falles, wenn also doch einmal ein Reifen kaputt geht, der Kunden den beim Händler kostenfrei ersetzt bekommt.

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