«Die Märkte sind derzeit unberechenbar»

Mini-Chef Kay Segler

Mini-Chef Kay Segler.
Mini-Chef Kay Segler rechnet mit weiterem Wachstum. © BMW

Die BMW-Tochter Mini befindet sich auf Wachstumskurs. Im Interview mit der Autogazette spricht Mini-Chef Kay Segler über neue Modelle, unberechenbare Märkte und langweilige, uninspirierte Autos.

Der Autobauer Mini rechnet trotz der anhaltenden Krise auf dem europäischen Automarkt auch im kommenden Jahr mit weiterem Wachstum, hält sich mit konkreten Absatzerwartungen aber zurück. «Die Märkte sind derzeit unberechenbar, sodass man schlicht keine verlässlichen Prognosen mit Blick auf das kommende Jahr treffen kann. Aber eines ist klar: Wir werden auch in 2013 weiter wachsen. Es wäre fahrlässig zu sagen, die Volatilität der Märkte ginge an uns spurlos vorbei», sagte Mini-Chef Kay Segler im Interview mit der Autogazette.

Nach den ersten zehn Monaten konnte die BMW-Tochter weltweit 247.698 Fahrzeuge absetzen, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 6,7 Prozent.

Mini Paceman soll Absatz befördern

Segler geht davon aus, dass der im kommenden Jahr auf den Markt kommende Paceman den Absatz der Marke weiter beflügeln wird. «Der Paceman ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Wachstumsstrategie», so Segler, der den Erfolg der Marke nicht nur an der reinen Stückzahl festmachen will.

Sicherlich wolle man «weiter wachsen und die Marke weiter entwickeln. Doch wenn wir die reine Stückzahl als Grundlage unseres Erfolges sehen würden, macht irgendwann auch der ein oder andere Händler Blödsinn und beteiligt sich an Rabattaktionen, die nicht in unserem Sinne sind und die nicht zur Marke Mini passen».

«Paceman ist kein Nischenmodell»

Der Mini Paceman ist die siebte Baureihe des BMW-Tochter.
Der Mini Paceman BMW

Autogazette: Herr Segler, im März bringen Sie mit dem Mini Paceman die siebte Baureihe auf den Markt. Ist es für Sie mehr als ein Nischenmodell?

Kay Segler: Er ist keineswegs ein Nischenmodell. Ich verweise auf den BMW X6, den einige Beobachter ebenfalls bei seinem Marktstart als Nischenmodell bezeichnet haben. Doch er hat sich erfolgreich am Markt etabliert. Der Paceman wird sicherlich nicht das Volumen eines Countryman erreichen...

Autogazette: ... auf den mittlerweile mehr als ein Drittel der Verkäufe entfallen...

Segler: ... aber er wird seinen Weg erfolgreich gehen. Vom Countryman verkaufen wir rund 100.000 Einheiten pro Jahr, der Paceman wird sich irgendwo in der Mitte positionieren.

Autogazette: Was heißt das genau mit Blick auf die Absatzerwartung?

Segler: Er wird ohne Frage für Zusatzvolumen sorgen, doch eine Absatzprognose werden Sie von mir zum Paceman nicht bekommen. Aber er wird dazu beitragen, dass noch mehr Menschen zu uns in die Showrooms kommen. Der Countryman und der Paceman ergänzen sich prima. Es gibt Kunden, die zwar mehr Platz wollen, aber nicht unbedingt vier Türen benötigen. Für diese Klientel haben wir nun auch ein passendes Produkt, das unseren Absatz weiter beflügeln wird. Der Paceman ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Wachstumsstrategie.

Autogazette: Mini konnte im Vorjahr mit 285.000 Einheiten einen neuen Absatzrekord aufstellen. Per Oktober liegen Sie nun bei über 247.000 Fahrzeugen Werden Sie sich Ende des Jahres irgendwo um die 300.000 Autos einpendeln?

Segler: Das ist schwer zu sagen: Auch wir mussten aufgrund der Krise in Europa deutliche Einbrüche in Ländern Südeuropas hinnehmen. Das trifft insbesondere auf Griechenland, Spanien und Portugal zu.

«Werden auch in 2013 weiter wachsen»

Die Seintenlinie des Mini Countryman.
Der Mini Countryman BMW

Autogazette: Doch Sie sind eine global aufgestellte Marke, die beispielsweise in China zuletzt deutlich zulegen konnte. Die 300.000-Marke dürfte doch geknackt werden?

Segler: Warten wir ab, wie sich die Märkte im November und Dezember entwickeln.

Autogazette: Nach dem Zuwachs von fast 22 Prozent im Jahr 2011 hat sich auch für Mini das Wachstum verlangsamt. Per Oktober liegen Sie bei einem Plus von rund sieben Prozent. Müssen Sie sich im kommenden Jahr auf eine weitere Verlangsamung des Wachstums einstellen?

Segler: Das ist ganz schwer zu sagen. Wir schauen von Monat zu Monat. Die Märkte sind derzeit unberechenbar, sodass man schlicht keine verlässlichen Prognosen mit Blick auf das kommende Jahr treffen kann. Aber eines ist klar: Wir werden auch in 2013 weiter wachsen. Es wäre fahrlässig zu sagen, die Volatilität der Märkte ginge an uns spurlos vorbei.

Autogazette: Die reine Stückzahl hat für Sie keine Relevanz?

Segler: Sicherlich wollen wir weiter wachsen und die Marke weiter entwickeln. Doch wenn wir die reine Stückzahl als Grundlage unseres Erfolges sehen würden, macht irgendwann auch der ein oder andere Händler Blödsinn und beteiligt sich an Rabattaktionen, die nicht in unserem Sinne sind und die nicht zur Marke Mini passen.

«Wollen in China stärker als der Markt wachsen»

Der Mini Roadster BMW

Autogazette: Sie sagten einmal, dass die Welt immer stärker Mini werden würde. Ist der Trend für Sie nicht ein Garant für weiteres Wachstum auch in 2013?

Segler: Ja, das glaube ich weiterhin. Mini wird in den Segmentanteilen weiter wachsen. Es gibt so viele langweilige, uninspirierte Autos, davon profitieren wir genauso, wie durch den Trend hin zu Kleinwagen.

Autogazette: Auf dem chinesischen Markt konnten Sie per Oktober im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 32 Prozent zulegen. Welche Wachstumsraten setzen Sie sich perspektivisch?

Segler: Wir wollen in China stärker als der Markt wachsen. Wir gehören in China zu den Marken, die sehr stark unterwegs sind und dort weiter wachsen.

Autogazette: Normalerweise folgt die Produktion dem Markt. Ist das bei Mini auch so?

Segler: Diese Frage stellt sich für uns aktuell nicht. Unsere Autos werden derzeit in Oxford und bei Magna Steyr in Österreich gebaut, ab 2014 kommen noch die Niederlande hinzu. Damit sind wir bei unserer derzeitigen Größe hervorragend aufgestellt.

Das Interview mit Kay Segler führte Frank Mertens