Sonderkosten schmälern Quartalsgewinn von Daimler

Erwarteter Abrutsch

Dieter Zetsche. Foto: dpa
Daimler-Chef Dieter Zetsche. © dpa

Bei Daimler ist im zweiten Quartal der Gewinn drastisch abgerutscht. Die Folgen der Umstellungen auf den neuen Messzyklus sowie drohende US-Zölle haben das Ergebnis belastet.

Beim Auto- und Lastwagenbauer Daimler wachsen die Probleme. Im zweiten Quartal rutschte der Gewinn wegen hoher Sonderkosten ab. Und die Aussichten sind in der wichtigen Kernsparte Mercedes-Benz weiter mau. Auch im laufenden dritten Quartal rechnet Vorstandschef Dieter Zetsche mit Belastungen, weil der Konzern bei der Zertifizierung von Pkws und kleinen Nutzfahrzeugen nicht so weit ist wie gedacht. Allerdings sind die Anleger am Markt erleichtert, dass die deutschen Autobauer vielleicht doch noch von höheren US-Zöllen verschont werden.


Kostspielige Software-Updates für Dieselfahrzeuge, Auslieferungsstopps und der neue Abgasteststandard WLTP sorgen dafür, dass manche Daimler-Modelle für die Kunden vorübergehend nicht verfügbar sind. Erst im vierten Quartal soll wieder Besserung eintreten, Rückstände sollen dann abgearbeitet werden.

Gewinn rutscht um 29 Prozent ab

„Die Automobilindustrie und damit auch wir haben eine Vielzahl von Herausforderungen zu meistern. Deshalb ist es wichtig, dass wir konsequent unsere Strategie umsetzen“, sagte Zetsche. Der Manager will weiter in neue Modelle und Technologien investieren. Zugleich  auch den Konzernumbau zur Holding vorantreiben, der die einzelnen Geschäftsfelder flexibler machen soll.

Im abgelaufenen Dreimonatszeitraum rutschte der auf die Aktionäre entfallende Gewinn um 29 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro ab. Vor Steuern und Zinsen ging das Ergebnis ebenfalls um fast ein Drittel auf 2,64 Milliarden Euro zurück. Analysten hatten in etwa mit solchen Werten gerechnet. Rechtskosten für den Vergleich rund um das Mautsystem Toll Collect belasteten das operative Ergebnis mit 418 Millionen Euro. Der Umsatz ging trotz eines höheren Fahrzeug-Absatzes insgesamt um ein Prozent auf 40,76 Milliarden Euro zurück.

Daimler räumt Rabatte ein

Bei Mercedes-Benz musste Daimler höhere Rabatte geben, weil Kunden in China sinkende Zölle für Autos aus Europa für ihre Preisverhandlungen bei den Händlern nutzten. Die am Markt viel beachtete operative Marge im Pkw-Geschäft fiel von dem starken Vorjahreswert von 10 Prozent auf jetzt 8,4 Prozent.

JPMorgan-Analyst Jose Asumendi sprach in einer ersten Einschätzung von einem schwierigen Quartal für Daimler. Letztlich sei das operative Ergebnis aber wie von ihm erwartet ausgefallen. Am Aktienmarkt fielen die schwächeren Zahlen aber kaum ins Gewicht: Hier sorgte vielmehr der überraschende Durchbruch im drohenden Handelskonflikt zwischen den USA und Europa für Erleichterung. Die Daimler-Aktie lag nach dem Handelsstart mit 1,6 Prozent Plus allerdings nicht so gut im Rennen wie andere Autowerte und Zulieferer.

Mögliche US-Zölle vom Tisch

US-Präsident Donald Trump hatte europäischen Autobauern einen deutlich erhöhten Einfuhrzoll von 20 Prozent angedroht – bei einem Krisentreffen in Washington verständigten sich Trump und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Vorabend aber überraschend auf einen Plan zur Beilegung des Handelskonflikts. Mögliche US-Zölle auf Autos sind nach Auffassung der EU vorerst vom Tisch.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China fährt dem Unternehmen aber weiter in die Parade. Weil China als Gegenmaßnahme zu US-Zöllen Autos aus den USA mit höheren Einfuhrabgaben belegt, hatte Daimler schon vor wenigen Wochen die eigene Ergebnisprognose gesenkt. Insgesamt rechnet der Autobauer beim Pkw-Absatz im Gesamtjahr auch nur noch mit dem Niveau des Vorjahres. Zuvor waren die Stuttgarter von einem leichten Anstieg ausgegangen.

Mercedes verkauft mehr Autos

In den USA hatte ein Brand bei einem Zulieferer insbesondere im Juni die Verkäufe der Pkw-Sparte belastet. Auch weltweit war es im Juni zum ersten Mal seit über fünf Jahren dazu gekommen, dass Mercedes-Benz in einem Monat weniger Autos absetzte als jeweiligen im Vorjahresmonat. Dennoch: Im gesamten Quartal hatte Mercedes-Benz knapp zwei Prozent Autos mehr verkauft. Allerdings schwächelt die Kleinwagenmarke Smart weiter.

Bei der Lkw-Sparte profitierte Daimler von einer besseren Marktlage in Nord- und Lateinamerika, der Absatz insgesamt kletterte um 6 Prozent. Vor allem in der Türkei verkaufte Daimler weniger Fahrzeuge, aber auch in Deutschland. Wechselkurseffekte, höhere Materialkosten und Engpässe in der Zulieferkette sorgten aber dafür, dass das operative Ergebnis von Daimler Trucks nur auf Vorjahresniveau lag.

Investitionen sollen über Vorjahreswert steigen

Daimler investiert weiter stärker in neue Technologien wie autonomes Fahren und Elektroantriebe. Die Forschungs- und Entwicklungsleistungen stiegen um sieben Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. „Unser Ergebnis sowie die gute Liquiditäts- und Finanzsituation ermöglichen uns auch weiterhin, in die Zukunft und in neue Technologien zu investieren“, sagte Finanzchef Bodo Uebber. Im Gesamtjahr sollen die Investitionen über den Vorjahreswert von 8,7 Milliarden Euro steigen. Rund drei Viertel des Geldes entfällt auf die Pkw-Sparte. (dpa)

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