Daimler und Linde bauen 20 Wasserstoff-Tankstellen

Erfolgreiches Ende der Welttour

Thomas Weber (l.) und Dieter Zetsche bei der Zielankunft der F-Cell-Fahrzeuge in Stuttgart. © Daimler

Der Autobauer Daimler wird zusammen mit dem Technologiekonzern Linde für den Bau von Wasserstofftankstellen sorgen. Das gaben beide Konzerne am Mittwoch bei der Rückkehr von drei Mercedes B-Klasse Fuel-Cell-Fahrzeugen bekannt.

Von Frank Mertens

Nach 125 Tagen und 30.000 Kilometern über vier Kontinente endete am Mittwoch in Stuttgart die Welttour von drei Mercedes B-Klasse Fuel-Cell-Fahrzeugen. "Die Brennstoffzelle bringt die Elektromobilität einen entscheidenden Schritt voran: Sie ermöglicht emissionsfreies Fahren mit großen Reichweiten bei kurzen Tankzeiten – und das nicht nur bei Pkw, sondern auch bei Nutzfahrzeugen", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Rückkehr der drei mit Wasserstoff angetriebenen Fahrzeuge.

Das Ziel der Welttour war die Alltagstauglichkeit dieser Brennstoffzellentechnologie unter Beweis zu stellen. Und das ist gelungen. Mit Ausnahme kleinerer Defekte wie einem durch einen Marderbiss durchlöcherten Kühlschlauch verlief die Tour ohne größere Probleme. Damit haben die mit einem 136 PS starken Elektromotor ausgestatteten Brennstoffzellenfahrzeuge ihre Marktreife eindrucksvoll bewiesen. Ab 2014 soll die Großserie starten.

Daimler und Linde bauen Tankstellen

Die Mercedes B-Klasse F-Cell auf der letzten Etappe in Hamburg Daimler

Einem Marktstart stände bereits jetzt nichts mehr im Wege, doch noch fehlt die Infrastruktur. Doch dieses Thema nimmt Daimler nun zusammen mit der Linde AG selbst in die Hand und will in den kommenden drei Jahren deutschlandweit 20 Wasserstofftankstellen bauen. Dafür investieren beide Unternehmen 20 Millionen, eine Million pro Tankstelle. "Gemeinsam mit Linde machen wir jetzt den nächsten Schritt: die Initialzündung in Sachen Infrastruktur. 20 neue Wasserstoff-Tankstellen werden dem Markt einen wichtigen Impuls geben", fügte Zetsche hinzu.

Die neuen Wasserstofftankstellen sollen laut Aussagen beider Unternehmen in den Regionen Stuttgart, Berlin und Hamburg sowie entlang einer neuen durchgängigen Nord-Süd- und Ost-West-Verbindung entstehen. Dabei ist geplant, die bestehenden Standorte unterschiedlicher Mineralölfirmen zu nutzen. "In Verbindung mit der Brennstoffzelle wird Wasserstoff den Ausbau der Elektromobilität ganz wesentlich prägen", so Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Wie Reitzle hinzufügte, verstehe man sich als Impulsgeber für bereits bestehende Initiativen wie H2 Mobility und die Clean Energy Partnership (CEP).

Die ersten der insgesamt 20 neuen Wasserstofftankstellen sollen bereits 2012 in Betrieb gehen. Damit das Thema der Infrastruktur noch mehr Fahrt aufnimmt, steht das Projekt für weitere Industriepartner aus der Mineralöl, Energie- oder Automobilindustrie offen, wie Daimler und Linde mitteilten.

Vorteile von Wasserstoff

Die Mercedes B-Klasse F-Cell vor dem Hamburger Michel Daimler

Die Vorteile der Wasserstofftechnologie sind dabei offensichtlich. Im Vergleich zu einem reinen Elektroauto – dessen Ladevorgang bis zu acht Stunden dauert - lässt sich die B-Klasse Fuel-Cell innerhalb von gerade einmal drei Minuten mit den 3,8 Litern Wasserstoff betanken. Auch ein Auto mit einem herkömmlichen Verbrennungsmotor lässt sich nicht schneller betanken. Während heutige Elektroautos wie beispielsweise der Smart auf eine Reichweite von nur 120 Kilometer kommen, ermöglicht die B-Klasse mit einer Tankfüllung Fahrten von bis zu 400 Kilometern. Angst vor fehlender Reichweite muss der Kunde dabei nicht haben. Während der Welttour hatte ein mitgereistes Tankfahrzeug für die Versorgung der Fuel-Cell-Fahrzeuge mit Wasserstoff gesorgt. Bereits bei dieser Tour war Linde Partner von Daimler als Wasserstofflieferant.

Ein Durchbruch der Wasserstofftechnologie ist untrennbar mit der Infrastruktur verbunden. Derzeit sind sieben Tankstellen in öffentlich zugänglichen Tankstellen integriert. Für die flächenmäßige und kundenfreundliche Abdeckung einer Großstadt werden je nach Größe zwischen fünf und zehn Tankstellen benötigt.