Große Ziele vor dem Marktstart

Infiniti FX 50 S

Der Infiniti FX 50 © Foto: Infiniti

Der europäische Marktstart von Infiniti geht in die entscheidende Phase. Fels in der Brandung und Aushängeschild der Marke soll das Topmodell FX 50 werden. Ein sehenswerter Konkurrent von Porsche Cayenne und BMW X6.

Von Stefan Grundhoff

Schon wieder diese Frage nach einem Diesel. Die Infiniti-Verantwortlichen beten argumentationssicher zum x-ten Mal die Antwort herunter: «Ein leistungsstarker Diesel mit rund drei Litern Hubraum ist in Arbeit.» «Nein, zur genauen Leistung können wir noch keine Angaben machen. Man werde alles andere als untermotorisiert unterwegs sein.» Die automobile Designmarke Infiniti verbinden viele mit dem Luxus-SUV namens FX. Damit es in Europa den gewünschten Erfolgsstart gibt, behielt man sich die Präsentation des neuen FX für den Genfer Salon vor. Ein sportlicher SUV und dann gegen die starke Konkurrenz aus Europa - da geht ohne Diesel bei allem Designchic wenig. Doch wenn der neue FX im Frühjahr 2009 nach Deutschland kommt, werden die Interessenten noch ein knappes Jahr auf den wohl mindestens 250 PS starken Diesel warten müssen.

Auf BMW-Kundenfang

Den Start einer neuen Luxusmarke hat es in Europa viele Jahre nicht mehr gegeben. Gerade auf den Kernmärkten Deutschland, England und der Schweiz ist das Interesse an dem edlen Markenableger aus dem Renault-Nissan-Konsortium mächtig. In den USA ist Infiniti seit Jahren eine echte und besonders sehenswerte Alternative zu sportlichen Nobelmarken wie BMW, Porsche, Mercedes oder Lexus. In Expertenkreisen hat sich der schneidig-bullige FX der letzten Generation längst einen Namen gemacht. US-Firmen importieren den Power-SUV seit Jahren an Schöngeister und extravagante SUV-Fans.

Die ersten europäischen Staaten beginnen mit dem Markenstart von Infiniti im Herbst dieses Jahres. In Deutschland geht es erst im Frühjahr 2009 los. Spät für einen Kernmarkt und so recht weiß keiner, warum. Neben der G-Reihe und dem Infiniti EX 37 als direktem Konkurrenten von BMW X3 oder Mercedes GLK soll besonders der große Infiniti FX 50 für Image und Markenpositionierung sorgen. Sein großes Plus: er sieht klasse aus. Noch kraftvoller, bulliger und eleganter als der Vorgänger FX 45, auf dem er basiert. Die lange Motorhaube, die flache Frontscheibe und kraftvolle Flanken positionieren den FX eher als 4x4-Coupé vom Schlage eines BMW X6, denn an einem Geländewagen im Maßanzug. Und wer den Blick des wütenden Haifischs im Rückspiegel sieht, schwankt zwischen Anerkennung und Furcht. «Mit Lexus haben wir uns gar nicht intensiv beschäftigt», räumt Infiniti-Geschäftsführer Jürgen Schmitz ein, «wir wollen hauptsächlich BMW-Kunden für uns gewinnen.»

Edler Innenraum

Auch für europäische Geschmäcker geeignet Foto: press-inform

Der edle FX-Innenraum ist nicht weniger elegant als das äußere Erscheinungsbild. Die Sitze sind eine Spur weich. Doch die schmucke Gestaltung von Schaltern, Instrumenten und Oberflächen lässt einen kleine Unzulänglichkeiten schnell übersehen. Überall weiches Leder, kleine Zierelemente und warmes Holz - das dürfte auch den Europäern gefallen. Das Platzangebot ist trotz des weit nach hinten positionierten Triebwerks üppig genug; die Verarbeitung vorbildlich. Der Radstand liegt bei 2,89 Metern - das reicht, um den Luxus zu genießen und die Beine auszustrecken.

Der neue Infiniti FX 50 hat harte Gegner. Solche, die mit Motorleistung und Ausstattung nicht geizen. Einfach nur gut aussehen ist zu wenig, um sie anzugreifen. So glänzt der 4,86 Meter lange FX 50 nicht nur mit einem intelligenten Spurhalteassistenten und Abstandstempomat, sondern auch einem Rundum-Kamera-System namens «Around View Monitor». Vier kleine am Dach angebrachte Kameras geben dem Fahrer beim Einparken einen genauen Einblick über die Größe der Parklücke und den Abstand zum Nebenmann. Der zentrale Multifunktionsbildschirm erleichtert das Einparken somit insbesondere auf engstem Raum. Wenn es doch einmal einen Fremdkontakt geben sollte, hilft ein neuer Hightech-Lack, der kleine Beschädigungen verkraften kann.

In 5,4 Sekunden auf 100

Bei 80.000 Euro geht der Spaß los Foto: Infiniti

Angetrieben wird der 50er Infiniti von einem fünf Liter V8-Benziner mit kraftvollen 287 kW / 390 PS und 500 Nm maximalem Drehmoment bei 4.400 U/min. Den Spurt 0 auf 100 km/h schafft der Koloss in grandiosen 5,4 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei eindrucksvollen 250 km/h. Die Symbiose aus satter Leistung und der neuen Siebengang-Automatik kann überzeugen. Das Triebwerk arbeitet sanft grollend und ist jederzeit bereit zum Sprung.

Ohne Verzögerung trottet der Langhuber an und presst den Allradler mit Nachdruck zu Bestleitungen. Das Fahrwerk des 2,1 Tonnen schweren Allradlers ist betont komfortabel. So werden Nick- und Wankbewegungen vom elektronischen Dämpfersystem nur allzu dezent überspielt. Der Preis soll bei Infiniti nicht die Musik machen, das erklärte Renault-Nissan-Lichtgestalt Carlos Ghosn bei der Weltpremiere in Genf unzweifelhaft. So lässt sich auch der konkurrenzfähige, aber nicht gerade günstige Einstiegspreis für den Infiniti FX 50 erklären: rund 80.000 Euro. Immerhin ist man immer noch 10.000 bis 25.000 Euro günstiger als die Hauptkonkurrenten BMW und Porsche - das ist doch schon was.