Magna eröffnet dem Fahrer neue Perspektiven

Auf Weg zum Spurwechselassistenten

Magna steht wohl vor dem Einstieg bei Getrag.
Magna steht wohl vor dem Einstieg bei Getrag. © AG/Mertens

Die Zeiten, in denen Autofahrer sich beim Spurwechsel umschauen müssen, gehören bald der Vergangenheit an. Magna arbeitet an einer Kameratechnologie, die die Kontrolle des nachfolgenden Verkehrs erleichtert – und Grundvoraussetzung für einen Spurwechselassistenten ist.

Von Frank Mertens

Der BMW 5er sieht von außen fast wie ein ganz normales Serienauto aus. Doch wer genau hinschaut, vermisst die Außenspiegel – sie fehlen an diesem Mittelklassemodell der Münchner. Stattdessen sieht man dort, wo sonst die breiten Spiegel angebracht sind, zwei kleine hochauflösen Kameras. Sie übernehmen die Funktion der Spiegel – und noch viel mehr.

Sie erweitern das Sichtfeld des Fahrers um fast das doppelte. Sie kommen auf eine Abdeckung von 85 Grad, erzählt Michael Biemer, beim Zulieferer Magna im bayerischen Sailauf Leiter des Vorentwicklungsteams. „Ein herkömmlicher Spiegel kommt vielleicht auf die Hälfte." Die Rechenleistung jeder einzelnen Kamera ist dann auch recht beachtlich. Das Datenvolumen der zukünftigen Kameras beträgt 4 GB pro Sekunde.

Biemer sorgt mit seinem Team dafür, dass sich dem Fahrer neue Dimensionen beim Blick auf den nachfolgenden Verkehr eröffnen – und schafft damit die Voraussetzungen dafür, dass auf dem Weg zum autonom fahrenden Fahrzeug nicht nur der Spurwechsel in greifbare Nähe rückt, sondern durch die intelligente Kamera-Technologie auch das automatische Einparken.

Mehr als Zukunftsmusik

Das ist bereits mehr als Zukunftsmusik – bereits im kommenden Jahr plant Magna mit Blick auf die Kameratechnik so weit zu sein, dass man es aus der Vorentwicklung in die Serienentwicklung bringt. Doch bis dahin kommt es für die Entwickler darauf an, die durch die Kameras an der linken und rechten Seite des Fahrzeugs und im Heck aufgenommenen Bilder dem Fahrer entweder mittels Head-Up-Display ins direkte Blickfeld zu projizieren.

Verzicht auf Rückspiegel bei Magna
Magna setzt auf Kameras statt Rückspiegel AG/Mertens

Das hört sich einfacher gesagt als getan an, denn den Bauraum für ein Head-Up-Display im Armaturenbrett ist begrenzt – entsprechend stehen die Entwickler derzeit vor der Herausforderung sie so ins Fahrzeug zu integrieren, dass auf möglichst wenig Bauraum das Maximum an Bildinformationen in entsprechenden Bildschirmgröße dargestellt werden. „Doch mit den Kollegen unserer Head-Up-Display-Unit in Wetzlar haben wir hier gute Lösungen erarbeitet", berichtet Biemer. Viel darf er noch nicht verraten. „Doch es ist uns gelungen, aus dem wirklich kleinen zur Verfügung stehenden Bauraum das Maximum herauszuholen." Und da nicht jeder Kunde die Bildinformation direkt mittels Head-Up-Display direkt vor sich haben möchte, hat Magna dazu eine Alternative erarbeitet. Wie sie aussieht, sagt Biemer nicht.

Drei Monitore im Innenraum

Man darf in der Tat gespannt sein, welche Lösung die Magna-Entwickler hier gefunden haben. Denn derzeit hängen an der linken und rechten A-Säule des BMW 5er Monitore, die das Bild der Außenkameras in den Innenraum einspielen. Sie dienen nicht nur dazu, den Toten Winkel zu erkennen, sondern können noch viel mehr. Sie spielen zusammen mit dem rechteckigem Monitor im Format von geschätzt 40 mal 15 Zentimeter vor der Mittelkonsole die Informationen über den nachfolgenden Verehr ein.

Kamera von Magna
Die Integration der Kamerainformationen ins Auto ist eine Herausforderung AG/Mertens

„Das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir überhaupt zu einem Spurwechselassistenten kommen können", betont Biemer. „Ohne das genaue Erkennen der hinter einem fahrenden Autos und Lkws ist kein verlässlicher, sprich sicherer Spurwechsel möglich." Die drei Monitore in dem Erprobungsfahrzeug wirken derzeit noch wie ein großes Heimkino, aber wie gesagt: Magna entwickelt Technologien, die für den Serieneinsatz quasi auf ein Taschenkino heruntergebochen werden- maximale Qualität auf kleinsten Bauraum.


Eyetracking überwacht Fahrer

Auch wenn Autofahrer sich aufgrund des Wegfalls der Außenspiegel werden umstellen müssen - schließlich wird der Blick über die Schulter entfallen – bietet das System nicht nur auf der Autobahn und mit Blick auf das autonome Fahren signifikante Vorteile durch das vergrößerte Blickfeld. Vor allem in der Stadt mit seinen vielen Spurwechseln und häufigen Abbiegevorgängen „bietet das System ein deutliche Mehr an Sicherheit", wie Biemer betont.Derzeit, so sagt der Entwicklungs-Ingenieur, entwickle man das System primär für Pkw.

Kameras fürs Eytracking
Kamera zum Eyetracking AG/Mertens

Für den Fahrer wird das Fahren mit dieser neuen Kameratechnologie, so ist sich Biemer sicher, deutlich sicherer und damit auch stressfreier. Vor allem auch deshalb, weil Magna parallel daran arbeitet, den Fahrzustand des Fahrers mittels Eyetracking zu erfassen. Mittels zwei Kameras wird der Fahrer dahingehend überwacht, ob seine Augen noch aufs Verkehrsgeschehen gerichtet sind oder er sich ablenken lässt. Für den letztgenannten Fall werden die Assistenzsysteme entsprechend aktiviert, um für den Fall der Fälle einen Unfall zu
verhindern.

Die hochauflösenden Kameras von Magna sind aber nicht nur mit Blick auf das autonome Fahren von Relevanz, sondern auch für die Optimierung des klassischen Einparkprozesses, sei es nun in Lenks- oder Querrichtung. Wo bislang Ultraschall den Einparkprozess vornahm, kann darauf zukünftig verzichtet werden. Denn die Magna-Kameras erkennen Objekte weitaus besser, als dass Ultraschall kann. Und die Kostenseite? Darüber kann beziehungsweise darf Biemer nichts sagen. „Doch gehen Sie davon aus, dass es erschwinglich sein wird. Denn unsere Kamerasensoren sind Serienprodukte, keine Spezialanfertigungen für dieses Erprobungsfahrzeug."