«Die Brennstoffzelle spielt eine wichtige Rolle»

Magna-Entwicklungschef Swamy Kotagiri

Magna-Entwicklungschef Swamy Kotagiri. © Magna

Swamy Kotagiri verantwortet bei Magna die Entwicklung. Im Interview mit der Autogazette spricht der Manager über das Engagement in der Formel E und den langen Weg in die Elektromobilität.

Wie Kotagiri sagte, gehe er davon aus, dass reine Elektroautos „im Jahr 2025 etwa fünf Prozent des weltweiten Umsatzes ausmachen werden, weitere 10 Prozent im HEV/PHEV-Bereich“. Daneben würden ein Drittel der Fahrzeuge 48-Volt-Mildhybridsysteme an Bord haben. „Damit bleiben die restlichen rund 50 Prozent bei traditionellen Antriebssträngen mit Verbrennungs-Motor übrig.“


«Wir wollen Teil dieser Mission sein»

Für den Entwicklungschef von Magna bietet der in dieser Saison erfolgte Einstieg in die Formel E mit dem Rennteam BMW i Andretti Motorsport eine ideale Möglichkeit, Zukunftstechnologien unter Rennbedingungen zu testen. „Die Formel E hat die Mission, die Wahrnehmung von Elektrofahrzeugen zu verändern und ein neues junges urbanes Publikum zu gewinnen – und wir wollen Teil dieser Mission sein“, so Kotagiri

«Das bringt eine ganz andere Perspektive»

BMW-Pilot Alexander Sims im iFE.18 beim Formel E-Rennen in Santiago. Foto: BMW

Autogazette: Herr Kotagiri, die Elektromobilität ist einer der Megatrends in der Branche. Ist das auch der Grund, warum Sie seit dieser Saison als Formel-E-Partner im Team BMW i Andretti engagiert sind?

Swamy Kotagiri: Magna ist ein globaler Lieferant für verschiedene OEM’s und verschiedene Antriebsstranglösungen. Es gibt keinen besseren Ort als die Rennen der Formel E, um die neuesten Technologien auszuprobieren. Das bringt eine ganz andere Perspektive. Es gibt uns einen echten frontalen Blickwinkel darauf, wohin die Technologie geht, und es bietet einen Inkubator, um Lösungen zu schaffen, die dazu beitragen, neue Mobilität zu definieren. Es bietet auch eine leistungsstarke Plattform, um das Bewusstsein für die Führungsrolle von Magna bei Mobilität und Elektrifizierung zu schärfen. Die Formel E hat die Mission, die Wahrnehmung von Elektrofahrzeugen zu verändern und ein neues junges urbanes Publikum zu gewinnen – und wir wollen Teil dieser Mission sein.

Autogazette: Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich von Ihrem Engagement in der Formel E für die Serienentwicklung von Elektroautos?

Kotagiri: Wie bereits erwähnt, stellt die Formel E einen Inkubator zur Verfügung, um Lösungen zu schaffen, die uns helfen, neue Mobilität zu definieren. Ich bin sicher, dass das gewonnene Wissen und Können uns helfen wird, zukünftige Innovationen zu entwickeln.

«Plattform zur Entwicklung straßenrelevanter Technologien»

Der Messestand von Magna auf der CES. Foto: Mertens

Autogazette: Wie wichtig war die Tatsache für Ihr Engagement, dass die Rennen hauptsächlich auf Stadtkursen stattfinden?

Kotagiri: Die ABB FIA Formula E Championship ist die einzige Rennserie, die zukunftsweisende Technologien auf die Straße bringt – und das in Städten auf der ganzen Welt, die vor komplexen Mobilitätsherausforderungen stehen. Es dient als wettbewerbsfähige Plattform zur Bewertung und Entwicklung straßenrelevanter Technologien für zukünftige Fahrzeuge.

