«Im Elektroantrieb liegt für uns die Zukunft»

Geschäftsführer Kursch

«Im Elektroantrieb liegt für uns die Zukunft»
Thomas Kursch © Foto: Werk

Mitsubishi setzt in Zukunft voll auf Elektroautos. Deutschland-Geschäftsführer Thomas Kursch stellt im Interview mit der Autogazette zudem die Rückkehr des legendären L300 in Aussicht.

Mitsubishi plant die Rückkehr des L300. Nachdem ein Nachfolger des legendären Kleinbusses bereits in Japan unter dem Namen D:5 gestartet ist, wird nun auch an einer Rückkehr nach Europa gearbeitet. «Wir sind derzeit in Verhandlungen, hoffen aber, dass wir den Nachfolger des L300 bald nach Europa holen können», sagte Thomas Kursch, Geschäftsführer von Mitsubishi Deutschland, im Interview mit der Autogazette. Abhängig sei die Markteinführung von der Homologation und den eingesetzten Motoren. «Das kann aber relativ schnell gehen», so Kursch weiter.

Elektroantrieb mit Primärenergie

Zuvor aber wird Mitsubishi versuchen, die Lücke im wichtigen C-Segment zu füllen. Bisher zieht das japanische Unternehmen hauptsächlich seinen Bekanntheitsgrad aus den sportlichen Erfolgen des Pajero bei der Rallye Dakar und über den Kleinwagen Colt. Ab dem Sommer steht dann ein neuer Lancer zur Verfügung. «Das ist natürlich nur ein Anfang», so Kursch.

Mit den neuen Modellen - neben dem Lancer gehen ab Ende Februar auch der neue Pajero und Outlander an den Start - soll der letztjährige Absatzrückgang überwunden werden. Kursch zeigt sich sehr optimistisch: «Der Rückgang ist vor allem im November und Dezember aus zwei Gründen erfolgt: Erstens haben wir uns an der Rabattschleuderei mit 16 oder 19 Prozent nicht beteiligt. Zweitens befanden wir uns mit dem Pajero und mit dem Outlander im Ausverkauf und hatten dort eine Lücke von zwei, drei Monaten.»

Entscheidung über Werk in Russland Ende 2007

Der Mitsubishi Outlander Foto: Werk

Eine weitere Lücke kann demnächst in Russland geschlossen werden. Dort besteht eine Zusammenarbeit mit PSA Peugeot Citroen, die im neuen Outlander ihren Anfang gefunden hatte. «Bis zum Ende des Jahres wird eine Entscheidung über das Werk in Russland fallen. Grundsätzlich verfügen wir über ein flächendeckendes weltweites Netz», sagt Kursch mit Hinweis auf die zuletzt widersprüchlichen Meldungen, ob Mitsubishi in Russland ein Werk eröffne oder nicht.

Über das Anfangsstadium hinaus ist der Autohersteller bei der Entwicklung alternativer Antriebstechniken. Zwar werde in Japan die Brennstoffzelle entwickelt, «primär aber geht es uns aber um die Elektrotechnologie», sagt Kursch. Mitsubishi habe eine sehr hohe Kooperationsrate mit Primärenergie-Herstellern in Japan. Ab dem Jahr 2009 soll diese Energie in Japan flächendeckend zum Einsatz kommen. «Deshalb gehen wir bewusst den Weg zum Elektroantrieb und damit meine ich nicht nur den Radnabenantrieb, weil wir glauben, dass im Gegensatz zum Hybridsystem darin eine Zukunft liegt.»

Kursch sieht dann auch einen Transfer nach Europa gewährleistet: «Wenn es in Japan angelaufen ist, werden wir die Technologie sukzessive in Deutschland übernehmen.»

Über Motorsport zur Serienfertigung

Stephane Peterhansel im Mitsubishi Pajero Foto: dpa

Autogazette: Herr Kursch, Mitsubishi hat zum siebten Mal in Folge die Rallye Dakar gewonnen und insgesamt das Dutzend voll gemacht. Wie zahlen sich diese Erfolge für Mitsubishi aus?

Thomas Kursch: Wir können durch die Erfolge im Motorsport vermitteln, dass Mitsubishi Wert auf eine sportlich dynamische Linie legt, die sich in den Serienmodellen niederschlägt.

