Mercedes verzichtet beim Actros auf die Elefantenohren

Der neue Mercedes Actros feierte seine Weltpremiere in Berlin © Mertens

Mercedes hat in Berlin den neuen Actros vorgestellt. Ihrem Lkw-Flaggschiff bereiteten die Schwaben dabei den ganz großen Auftritt.

So etwas kennt man sonst nur von der Berlinale, den roten Teppich vor dem Theater am Marlene-Dietrich-Platz am Potsdamer Platz. Er wird dort für die Stars und Sternchen ausgelegt, wenn die ihren neusten Film präsentieren.


Doch am Mittwochabend gehörte die Bühne nicht den Schauspielerinnen und Schauspielern, sondern einem Lkw. Mercedes-Benz hatte zur Weltpremiere des neuen Actros geladen. Es ist das Flaggschiff der Trucksparte des Stuttgarter Autobauers, der tags zuvor in Stockholm gerade sein erstes Elektroauto der EQ-Familie präsentiert hatte.

Buchner: Hier wird Zukunft gestaltet

Dass Mercedes die Weltpremiere seines Flaggschiffes ausgerechnet in Berlin feierte, hätte einen einfachen Grund gehabt, sagte Lkw-Chef Stefan Buchner. „Hier wird Zukunft gestaltet und wir wollen diese Zukunft mitgestalten“, sagte der Manager vor 200 Gästen aus 30 Nationen. Wie Buchner erklärte, würde man bei Mercedes wissen, dass der Güterkraftverkehr in Zukunft vor großen Herausforderungen stehen würde. Dazu gehörten beispielsweise der wachsende Fahrermangel, Staus auf den Autobahnen und die fehlende gesellschaftliche Akzeptanz, mit der Lkw-Fahrer im Alltag zu leben haben.

Für alle Probleme hat auch Mercedes keine Antworten, aber der Lkw-Bauer versucht den Spediteuren und insbesondere den Fahrern die Arbeit zu erleichtern. Dazu wurde der Actros technisch signifikant aufgerüstet, bekam mehr als 60 Innovationen verpasst. Damit würde der neue Actros die Zukunft des schweren Lkw schon heute auf die Straße bringen, wie Buchner vollmundig sagte.

Logistikgeschäft wird sicherer

Nachdem Mercedes vor vier Jahren den automatisiert fahrenden Future Truck vorgestellt hatte, kommt „das weltweit erste teilautomatisierte Assistenzsystem in einen Serien-Lkw“ nun im Actros zum Einsatz, wie Buchner feststellte. „Wir bei Daimler Trucks bauen so unsere Führungsrolle beim automatisierten Fahren weiter aus. Ausgestattet mit Active Drive Assist macht unser Actros das Logistikgeschäft deutlich sicherer für alle Verkehrsteilnehmer und effizienter für unsere Kunden“, fügte er hinzu. So ermöglicht der Active Brake Assist es beispielsweise selbständig zu bremsen, Gas zu geben und zu lenken – und das in allen Geschwindigkeitsbereichen. Dadurch würde der Fahrer deutlich entlastet – ein Beitrag für die Verkehrssicherheit.

Dazu trägt auch der Active Brake Assist 5 bei. Dahinter verbirgt sich die fünfte Generation des Notbremsassistenten. Das Assistenzsystem leitet automatisch eine Notbremsung ein, wenn beispielsweise ein Auffahrunfall droht oder ein Fußgänger die Straße quert. Bei den Kunden scheint das System anzukommen. Seit Einführung der ersten Generation im Jahr 2006 wurden bereits 230.000 Lkws mit einem Notbremsassistenten ausgeliefert.

Keine Elefantenohren stören den Blick des Fahrers

Kameras statt Außenspiegel beim Mercedes-Benz Actros. Foto: Daimler

Zu den Neuerungen am Actros gehören zudem eine Mirror-Cam, die statt Außenspiegeln zum Einsatz kommt. „Damit befinden sich keine Elefanten-Ohren mehr im Blick des Fahrers“, so Buchner. Diese neuen Kameras würden nicht nur die Aerodynamik und Effizienz verbessern – im Vergleich zum Vorgänger wurde die um bis zu fünf Prozent gesteigert – sondern auch eine bessere Rundumsicht ermöglichen. Die Bilder der beiden Kameras kann der Fahrer an zwei 15 Zoll großen Displays an den A-Säulen anschauen.

Mit diesen Kameras dürften auch die Abbiegeunfällen eingedämmt werden, die immer wieder für Schlagzeilen sorgen. Unfälle mit abbiegenden Lkws haben in diesem Jahr in Berlin schon etliche Todesopfer gefordert. Mercedes ist übrigens der einzige Hersteller mit einem Abbiegeassistenten im Angebot. Bereits jeder dritte verkaufte Lkw von Mercedes wird mit einem solchen bislang leider nicht vorgeschriebenen Abbiegeassistenten verkauft.

Actros auch mit Erdgas

Neben der weiteren Digitalisierung des Cockpits wird Mercedes sein Flaggschiff neben den bekannten Dieselmotoren auch mit Erdgas anbieten, an LNG sei indes nicht gedacht. Am Diesel jedenfalls wird Daimler Trucks nach wie vor festhalten. Aber natürlich habe man auch andere Antriebe wie die Brennstoffzelle im Blick, sagte Buchner. Mit Blick auf die immer strenger werdenden CO2-Grenzwerte merkte Buchner an, dass man beim Actros allein seit 2011 die Emissionen um 15 Prozent gesenkt habe und bereits ab April des kommenden Jahres die Abgasnorm Euro6 erfülle, die eigentlich erst ab September gelten würde.

Dass Mercedes seinem Actros in Berlin die ganz große Bühne bereitet hat, kann man auch an der Bedeutung dieses Modells ablesen. Seit 1996 wurden von ihm 1,2 Millionen Einheiten weltweit abgesetzt. Die neue Actros soll nun die Erfolgsgeschichte fortschreiben. Vom roten Teppich geht es für ihn nun auf die Straße, also ins reale Leben abseits des Rampenlichts.

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