Smart Fortwo: Born for the USA

Der Smart sorgt für Erstaunen © Foto: dpa

Gigantismus war gestern, jetzt erfreuen sich die US-Amerikaner an den kleinen Dingen im Leben. Der Smart Fortwo erobert Amerikas Autoherzen im Laufschritt, wie ein Vororttermin beweist.

Von Marc Leimann

Auf solche Emotionen war wohl kaum einer gefasst. Ferrarifahrer versuchen auf dem Highway hektisch, den Wagen von allen Seiten zu begutachten und ein Foto im Vorbeifahren zu schießen. BMW-Fahrer bremsen uns an der Ampel aus und fragen nach der Lieferzeit. Passanten aller Altersgruppen bilden Menschentrauben um das Auto, rufen im Vorbeifahren «Cool Car» zu oder strecken einfach nur den Daumen nach oben mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

In diesem Fall sind wir weder mit einem Lamborghini, noch mit einem Bentley oder einem Rolls Royce auf Amerikas Straßen unterwegs. Es ist das Auto, dass das europäische Stadtbild insbesondere in Großstädten seit fast zehn Jahren bestimmt. Der Smart Fortwo. In seiner zweiten Generation wird diese «automobile Provokation», wie Anders Jensen vom Smart Management Team stolz verkündet, jetzt auch den Bedürfnissen des US-Marktes gerecht.

Mehr als 30.000 Vorbestellungen

Nachdem vom 1997 auf der IAA in Frankfurt erstmals vorgestellten Fortwo in der ersten Generation bereits 770.000 Stück verkauft wurden, lassen die Verkaufszahlen der aktuellen Version aufhorchen. Schon 56.000 Fortwo der zweiten Generation konnten in den etablierten europäischen Märkten abgesetzt werden, davon bis Oktober 23.882 Einheiten in Deutschland. Mit Nordamerika soll ein weiterer wichtiger Markt hinzukommen. Nicht ohne Respekt spricht Anders Jensen sogleich vom «herausfordernsten Automobilmarkt der Welt».

Aber der Kleine nimmt die Herausforderung an und die erste Resonanz potenzieller Käufer stimmt optimistisch. Bereits mehr als 30.000 Vorbestellungen gingen mit einer Servicegebühr von 99 US-Dollar ein und 80 Prozent der Reservierer haben diese in eine verbindliche Bestellung umgewandelt. Der offizielle Marktstart ist für Januar 2008 bei 74 Händlern geplant, die in einem Bewerbungsverfahren aus 1100 Autohäusern herausgefiltert wurden. Dass weitere Käufer gefunden werden ist mehr als wahrscheinlich, denn insbesondere in den USA sind die Mineralölpreise in den vergangenen acht Jahren förmlich explodiert und haben sich verdreifacht.

Amerikaner interessieren sich für den Verbrauch

Bei manchen Amerikanern stellt sich die Frage nach dem zulässigen Gesamtgewicht Foto: AG/Leimann

Egal wo wir auftauchen, werden wir sofort mit Fragen zum Auto bombardiert. «Was verbraucht denn der Wagen auf 100 Meilen?» ist standesgemäß die erste Frage. Dicht gefolgt von der Zweiten «Und wie groß ist der Tank bei einem so kleinen Auto?»

Viele nehmen auch gerne mal Platz und sind sofort vom Raumgefühl des Zweisitzers überrascht. «Awesome, amazing», schallt es allerorten. Andere wiederum sind vom Motorengeräusch vorsichtig gesagt irritiert. Bei Erklärung des Antriebskonzepts folgt oft die erstaunte Feststellung «nur drei Zylinder? Und damit kann man sich tatsächlich fortbewegen?»

Querparker ein neues Phänomen

Surfin' USA Foto: AG/Leimann

Ob Stadt, ob Land, die Reaktionen sind identisch. Wir ernten stets freundliche Blicke. Ein quer parkendes Auto löst von einem Studentencafé gleich neben der Stanford University Gruppenhysterie aus, jeder will Probesitzen.

Und auch das ansonsten so strenge Security-Team der Universität verzieht amüsiert das Gesicht und lässt sich mit dem Smart bereitwillig fotografieren. John Smith, Sales Manager von Smart in San Francisco ist sogleich vom Konzept des Wagens und dessen Markterfolg überzeugt. «Mit diesem Wagen stoßen wir bei uns in eine Marktlücke. Zu Preisen von knapp 11.700 US-Dollar gibt es aktuell kein vergleichbares Angebot.»

Nachahmer werden folgen

Selbst für Hunde interessant Foto: AG/Leimann

Natürlich werden viele Hersteller von Kleinwagen wie zum Beispiel Fiat mit dem 500er auch auf den nordamerikanischen Markt drängen, sobald Smart erfolgreich sein wird, sagt Smith. «Aber dann haben wir schon wertvolle Erfahrungen mit dem Wagen und dem Kunden gesammelt, das kann uns so schnell keiner mehr nehmen.»

Um schnell noch hinterher zuschieben: «Und bis dahin haben wir auch schon exklusive 10 Fuß Parkplätze für unsere Smartkunden in den Metropolen mit den zuständigen Behörden geschaffen. Wer will denn dann noch ein anderes Auto fahren?»