Bologneser Messeschönheiten

Mitsubishi Lancer Evo X © Foto: press-inform

Obwohl die Bologna Motorshow mit 1,4 Millionen Besuchern zu den begehrtesten auf der Welt gilt, steht sie in punkto Bedeutung in der dritten Reihe. Die meisten Messeschönheiten stehen nicht auf vier Reifen, sondern knapp bekleidet auf zwei Beinen.

Von Stefan Grundhoff

In diesem Jahr glänzt die Motorshow im Messeareal Bologna Fiere mit nur zwei nennenswerten Neuheiten. Hyundai zeigt auf der Jahresabschlussmesse des Autojahres 2007 erstmals den neuen i10. Der 3,58 Meter lange Nachfolger des erfolgreichen Winzlings Atos kommt im März auch nach Deutschland. Der im indischen Chennai gebaute Panda-Konkurrent sieht gut aus und überzeugt trotz knappen Dimensionen mit einem erstaunlichen Platzangebot. So gibt es Platz für vier Erwachsene und 225 bis 910 Liter Laderaum. Bei einem Preis von unter 10.000 Euro darf man kaum mehr verlangen.

Neuer Einsteiger-Diesel beim Zafira

Auch Opel hat sich auf der Suche nach Messen für die neuen Modelle nach Bologna ziehen lassen. Der überarbeitete Familienvan Zafira gehört zu den erfolgreichsten Vans im Mittelklassesegment. Das soll durch eine überaus zurückhaltende Modellpflege unterstrichen werden. Wichtiger als das allenfalls leicht geschärfte Design ist die modifizierte Motorenpalette. Hier folgt man dem Opel Astra im Gleichschritt. Der 100 PS starke Einsteigerdiesel 1.9 CDTi wird künftig vom 125 PS starken 1.7 CDTi ersetzt. Neu auch der 1,6 Liter große Turbobenziner für den sportlichen Familienvater, der dem Zafira mächtig Beine macht.

Ebenfalls neu auf der Bologna Motorshow präsentiert sich der Renault Grand Modus. Genau genommen ein Modus mit dem gewissen etwas mehr. Porsche präsentiert in der Automobilregion von Lamborghini, Maserati und Ferrari erstmals den Boxster RS60 Spyder, eine auf 1.960 Fahrzeuge limitierte Sonderserie. Optisch nur marginal vom Serienmodell zu unterscheiden, wurde der schnittige Kurvenräuber vom Porsche 718 RS60 Spyder abgeleitet, der in den 60er Jahren zahlreiche Autorennen dominierte. Weniger schnell, dafür umso praktischer ist das französisch-italienische Tripel aus Citroen Nemo, Peugeot Bipper und Fiat Fiorino. Ein gefälliges Äußeres, große Schiebetüren und jede Menge Platz für Kind oder Kegel machen die Fahrzeuge zu einer echten Gefahr für den neuen Renault Kangoo.

Chinesen zeigen X-5-Kopie

X5-Kopie Geo Foto: press-inform

Die Chinesen sind in Bologna deutlich präsenter als bei den letzten europäischen Automessen und zeigen nicht nur den BMW X5-Nachbau Geo, sondern auch das Mazda-BT-50-Replika Grand Tiger. Ähnlich wenig elegant zeigt sich das Mittelklasse-Stufenheckmodell Elegante des indischen Massenherstellers Tata.

In Italien hat Tata seit Jahren einen großen Fuß in den Markt bekommen und der Elegante zeigt sich als verwegen gestylte Mischung aus Mercedes CLS und Lancia Thesis - mit einer Länge von 4,48 Metern allerdings deutlich kürzer und weniger sehenswert. Ein zwei Liter großer Turbodiesel mit sechs Zylinder leistet 147 kW / 200 PS und schafft Euro5. Gut, dass für sportliche Ausritte zehn Airbags an Bord sind.

Seltene Unikate

Extravagante Studien sind nicht die Stärke der Bologna Motorshow. Zumindest gibt es ein paar seltene Einblicke und Unikate. Zu den großen Hinguckern zählen unter anderem der auf sechs Meter verlängerte Chrysler 300C mit Vinyldach und der schwarz-orangefarbene Kurvenreißer KTM X-Box. Gerade das richtige für die kurvigen norditalienischen Straßen.

Täuscht alles nicht darüber hinweg, dass die meisten Messesehenswürdigkeiten weiblicher und nicht automobiler Natur sind. Bei den Models ist die Bologna Motorshow bekanntermaßen Weltklasse. Sollte es bei den automobilen Neuheiten in den nächsten Jahren jedoch nicht besser werden, kommt zwar das autobegeisterte italienische Publikum, aber die Bologna Motorshow dürfte aus der Bedeutungslosigkeit kaum hinauskommen.