Mini Countryman: Überzeugend anders

Vier Türen, vier Sitze

Der Countryman ist der größte Mini © Mini

Der Mini Countryman polarisiert. Für Puristen der Marke hat dieses Modell nur noch wenig gemein mit einem Mini. Was das neuste Fahrzeug der BMW-Tochter zu bieten hat, zeigt unser Test.

Von Frank Mertens

Ist das nun noch ein Mini oder nicht? Natürlich, so räumt Mini-Sprecher Cypselus von Frankenberg ein, hätten sich zum Marktstart des Countryman im September des vergangenen Jahres einige Kunden diese Frage gestellt.
Aber beim Blick auf die Absatzzahlen in 2010 scheint dies kein Thema mehr zu sein. Der Mini Countryman ist auf dem Weg, sich für die Münchner zu einem Erfolgsmodell zu entwickeln. Von den 234.175 Mini-Verkäufen im Vorjahr entfielen trotz des späten Starts bereits 14.337 Einheiten auf den Countryman – und dabei ist die Markeinführung auf dem für die Marke so wichtigem US-Markt erst im Januar dieses Jahres erfolgt.

Keine Absatzzahlen für Countryman

Zu Absatzerwartungen im ersten vollen Jahr mag sich der Mini-Sprecher zwar nicht äußern, aber so viel sagt er dann doch. „Wir sind mit dem Start und der Resonanz auf den Countryman sehr zufrieden. Er stimmt uns zuversichtlich.“ Aber vielleicht war ein kleiner Bruch mit der Tradition auch erforderlich, um der Marke Mini wieder mehr und vor allem neue Kunden zu bescheren.

Das Cockpit im Mini Countryman Mini

Denn mit seinen vier Türen und seiner hohen Karosserieform spricht der Countryman nun auch Käufer an, denen der Platz in einem herkömmlichen Mini schlicht nicht genügte - und die es sich oder ihren Mitreisenden nicht mehr zumuten wollten, sich trotz Easy-Entry mit Verrenkungen auf die hinteren Sitze zu zwängen. Doch das ist nun vorbei. In den Countryman lässt es sich bequem einsteigen. Und auf den zwei separaten Sitzen im Fond finden selbst Großgewachsene mehr oder minder gut Platz. Wem der Hauch von einem Nichts im Kofferraum der bisherigen Minis ein Greuel war, der wird nun erleichtert sein. Für die Fahrt ins Wochenende oder den Kurzurlaub stehen im knapp über vier Meter langen Countryman für einen Mini stattliche 350 Liter zur Verfügung.

Cockpit bleibt unverändert

Das lässt sich sehen. Nichts geändert hat sich am Cockpit, es ist so, wie man es auch aus anderen Mnis kennt. Die einen mögen das, die anderen hätten sich hier etwas mehr Fortschritt gewünscht. Denn für einen Premiunkleinwagen, der der Mini nun einmal sein will, gibt es an der Mittelkonsole schlicht zu viel Kunststoff. Mehr Wertigkeit würde man sich hier angesichts des Preises des Countryman wünschen.

Vier Türen erleichtern beim Countryman das Einsteigen Mini

So ruft die BMW-Tochter für die Basisversion, den Mini One mit 98 P, bereits 20.200 Euro auf. Der von uns getestete Mini Cooper D mit Allradantrieb steht mit satten 25.900 Euro in den Preislisten. Wer solche Preise aufruft, der muss seinen Kunden schon mehr bieten als nur das Image einer Kultmarke. Doch wenn man über Details im Innenraum noch unterschiedlicher Auffassung sein kann, trifft dies auf die Fahrleistungen nicht zu. Der 1.6 Liter Diesel in unserem Testwagen verfügt über 112 PS – und die lassen einen recht zufrieden dreinschauen.

Die Seitenline des Mini Countryman Mini

Untermotorisiert fühlt man sich so in diesem 1380 Kilo schweren Countryman nicht, ganz im Gegenteil. So motorisiert kann man anständig unterwegs sein, was auch der Blick ins Leistungsblatt veranschaulicht. Das maximale Drehmoment von satten 270 Nm liegt zwischen 1750 und 2250 Umdrehungen pro Minute an. Und in 11,6 Sekunden hat man Tempo 100 erreicht – ein akzeptabler Wert. Die Spitzengeschwindigkeit ist mit 180 km/h angegeben. Wer will, der kann damit im Countryman durchaus sportlich unterwegs sein. Das Fahrwerk ist nicht zu beanstanden. Das trifft auch auf die Lenkung zu, die einem eine gute Rückmeldung vermittelt.

Gute Übersicht im Countryman

Auch im Gelände gut unterwegs, der Countryman Mini

Dank der erhöhten Karosserieform, der Countryman bringt es auf eine Höhe von 1,56 Meter, bietet er seinen Passagieren ein gute Sicht auf den Verkehr. Gerade im Stadtverkehr lernt man dies zu schätzen. Wenn es denn etwas gibt, was enttäuschend ausfällt, dann ist es der Verbrauch des Countryman. Statt der versprochenen 4,9 Liter waren es bei den Testfahrten 6,4 Liter. Gut, es herrschten zum Zeitpunkt der Testfahrten Minusgrade, sodass auch das Start-Stopp-System nicht funktionierte, doch das ist trotzdem zu viel.

Ob der Countryman nun noch ein Mini ist oder nicht, muss jeder am Ende für sich selbst entscheiden. Doch er fährt sich auf jeden Fall weiter so – und ein Hingucker ist er auch. Keine schlechte Voraussetzungen, um zu einem Erfolg zu werden.

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.