Flaggschiff als Skulptur

Neuvorstellung Audi A8

Der neue Audi A8 © Foto: Audi

Audi bläst zum Angriff in der Oberklasse. Mit großem Aufwand zelebrieren die Ingolstädter den Auftritt des neuen A8. Doch das kann über einige Schwächen hinwegtäuschen.

Von Frank Mertens

Krise? War das was? Ach was. Nicht für Audi. Während in Zeiten der weltweiten Absatzrückgänge selbst Premiumhersteller wie Mercedes und BMW den Gürtel enger schnallen und die Vorstellungen ihrer neuen Produkte längst nicht mehr an exklusiven Orten mit viel Klimbim zelebrieren, lässt sich der Ingolstädter Autobauer davon nicht beeindrucken. Während beispielsweise die Stuttgarter die S-Klasse im beschaulichen Schwarzwald und BMW seinen 7er ebenfalls nur in Deutschland vorstellte, wählte Audi für sein Flaggschiff das hippe Miami Beach aus. Den Ort, in dem zur Zeit die weltweit renommierte Messe Art Basel stattfindet.

800 Gäste aus aller Welt

Das Zusammentreffen mit der Designmesse ist kein Zufall. «Vorsprung durch Technik bezieht sich auch auf das Design, dass eines der herausragenden Elemente der Audi-Signatur ist», sagte Audi-Chef Rupert Stadler. «Der A8 ist für uns eine Skulptur, er zeigt all das, für was die Marke steht.» Damit das auch jeder mitbekommt, haben die Ingolstädter dafür keine Kosten und Mühen gescheut, um ihrem neuen Flaggschiff die nötige mediale Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Insgesamt 800 Gäste wurden dafür aus der ganzen Welt nach Florida zu diesem mehrere Millionen teurem Event eingeflogen, damit auch jeder erfährt, dass Audi mit seinem A8 viel vor hat. Dem Neuen soll endlich das gelingen, was den Vorgängern bislang nicht gelungen ist: Er soll die Vorherrschaft der Mercedes S-Klasse und des 7er BMW im Segment der Oberklasse beenden. Keine Frage, das Design des neuen A8 ist edel, zeichnet sich durch seine fließenden Formen aus. Der A8 sieht alles in allem ansehnlich aus. Doch einen unverwechselbaren Auftritt hat der Neue nicht. Wer ihn auf der Autobahn im Rückspiegel sieht, wird ihn nicht auf Anhieb von einem A6 unterscheiden können. Doch so ist das nun einmal, wenn ein Unternehmen eine Designsprache hat.

Lümmelfaktor im Fond

Hybridantrieb kommt später Foto: Audi

Das Auffälligste an Front und Heck sind vor allem die neuen LED-Leuchten, bei denen jeweils 72 Dioden für einen markanten Auftritt nicht nur bei Nacht sorgen sollen. Im Innenraum bietet der A8 alles, was man sich von einem Auto in dieser Klasse erwarten kann: Klare Linien, hochwertige Materialien, eine Verarbeitung, die eine Qualität vermittelt, die den Konkurrenten aus Stuttgart und München Kopfzerbrechen bereiten dürften. Doch nicht nur das: Der A8 strotzt innen vor Innovationen, zuvorderst lässt sich das am Multi Media Interface MMI in Kombination mit dem Navigationsgerät festmachen. Hier lässt sich das Ziel wie beim Computer über ein Touchpad eingeben.

Natürlich verfügt der A8 wie die Mitbewerber über alle technischen Helferlein, die man in so einem Auto erwartet: Sie reichen beispielsweise von einem Nachtsichtassistenten, über eine Verkehrsschildererkennung bis hin zu einem Spurwechselassistenten. Doch in einer Oberklasselimousine kommt es nicht nur auf die Technik an, sondern vor allem auch auf ausreichend Platz - doch auch hier muss man sich nicht beklagen. Selbst Großgewachsene werden sich über einen Lümmelfaktor im Fond freuen können. Für Fahrer und Beifahrer bietet Audi übrigens serienmäßig Sitze an, die sich zwölffach verstellen lassen. Wem dies noch nicht reicht, der kann die Komfortsitze ordern und sich an einer 22-Wege-Verstellung erfreuen.

Warten auf Hybridantrieb

Hochwertige Materialien und viele Innovationen Foto: Audi

Doch so innovativ beispielsweise das MMI ist, so enttäuschend ist der Umstand, dass Audi ausgerechnet sein Flaggschiff zum Start im kommenden Jahr nicht mit einer Hybridversion anbietet. Der neue A8 verfügt nur beim 3.0 TDI, der aber erst nach dem Marktstart kommen wird, über eine Start-Stopp-Funktion. Die Konkurrenz von Mercedes und BMW ist den Ingolstädtern hier voraus. Natürlich kann man trefflich über die Notwendigkeit eines Hybridantriebs und die damit einhergehenden Verbrauchseinsparungen diskutieren. Doch angesichts eines veränderten Umweltbewusstseins kommt ein Hersteller im Premiumsegment nicht umhin, seinen Kunden alternative Antriebe anzubieten.

Wann es den A8 als Hybridversion geben wird, steht noch nicht fest, es soll aber vor 2011 der Fall sein. Solange setzt Audi weiter auf das Prinzip der Effizienzsteigerung seiner Motoren zum Spritsparen. «Entscheidend ist doch, was hinten raus kommt», sagt Vertriebsvorstand Peter Schwarzenbauer. Zum Marktstart im März wird der stattliche 5,14 Meter lange A8 mit zwei starken V8-Motoren angeboten. Ein Sechszylinder-TDI folgt zu einem späteren Zeitpunkt. Die Leistungsspanne der drei Aggregate liegt zwischen und 184 kW/250 PS und 273 kW/372 PS.

Bis zu 22 Prozent weniger Verbrauch

Neue LED-Leuchten mit jeweils 72 Dioden Foto: Audi

Die Motoren sollen im Schnitt bis zu 22 Prozent weniger verbrauchen als ihre Vorgänger. Es soll auch eine Sparversion geben, einen 3.0 TDI mit 204 PS und Frontantrieb. Sein Verbrauch soll gerade einmal bei sechs Litern (CO2-Ausstoß 159 Gramm pro Kilometer) liegen. Ein beeindruckender Wert.

Günstig ist der A8 zwar beim Verbrauch, aber nicht beim Preis. Der 372 PS starke 4.2 FSI (Verbrauch 9,5 Liter, CO2-Ausstoß: 219 g/km) kostet mindestens 89.300 Euro und als 250 PS starker 3.0 TDI (6,6 Liter, 174 Gramm CO2) sind 72.200 Euro auf den Tisch des Händlers zu legen, dann allerdings mit Allradantrieb. Das sind Preise, die es in sich haben. Doch folgt man den Aussagen von Rupert Stadler, dann erwirbt man mit dem neuen A8 ja nicht nur einfach ein Auto, sondern ein Kunstwerk. Halt eine Skulptur aus Ingolstadt.