Erdgas auf dem Vormarsch

Zulassungen steigen

Geringere Treibstoffkosten: Opel Zafira mit Erdgasantrieb © Opel

Wenn auch auf niedrigem Niveau – die Zahl der Zulassungen von Autos mit Erdgasantrieb steigt stark an. Jedes zehnte Berliner Taxi fährt schon mit dem Alternativ-Treibstoff.

Von Susanne Kilimann

Auf der politischen Weltbühne tut man sich schwer mit konkreten Schritten zum globalen Klimaschutz. Umso erfreulicher, wenn sich zumindest in kleinem Rahmen ein positiver Trend vermelden lässt.

20 Prozent weniger Kohlendioxid

Denn die Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg zeigt es schwarz auf weiß: Immer mehr Autofahrer in Deutschland entscheiden sich für einen Neuwagen mit Erdgasantrieb. Im Oktober wurden bundesweit genau 2180 Pkw mit dem umweltfreundlichen Antrieb neu zugelassen. Im Vergleich zum Oktober 2005 ist das ein eindrucksvoller Anstieg: über 300 Prozent.

Insgesamt sind in Deutschland etwas mehr als 50.000 Autos mit dem Antrieb unterwegs, der den CO2-Ausstoß um bis zu 20 Prozent reduziert und die gesamte Schadstoffmenge im Vergleich zum Benzinauto um bis zu 80 Prozent verringert. Unter anderem Fiat, Opel, Volkswagen, Mercedes, Ford, Citroen und Renault haben die Technik im Angebot.

Dass das 50.000ste in Deutschland zugelassene Erdgasauto ausgerechnet ein Opel Zafira-Taxi war, ist indes nicht nur dem Zufall zuzuschreiben. Mit einem Marktanteil von 50 Prozent sind die Rüsselsheimer auf dem Erdgas-Fahrzeug-Sektor Marktführer in Deutschland. Außerdem ist der Anteil der Erdgasfahrer in der Taxizunft besonders hoch. Vor allem in der Hauptstadt - von den 6500 Berliner Droschken ist schon heute etwa jede zehnte mit Erdgas unterwegs.

Erdgas spart Treibstoffkosten

Auf ein überdurchschnittliches Umweltbewusstsein der hauptstädtischen Taxiunternehmer ist das nicht unbedingt zurückzuführen. Eher auf knallharte Kalkulation. Denn wer Erdgas tankt, fährt deutlich billiger: Man spart im Vergleich zum Benziner an der Zapfsäule rund 50 Prozent, im Vergleich zum Diesel immerhin 30 Prozent der Treibstoffkosten ein - bei einem Taxi sind das schnell mehrere tausend Euro pro Jahr. Für die Vielfahrer in hellelfenbein amortisiert sich der etwas höhere Anschaffungspreis so schon nach einem Jahr.

Gewohnheitssache: Für Erdgas wird ein anderer Tankstutzen verwendet Foto: Werk

Einen zusätzlichen Kaufanreiz gibt das Projekt «Tausend Umwelttaxis für Berlin» - kurz «TUT» genannt - , das vor sechs Jahren angeschoben wurde. Jeder Berliner Taxifahrer, der sich beim Neukauf für ein Erdgasauto entscheidet, erhält im Rahmen des Projektes einen Zuschuss vom Umweltbundesministerium. Wenn die Hauptstadt auf Erdgasantrieb setzt, so die Hoffnung der Umweltpolitiker, hat das Signalwirkung für die ganze Republik.

Favorit der Berliner Erdgas-Taxifahrer ist mit großem Abstand der Opel Zafira 1.6 CNG. Denn dem Rüsselsheimer bescheinigt die Taxizunft vergleichsweise hohe Alltagstauglichkeit. «Es hat sich ausgezahlt, dass wir von Anfang an konsequent auf das Antriebskonzept monovalentplus gesetzt haben», erklärt Klaus Hablik, Marketingchef der Opel Special Vehicle GmbH. Während bivalente Fahrzeuge über herkömmliche Benzinmotoren verfügen, die - allerdings mit deutlichen Leistungseinbußen - auch mit Erdgas betrieben werden können, setzt das monovalente Konzept von vornherein auf Erdgasaggregate und deren Optimierung. Im Bedarfsfall lassen sich die Erdgas-Opel aber auch mit Benzin betreiben. Ein 14-Liter fassender Notfall-Benzintank ist mit an Bord.

Gut 700 Tankstellen in Deutschland

Auch die Zahl der Erdgas-Tankstellen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Über 700 von ihnen gibt es inzwischen in Deutschland - das macht das Tanken zwar noch nicht ganz so komfortabel wie mit konventionellen Antrieben, eine Erdgaszapfsäule in akzeptabler Entfernung sollte sich so aber in der Regel finden lassen.

Weil die Gasqualität bisher keiner einheitlichen DIN-Norm unterliegt, kommt es beim Tanken aber öfter mal zu Verunreinigungen durch Ölrückstände, die der Technik empfindliche Schäden zufügen können - auch das hat der Großeinsatz in der Hauptstadt gezeigt. Dem lässt sich aber mit Filtern zu Leibe rücken. Opel hat zum Beispiel bei seiner neuen Generation Erdgasautos - den neuen Zafira CNG 1.6 und den Combo 1.6 CNG - mit solchen Filtern ausgerüstet.

Leicht verbessert wurde auch die Reichweite der neuen CNG (Compressed Natural Gas) -Generation. Statt bisher 19 Kilo nehmen die Tanks jetzt 21 Kilo des alternativen Treibstoffs auf. So mancher Taxifahrer hätte sich allerdings auch mehr Leistung gewünscht. Mit gleicher Leistungsstärke des 1,6 Liter Motors (69 kW/ 94 PS) ist der schwerer gewordene Erdgas Zafira der zweiten Generation nicht gerade als spritzig einzustufen.