Französischer TT

Peugeot RCZ

Neuer Preisträger: Der Peugeot RCZ © Foto: Peugeot

Vor zwei Jahren lüftete Peugeot auf der IAA den Schleier von einem ungewöhnlich schmucken Coupé im Stile des Audi TT. Im September feiert die Serienversion des RCZ seine Weltpremiere.

Von Stefan Grundhoff

Peugeot hat in den letzten zwei Jahren beeindruckende Fortschritte gemacht. Längst geht es bei den umtriebigen Franzosen nicht mehr allein um schmucke Kleinwagen, Partikelfilter und praktische Familienautos. Doch der lange überfällige Familienvan Peugeot 5008 oder ein überraschend eigenständiger Crossover namens 3008 sind nur der Anfang. Die Marke mit dem Löwen ist auf der Suche zu mehr Eigenständigkeit und Charakter. Da kommt ein Sportwagen wie der Peugeot RCZ auf Basis des Kompaktklassemodells 308 zur Imagebildung gerade recht. Dabei ließen sich die Peugeot-Designer von der einstigen IAA-Kritik, der RCZ sei allein ein Abklatsch des erfolgreichen Audi TT, nicht abhalten, den Wagen nah an der Studie auf die Straße zu bringen.

RCZ geht in Serie

Nach zwei schnellen Jahren Entwicklungszeit ist es auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) Mitte September in Frankfurt/Main soweit: der RCZ auf Basis des volumenstarken Plattformgebers 308 geht in Serie. Von der emotionalen Form der Studie hat der Serien-RCZ kaum etwas verloren. Breite Front, dicke Backe, flache Dachlinie, langer Radstand und ein beeindruckend schöner Rücken sind die Charaktermerkmale des 2+2-Sitzers, der im Tagesgeschäft ausschließlich zu einem Zweisitzer mutieren wird.

Einziges Manko: der neue Peugeot RCZ ist zwar ein emotionales Sportcoupé, aber ausschließlich ein Fronttriebler. Damit man gegen die übermächtige Coupé-Konkurrenz aus dem In- und Ausland eine Chance hatte, brachte Audi den TT zum Marktstart 1998 optional auch als Allradversion mit dem Namenszusatz „quattro“ auf den Markt. Der Erfolg zahlte sich aus.

Allrad wünschenswert

Das Cockpit des Peugeot RCZ Foto: Peugeot

Auch Peugeot sollte sich gut überlegen, ob man den RCZ allein mit Frontantrieb auf die Kunden loslässt. Selbst mit elektronischen Sperrdifferenzialen an der Vorderachse ist ein purer Sportwagen wie der RCZ für viele Kunden nur die halbe Miete. Trotzdem unwahrscheinlich, dass Peugeot auch seinem RCZ einen dynamischen Allradantrieb verpasst. Schon wahrscheinlicher, dass der RCZ zu einem späteren Zeitpunkt auch als Roadster auf die sonnenhungrigen Kunden losgelassen wird.

Peugeot RCZ Foto: Peugeot

Bei der Motorisierung ist Peugeot seit der Zusammenarbeit mit BMW/Mini auf einem guten Weg. Die Studie des 1,2 Tonnen schweren Sportlers Peugeot RCZ wurde von einem 218 PS starken Vierzylinder mit gerade einmal 1,6 Litern Hubraum angetrieben. Bei den Serientriebwerken wird es trotz leichter Gewichtszunahme kaum anders aussehen. Längst kein Geheimnis mehr, dass es den RCZ nicht nur als leistungsstarker Benziner, sondern auch mit Dieselmotor geben wird. Das avisierte Leistungsspektrum der 1,6 bis 2,0-Liter großen Vierzylinder großen Triebwerke mit Turboaufladung dürfte bei 150 bis 250 PS liegen. Mit vergleichsweise kleinvolumigen Vierzylindern will man Coupé-Konkurrenten wie VW Scirocco, dem neuen Opel Astra Coupé und den Einstiegsversionen des Audi TT das Leben schwer machen.

Bekannter Look

Draufsicht auf den Peugeot RCZ Foto: Peugeot

Der Innenraum des RCZ dürfte sich im bekannt aufstrebenden Peugeot-Look präsentieren. Zwei erhabene Dachbögen sehen nicht nur gut aus; sie sollen auch dafür sorgen, dass groß gewachsene Fahrer auch Spaß am RCZ finden. Die Sitzposition der Studie war bequem und sogar die Übersicht nach hinten dank der fehlenden B-Säule und der großen Heckscheibe ordentlich. Auf den hinteren Notsitzen finden jedoch allenfalls kleine Kinder oder ein Kofferset Platz. Dafür schluckte der Kofferraum 415 Liter und ließ sich durch Umklappen der Rücksitze noch erweitern. Das Serienmodell verzichtet mit Vergleich zur Studie auf das beleuchtete Löwen-Logo an der Kofferraumklappe. Auch der Kofferraum dürfte etwas weniger Volumen haben.

Das Heck des Peugeot RCZ Foto: Peugeot

Peugeot will dem RCZ neue Markenmaßstäbe setzen und mehr als nur äußerlich auf den Ingolstädter Spuren wandeln. So wurden bei der Entwicklung des RCZ besonders ambitionierte Ziele bei Fahrverhalten oder Verarbeitungsqualität angelegt. Ob es klappt, müssen die ersten Testfahrten zeigen. Man will sich beim neuen RCZ erstmals ernsthaft mit den deutschen Premiumherstellern messen. Angesichts des dynamischeren Äußeren stehen die Chancen hierfür nicht schlecht.