Nissan setzt Impulse für Elektroautos

«Deutschlandweit kostenlos Strom laden»

Nissan senkt die Preise für den Leaf
Nissan senkt die Preise für den Leaf © Nissan

Nissan will der Elektromobilität in Deutschland neue Impulse verleihen. Dazu können Fahrer eines E-Autos nicht nur kostenlos bei allen Händlern Strom tanken, sondern auch besonders günstig einen Nissan Leaf leasen.

Von Frank Mertens

Die Elektromobilität in Deutschland kommt aus der Nische nicht heraus: Die Reichweite ist zu gering, die Autos noch zu teuer, eine Ladeinfrastruktur nur partiell vorhanden. «Wer Elektromobilität will, der muss dafür auch etwas tun», sagte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer am Dienstag in Berlin.

Doch bisher würde schlicht zu wenig getan, fügte Dudenhöffer hinzu, der auch das Center Automotive Research an der Uni Duisburg-Essen leitet. Entsprechend geht der Wissenschaftlicher auch nicht davon aus, dass das Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen zu haben, erreicht werden kann. Nach seiner Einschätzung werde es nicht klappen, auch in den nächsten zehn Jahren die Elektromobilität in Deutschland zum Erfolg zu führen. «Die Regierungsprogramme entfalten keine Wirkung, weil sie viel zu kleinteilig sind.» Daran würde auch das gerade vom Bundesverkehrsministerium auf den Weg gebrachte Emobilitätsgesetz nichts ändern. So seien im Vorjahr gerade einmal 6379 Elektroautos in Deutschland zugelassen worden. Eine ernüchternde Zahl.

Nissan startet bundesweite Aktion ab 3. Oktober

Doch davon und den fehlenden Anreizsystemen für Käufer eines Elektroautos will sich der japanische Autobauer Nissan nicht irritieren lassen, der am Dienstag ins beschauliche Berlin-Schmargendorf in die Vertretung des Verbandes der Internationalen Automobilen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) geladen hat, um seine neue Initiative «Deutschlandweit kostenlos Strom laden» vorzustellen. Damit das Thema an Fahrt gewinnt und das Problem fehlender Ladesäulen etwas kleiner wird, bietet Nissan den Fahrern von Elektroautos ab dem 3. Oktober an den bundesweit 430 Standorten der Marke an, ihr Fahrzeug kostenlos aufladen zu lassen. Dabei stehen bei den Händlern während der Öffnungszeiten neben Schnellladestationen auch klassische Schuko-Steckdosen zur Verfügung. Das sei ein klares Bekenntnis zur Elektromobilität. «Nissan und seine Händler stehen zu 100 Prozent zur Elektromobilität», sagte Nissan-Geschäftsführer Thomas Hausch.

Dass Nissan damit das Problem der nach wie vor nicht ausreichenden Zahl von Ladesäulen lösen kann, ist nicht zu erwarten. Das weiß natürlich auch Hausch. Doch man wolle nicht nur nörgeln, sondern auch handeln und damit etwas zur Steigerung der Attraktivität tun, so der Nissan-Geschäftsführer. Natürlich, so Hausch, sei dies ein symbolischer, aber sehr pragmatischer Schritt. Man hoffe auf einen Nachahmereffekt bei Wettbewerbern, Kommunen oder auch Energieversorgern, so Hausch.

Einheitliche Nutzungsbedingungen erforderlich

Doch es müsse natürlich nicht nur die Zahl der Ladestationen ausgebaut werden, sondern auch die Nutzung der bislang 4800 öffentlichen Ladepunkte vereinfacht werden. Für sie bedarf es zirka 70 unterschiedlicher Zugangsberechtigungen. «Wenn ich heute nach diesem Termin zurück zum Flughafen München komme und meine Parkgebühren zahlen will, dann kann ich das mit der EC oder einer Kreditkarte tun. Warum ist das nicht auch bei Ladesäulen möglich?», fragt Kurt Sigl, Präsident vom Bundesverband eMobilität. Für ihn ist es kein Hexenwerk, die Infrastruktur auszubauen, wie er sagt und verweist auf die Niederlande, wo das Thema angepackt und umgesetzt wurde. So etwas wünscht sich Sigl auch für Deutschland. Sigl glaubt an die Elektromobilität und Pessimismus ist ihm dabei fremd. Er glaubt sogar, dass es gelingen kann, bis 2020 drei bis vier Millionen Elektro- bzw. Hybridautos auf den deutschen Straßen zu sehen, so denn alle Beteiligten die Sache angehen.

Auch Hausch glaubt als Anbieter von Elektroautos wie dem Nissan Leaf natürlich an die Zukunft der E-Mobilität und verweist auf bereits weltweit mehr als 135.000 abgesetzte Leaf, der mittlerweile auf eine Reichweite von 200 Kilometern kommt. Deshalb bringt man jetzt nicht die Aktion des kostenlosen Ladens an den Start, sondern bietet den Nissan Leaf für eine monatliche Leasingrate von 249 Euro bei einer Laufzeit von 48 Monaten mit einer jährlichen Laufleistung von 10.000 Kilometern an. Auch damit erhofft sich Hausch neue Impulse für den stagnieren Markt von E-Autos in Deutschland.