Rudolf Uhlenhaut: Vater des Mercedes SL

"Fahrender Ingenieur"

Rudolf Uhlenhaut vor dem Gitterrohrahmen © Daimler

Der im Jahr 1952 präsentierte Rennsportwagen Mercedes-Benz Typ 300 SL war eindeutig das Verdienst von Rudolf Uhlenhaut. Der unorthodox arbeitende Ingenieur legte den Grundstein für Rennerfolge und auch die Basis für den späteren Seriensportwagen 300 SL.

Rudolf Uhlenhaut gilt als Vater des Mercedes SL. Der 1906 in London geborene Ingenieur kam nach seinem Studienabschluss 1931 zum Unternehmen. Sein damaliger Versuchsleiter Fritz Nallinger erkannte schnell Uhlenhauts Begabung als "fahrender Ingenieur".

Uhlenhaut als Mann der Praxis

Denn Uhlenhaut arbeitete für die damalige Zeit recht unorthodox. Anstatt am Zeichenbrett, findet man den Diplom-Ingenieur eher in irgendeinem Fahrzeug oder in den Werkstätten, um mit seinen Mitarbeitern Lösungen zu erarbeiten. So kommt es zwangsläufig, dass Nallinger seinem Schützling ab 1936 die Karriere als Rennwagenentwickler ebnet. Was den jungen Uhlenhaut dabei neben seiner Praxisarbeit auszeichnet, ist der Umgang mit seinen Mitarbeitern, denen er stets auf Augenhöhe und nie herablassend begegnet.

Nach dem zweiten Weltkrieg wird Uhlenhaut dann vom britischen Colonel Michael McEvoy von den Royal Electrical and Mechanical Engineers engagiert, um für ihn einen kleinen Rennwagen zu bauen. Beide kennen sich aus der Vorkriegszeit, als McEvoy sich um den Einbau von Zoller-Kompressoren in Rennmotoren bemüht.

Geburtsstunde des Gitterrohrrahmens für Mercedes 300 SL

Vierfachsieg für den Mercedes SL auf dem Nürburgring 1952 Daimler

Uhlenhaut konstruiert den Rahmen aus geschlossenen Rohrdreiecken völlig neu, sodass die einzelnen Rohrsegmente nur auf Druck oder Zug beansprucht werden und der Rahmen dadurch leicht, aber stabil gehalten werden kann. Es ist die Geburtsstunde des Gitterrohrrahmens für den Rennsportwagen 300 SL (W 194).

Den Motor für den 300 SL muss Uhlenhaut von der Limousine Mercedes-Benz 300 (W 186) übernehmen, baut ihn jedoch um 50 Grad nach links geneigt ein, um die Bauhöhe zu reduzieren. Dadurch erhält der 300 SL eine sehr niedrige Front und einen geringen Stirnwiderstand. Schon die ersten Renneinsätze bestätigen den Ingenieur. „Die Rennen des Jahres 1952 haben gezeigt, dass der Typ 300 SL mit Saugmotor in der Endgeschwindigkeit auch den stärksten Gegnern, zum mindesten gewachsen, wenn nicht sogar überlegen war, dass er aber in der Beschleunigung auf guten Straßen dem Ferrari 4,1 Liter eindeutig, dem Ferrari 3 Liter und dem 2,3 Liter Gordini etwas nachstand. Die mangelhafte Betriebssicherheit der Gegner und die Ausdauer des 300 SL führte jedoch im Allgemeinen zu einem Sieg unserer Marke.“

Uhlenhaut bis zur Rente für Fahrwerksabstimmung verantwortlich

Ebenfalls 1952 gelingt der Erfolg auf der legendären Panamericana Daimler

Das Konzept des 300 SL und der von ihm weiterentwickelten Fahrzeuge setzt Maßstäbe. Uhlenhaut selbst ist als Entwicklungschef für Personenwagen neben den Personenwagen auch an der Entwicklung und an den Fahrwerksabstimmungen sämtlicher SL-Typen bis hin zur 1971 debütierenden Baureihe 107 maßgeblich beteiligt. Ein Jahr später geht er in den Ruhestand. Im Alter von 82 Jahren stirbt der Pionier am 8. Mai 1989 in Stuttgart. (AG)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.