Autohersteller benötigen Kooperationen zum Überleben

Studie der KPMG

Der Autohandel wird sich wandeln. Foto: SP-X
Klassische Händlerbetriebe müssen ums Überleben kämpfen. © SP-X

Die Autobranche droht die Vorherrschaft im „Ökosystem Auto“ zu verlieren. Laut der KPMG-Studie „Global Automotive Executive Survey 2018“ könnten die großen Technologiekonzerne die Autohersteller zu Zulieferern degradieren.

Der schnelle Wandel des Automobils in den vergangenen Jahren droht die Autohersteller zu überrollen. Innerhalb von sieben Jahren hat sich die Marktkapitalisierung der 50 größten Autohersteller von 40 auf 20 Prozent halbiert, während die großen Technologiekonzerne wie Apple oder Google ihren rechnerischen Gesamtwert stark gesteigert haben.


Um nicht weiter an Boden zu verlieren, müssen die Autofirmen Kooperationen in bestimmten Bereichen schließen, so das Ergebnis der 19. Auflage der KPMG-Studie „Global Automotive Executive Survey 2018“. Für die Studie wurden 900 Entscheider und über 2100 Konsumenten aus 43 Ländern im September/Oktober 2017 befragt.

Nicht nur Produkt für Autohersteller wichtig

Dabei gehe es nicht nur um das Auto als Produkt an sich, sondern um das „Ökosystem Auto“, in dem sich das Produkt bewege, sagt Dieter Becker, Global Head of Automotive bei KPMG. „Die Autohersteller müssen gemeinsame Entwicklungen in den Bereichen der Konnektivität oder der Elektromobilität forcieren“, so Becker weiter.

Als Beispiel dient der Zusammenschluss von Audi, Mercedes und BMW bei der vor knapp drei Jahren erfolgten Übernahme des Kartendienstes Here, mit dem sich die Autobauer im Hinblick auf das automatisierte Fahren eine gewisse Unabhängigkeit von den IT- und Software-Unternehmen geschaffen haben.

Neue Definition für Standardausstattung des Pkw

Abseits des automatisierten Fahrens verschafft sich aber die so genannte Konnektivität immer mehr Raum im eigentlichen Pkw. Laut der Studie besteht eine massive Verschiebung von der aufpreispflichtigen Telematiklösung zur Standardausstattung. 85 Prozent der Führungskräfte und drei von vier Kunden sind überzeugt, dass Daten- und Cybersicherheit künftig Voraussetzung für den Kauf eines Autos sein werden. „Die Standardausstattung muss neu definiert werden“, sagt Becker.

Der Autoexperte sieht deshalb eine Verschiebung der Prioritäten beim Autokauf. So verdränge die Digitalisierung immer mehr die Frage nach den Antrieben und schafft auch einen mündigeren Kunden. „Es gibt keine uninformierten Kunden mehr“, sagt Becker. Nicht nur dieser Aspekt bereitet den konventionellen Händlerbetrieben Sorgen. In der Studie gaben über die Hälfte der Entscheider der einzelnen Unternehmen an, dass bis 2025 zwischen 30 und 50 Prozent der Händlerbetriebe vor dem Aus stehen.

Umwandlung der Händlerbetriebe

Als Ausweg sieht Becker die Umwandlung des klassischen Händlerbetriebes zu so genannten Servicefactories. Dort werden Kundenfahrzeuge abgeholt und zu Sammelstellen gebracht, an denen sie repariert werden können. „Zwei Premium-Hersteller betreiben dieses Konzept bereits“, sagt Becker.

Aber auch die klassische Kaufberatung steht vor einem Wandel hin zur Digitalisierung. So würde laut Becker ein mit künstlicher Intelligenz ausgestatteter Konfigurator dem Vertrieb überlegen sein. Doch selbst diesen Wandel werden nicht alle Betriebe überleben. Becker geht zwar davon aus, dass die Anzahl der Standorte gleich bleiben werde, aber nur die größeren Handelsgruppen diese dann bedienen.

Kooperation statt Fusion

Diese werden bis zum Jahr 2040 einen bunten Antriebsmix anbieten. Die Entscheider gehen davon aus, dass jeweils zu einem Viertel Batterie-elektrische Fahrzeuge, Brennstoffzellen-Autos, Hybride sowie Verbrenner im Schaufenster stehen werden. Rund die Hälfte der Unternehmens-Chefs glauben dabei an eine Zukunft des Dieselmotors.

Für eine Zukunft des Selbstzünders könnten ebenso Kooperationen bei der Forschung und Entwicklung helfen. Etwaige Fusionen wie im letzten Jahr die Übernahme von Opel durch PSA Peugeot Citroen lehnt Becker dagegen ab. Es sei immer schwierig, verschiedene Kulturen unter einem Dach zu haben. Die Kooperationen bei bestimmten Feldern seien laut Becker dagegen umso wichtiger. Sollten diese in der mittelbaren Zukunft nicht klappen, stehen auch die Hersteller selbst vor einer eher ungewissen Zukunft: „Die Autofirmen werden dann zu Zulieferern.“

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein
Bitte geben Sie Ihren Namen ein