Autogazette: Sind die Erfolge nicht nur Segen, sondern auch Fluch. In Deutschland verbindet man Mitsubishi zumeist mit Pajero und der Dakar, aber nicht unbedingt mit Serienmodellen...

Kursch: ...das ist richtig, aber wir versuchen, mit der Einführung des neuen Pajero sowie des Outlander im Februar sowie der Rückkehr in die Mittelklasse mit dem neuen Lancer im Herbst, die Lücke wieder zu besetzen.

Lancer nur der Anfang

Der neue Mitsubishi Lancer Foto: Werk

Autogazette: Reicht ein neues Fahrzeug im wichtigen C-Segment aus, um die wenigen Verkäufe in der Mittelklasse zu verbessern?

Kursch: Natürlich ist das nur ein Anfang. Dank mehrerer Derivate werden wir aber langsam in das Segment hineinwachsen.

Autogazette: Als eine von zehn Autofirmen musste Mitsubishi im vergangenen Jahr einen Absatzrückgang hinnehmen. Reicht die bis 2008 angekündigte Modelloffensive aus, um die Wende zu schaffen?

Kursch: Unter dem Strich stand für uns eine rote oder schwarze Null, ganz nach Ansichtsweise. Wir haben inklusive unserer Nutzfahrzeuge wieder 40.000 Autos abgesetzt. Wir wollen natürlich mit den neuen Modellen wachsen. Wir wollen aber bescheiden wachsen. Wir planen mittelfristig in den nächsten ein zwei Jahren eine Absatzgröße, die bei 50.000 Autos liegt.

Autogazette: Welche Maßnahmen müssen noch ergriffen werden, um die Marke attraktiver herüber zu bringen?

Kursch: Wir können dadurch attraktiver werden, indem wir Technologie aus dem Motorsport in die Serienfertigung übertragen. Zum anderen müssen wir unsere Modellpalette ausweiten. Das ist auch ganz klar unsere Intention.

L300 kann relativ schnell kommen

Mitsubishi L300 Foto: Werk

Autogazette: Jahrelang war der L300 ein Aushängeschild. Jetzt fehlt dieses Segment völlig. Sicherlich haben sich die Bedürfnisse verändert oder sind von außen verändert worden, doch Anhänger müsste der L300 doch noch haben...

Kursch: ...das Auto gibt es ja. Der D:5 wurde gerade in Japan eingeführt. Wir denken daran, das Auto nach Europa zu holen und auch in Deutschland zu vermarkten.

Autogazette: Das dauert aber noch eine Weile?

Kursch: Das hängt von der entsprechenden Homologation und den Motoren, die dort verbaut werden, ab. Das kann aber relativ schnell gehen. Wir sind derzeit in Verhandlungen, hoffen aber, dass wir den Nachfolger des L300 bald nach Europa holen können.

Autogazette: Wird es zum 30-jährigen Jubiläum von Mitsubishi in Deutschland in diesem Jahr Überraschungen geben?

Kursch: Wir werden Sondermodelle in zwei Serien anbieten. Im Frühjahr beginnen wir mit der kompletten Colt-Familie. Im Herbst wird es eine zweite Sonderserie geben. Wir werden allerdings nicht wie die Wettbewerber auf Versicherungspakete gehen, da wir ab Werk drei Jahre Garantie anbieten und für einen sehr geringen Betrag für zwei weitere Jahre Anschlussgarantie.

Keine Rabattschleuderei

Der neue Outlander Foto: Werk

Autogazette: Beim neuen Outlander wurde eine Partnerschaft mit Peugeot und Citroen eingegangen. Wie groß waren die Zweifel an diesem Projekt, nachdem die Zusammenarbeit mit DaimlerChrysler vor gut einem Jahr zerbrochen war?

Kursch: Man muss sicherlich differenzieren. Bei DaimlerChrysler war es eine Allianz, bei der DaimlerChrysler der Major-Shareholder von Mitsubishi war. Dies ist eine Allianz, die sich rein auf das Produkt bezieht und wir dem Haus PSA einen SUV liefern, weil sie im Portfolio dieses Segment nicht haben und glauben, dass sie damit ihre Produktpalette erweitern können.

Autogazette: Kann man anhand des Absatzrückgangs von über acht Prozent darauf schließen, dass die Trennung von DaimlerChrysler Mitsubishi nicht gut getan hat?

