Elterntaxis verhindern verkehrsgerechtes Verhalten

Elterntaxis verhindern verkehrsgerechtes Verhalten
Kinder sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. © Scout

Kinder sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. Doch das trifft nicht nur auf Kleinkinder zu, sondern auch auf 13- und 14-Jährige.

Alle 19 Minuten verunglückt ein Schulkind im Straßenverkehr. Dass Kinder den Straßenverkehr weniger gut einschätzen können, liegt auch an ihrer noch nicht vollständigen Entwicklung: Unter zehn Jahren lassen sich Defizite bei der Sehschärfe und im peripheren Sehen feststellen, außerdem eine langsamere Reaktion auf visuelle Reize.


„Bei der Suche nach Querungslücken zwischen Fahrzeugen wird zudem die Geschwindigkeit oft nicht angemessen berücksichtigt oder sogar ganz außer Acht gelassen“, so Martina Suing, Diplom-Psychologin im Referat „Grundlagen des Verkehrs- und Mobilitätsverhaltens“ der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Die Autofahrerperspektive zu übernehmen und auch verdeckten Gefahren zu berücksichtigen, gelingt oft erst ab einem Alter von etwa 14 Jahren so gut wie bei einem Erwachsenen.

Probleme mit Fahrzeugen von rechts

Mit zunehmendem Alter verbessern sich die Straßenquerungsentscheidungen der Kinder, stellt auch eine aktuelle Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) fest. Aber selbst Kinder zwischen 13 und 14 Jahren haben danach noch Schwierigkeiten, vor allem, wenn die Fahrzeuge von rechts kommen. Dies erfordert offenbar eine höhere kognitive Leistung.

„Mit dem Wechsel in die weiterführende Schule steigt das Risiko, im Straßenverkehr zu verunglücken, stark an“, sagt Diplom-Psychologin Suing. Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren seien vor allem als Radfahrer am meisten gefährdet. Die Gefahr, als Fußgänger zu verunglücken, ist im Grundschulalter und zu Beginn der weiterführenden Schule erhöht; allerdings verunglücken in diesem Alter mindestens genauso viele Kinder als Pkw-Insassen.

Elterntaxis nicht zu empfehlen

Damit Kinder verkehrsgerechtes Verhalten lernen und sich souverän im Straßenverkehr bewegen, sollten die Eltern den Nachwuchs nicht mit dem Auto zur Schule bringen, sondern lieber gemeinsam zu Fuß gehen. Elterntaxis blockieren zudem Straßen und Wege rund um die Schule und verwandeln den Zufahrtsbereich in eine unübersichtliche Gefahrenzone.

Das können Eltern und Großeltern tun: Einen festen Schulweg üben und dabei die sicherste Route wählen, nicht die kürzeste; Orientierung bietet ein Schulwegplan. Routinen wie automatisches Stoppen am Straßenrand und links-rechts-links-Gucken machen es Kindern leichter, sich auf schwierige Aufgaben zu konzentrieren, wie beispielsweise die Einschätzung der Pkw-Geschwindigkeit. Eltern sollten Kinder selbst entscheiden lassen, wann sie die Straße queren wollen und nur wenn nötig korrigierend eingreifen. Darüber hinaus wichtig: Kinder von Anfang an nur mit Helm Fahrradfahren lassen.

Und so nehmen Autofahrer Rücksicht: In Straßen mit Sichthindernissen wie parkenden Pkw, in Wohngebieten, in der Nähe von Schulgebäuden, Spiel- und Sportplätzen etc. langsam und vorsichtig fahren. Damit rechnen, dass Kinder am Straßenrand plötzlich über die Straße laufen, weil Freunde auf der anderen Straßenseite warten oder sie einem Ball hinterherrennen. Hilfreich für den Perspektivwechsel ist, einmal zwischen parkenden Autos in die Hocke zu gehen: So kann man selbst feststellen, wie viel oder besser wie wenig ein Kind sieht. (SP-X)

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