Autogazette: Die Städte stehen vor immer größeren Mobilitätsherausforderungen. Bietet Ihnen die Formel E die Möglichkeit, mit den Verantwortlichen leichter darüber zu sprechen, welche Lösungen Städte brauchen?

Kotagiri: Richtig. Die Formel E bietet eine leistungsstarke Plattform, um das Engagement von Magna mit Start-ups, Stadtführern und Planern, Universitäten und Verbrauchern in den Stadtzentren voranzutreiben. Wir planen dabei, mit einem breiten Spektrum von Führungskräften über die spezifischen Mobilitätsherausforderungen jeder Stadt zusammenzuarbeiten. In Verbindung mit der bestehenden Forschung werden diese Gespräche aus erster Hand über den zukünftigen Bedarf, die Entwicklung und Zusammenarbeit bei Mobilitätslösungen informieren.

«Haben unsere Brennstoffzellenfähigkeiten gezeigt»

Autogazette: Im Moment spricht jeder nur von Elektroautos, aber nur sehr wenige von Brennstoffzellen. Konzentriert sich die Branche mit Ausnahme von Toyota und Hyundai zu sehr auf das batterieelektrische Auto?

Kotagiri: Alternative Antriebstechnologien gewinnen immer mehr an Bedeutung und die Brennstoffzelle spielt eine wichtige Rolle. Wir haben in der Vergangenheit unsere Brennstoffzellenfähigkeiten gezeigt und das Feedback war sehr positiv.

Autogazette: Welcher Antrieb wird sich für Sie in Zukunft durchsetzen? Das Elektroauto oder das Wasserstoffauto?

Kotagiri: Es ist nicht die Frage, was sich durchsetzen wird. Unser Portfolio bildet eine solide Grundlage für den Übergang zur Hybridisierung und Elektrifizierung – unabhängig von der Geschwindigkeit. Wir werden verschiedene Technologien für spezifische regionale Bedürfnisse sehen, Hybride, EVs, Wasserstoff und traditionelle Verbrennungsmotoreb. Wir gehen davon aus, dass reine EVs im Jahr 2025 etwa fünf Prozent des weltweiten Umsatzes ausmachen werden, weitere 10 Prozent im HEV/PHEV-Bereich.  Etwa 33 Prozent werden 48-Volt-Mildhybridsysteme an Bord haben.  Damit bleiben die restlichen rund 50 Prozent bei traditionellen Antriebssträngen mit Verbrennungs-Motor übrig.

«Unsere Agilität hilft uns»

Ein Jeep Grand Cherokee mit der Max-Plattform von Magna. Foto: Magna

Autogazette: Magna versteht sich als Anbieter von ganzheitlichen Lösungen für die Mobilitätsherausforderungen der Zukunft. Was unterscheidet Ihr Angebot von anderen Anbietern?

Kotagiri: Magna ist der einzige Automobilzulieferer der Welt mit Kompetenz für das gesamte Fahrzeug – von der Elektronik über die Karosserie, den Antriebsstrang bis hin zum kompletten Fahrzeugbau. Unsere Agilität hilft uns, uns an sich ändernde Marketinganforderungen anzupassen und zu führen. Da Magna über so viele Kontaktpunkte zu Automobilherstellern in vielen verschiedenen Produktbereichen weltweit verfügt, verstehen wir die Technologie, die von Zukunftstrends, Kundenbedürfnissen und Verbraucheranforderungen angetrieben wird, und können sie schnell ansprechen. Unsere Kernphilosophie hilft uns, heute offensiv produktionsreife Lösungen zu entwickeln und neue Technologien einzusetzen, wenn der Markt bereit ist.

Autogazette: Eines der Topthemen der Branche ist das autonome Fahren. Wann werden wir den Durchbruch des autonomen Fahrens erleben?

Kotagiri: Es wird kein bestimmtes Datum für einen Durchbruch geben. Es ist mehr eine Evolution des Fahrens.

Das Interview mit Swamy Kotagiri führte Frank Mertens