Kursch: Eigentlich nicht, weil wir vor der Allianz recht gute Steigerungsraten hatten. Der Rückgang ist vor allem im November und Dezember aus zwei Gründen erfolgt: Erstens haben wir uns an der Rabattschleuderei mit 16 oder 19 Prozent nicht beteiligt. Zweitens befanden wir uns mit dem Pajero und mit dem Outlander im Ausverkauf und wir dort eine Lücke von zwei, drei Monaten hatten, weil keine Autos da waren und die neuen Fahrzeuge jetzt erst aus Japan geliefert wurden.

Autogazette: Trotzdem bauen Sie die Partnerschaft mit PSA Peugeot Citroen weiter aus und arbeiten in Russland zusammen. Ist das der Anfang, in den neuen Boommärkten in Osteuropa und Asien Fuß zu fassen?

Kursch: Bis zum Ende des Jahres wird eine Entscheidung über das Werk in Russland fallen. Grundsätzlich verfügen wir über ein flächendeckendes weltweites Netz.

Autogazette: Wie stark ist Mitsubishi in China vertreten?

Kursch: Wir haben in China eine nationale Vertriebsgesellschaft, die vor hat, in diesem Jahr 60.000 Modelle abzusetzen.

Chinesische Konkurrenz benötigt noch Zeit

DEr Brilliance BS6 aus China Foto: Werk

Autogazette: Chinesische Hersteller drängen auf den Markt. Japanische Hersteller brauchten sehr lange, um sich zu etablieren. Rechnen Sie damit, dass die chinesischen Unternehmen in einer schnelllebigeren Zeit auch schneller durchsetzen werden?

Kursch: Da noch einige Produkt- und Technikdefizite bestehen wird es noch zwischen fünf und sieben Jahren dauern. Wir verfolgen das allerdings sehr sorgfältig und unterschätzen das in keinster Weise. Wir glauben sehr wohl, dass die Chinesen in fünf bis sieben Jahren ihre Marktstellung in Deutschland haben werden und ausbauen wollen.

Autogazette: Werden die Chinesen der schärfste Konkurrent für japanische Hersteller werden?

Kursch: Das glauben wir eigentlich nicht. Ohne borniert zu sein, stellen die japanischen Hersteller eine gewisse Qualität dar. Wir wollen uns - wie alle japanischen Mitbewerber auch - auf einem qualitativ hohen Niveau halten, um uns von den chinesischen als auch von den koreanischen Produkten etwas abzusetzen.

«Elektro hat Zukunft - im Gegensatz zu Hybrid»

Das Concept Car EZ MIEV mit Radnabenmotor Foto: Werk

Autogazette: Viele Autohersteller setzen auf Hybridmotoren auf dem Weg zur Brennstoffzelle. Mitsubishi propagiert Elektromotoren. Sehen Sie in diesem Konzept eine Nischenchance?

Kursch: Mitsubishi glaubt daran, dass die Primärenergie, gerade Windkraft und Sonnenkraft, in ein paar Jahren flächendeckend so vorhanden sein wird, dass man diese Ressourcen nutzen kann. Deshalb gehen wir bewusst den Weg zum Elektroantrieb und damit meine ich nicht nur den Radnabenantrieb, weil wir glauben, dass im Gegensatz zum Hybridsystem darin eine Zukunft liegt. So wird auch der «i» zuerst mit einem reinen Elektroantrieb auf den Markt kommen, bevor der Radnabenantrieb serienreif ist.

Autogazette: Wird der Elektroantrieb für Mitsubishi der einzige Weg in die Zukunft bleiben?

Kursch: Mitsubishi hat dort eine sehr hohe Kooperationsrate auch mit Primärenergie-Herstellern in Japan, wo ein flächendeckendes Netz dieser Primärenergie sichergestellt werden soll, Es ist geplant bereits ab dem Jahr 2009, flächendeckend diese Energie in Japan einzusetzen.

Autogazette: Wann wird die Technologie nach Deutschland kommen?

Kursch: Wenn es in Japan angelaufen ist, werden wir die Technologie sukzessive in Deutschland übernehmen.

Autogazette: Ist die Brennstoffzelle für Mitsubishi trotzdem noch ein Thema?

Kursch: Die Brennstoffzelle wird entwickelt. Primär aber geht es uns aber um die Elektrotechnologie.

Das Interview mit Thomas Kursch führte Thomas Flehmer

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