Kawasaki Versys: Detailarbeit

Modellüberarbeitung

Die Kawasaki Versys wurde überarbeitet © Kawasaki

Kawasaki hat die Versys für das neue Modelljahr einer grundlegenden Überarbeitung unterzogen. Die Detailarbeit hat der Performance der Maschine gut getan.

Von Norbert Meiszies

Mit der überarbeiteten Version der Versys bietet Kawasaki für 2010 ein preiswertes Motorrad für zahlreiche Einsatzmöglichkeiten an. Vor allem bei Design und Komfort des 7 995 Euro teuren Funbikes haben die Techniker Hand angelegt und den Reihenzweizylinder mit 650 ccm Hubraum im Detail deutlich verbessert.

Für alle Gelegenheitem

Der Name Versys ist ein Kunstwort, geschaffen aus den Begriffen "Versatile" (Vielfältigkeit) und "System" und hat seit der Modelleinführung im Jahr 2006 ein vielseitig einsetzbares Motorrad bezeichnet, das sowohl in der Stadt eine gute Figur macht, auf langen Touren über Land entspanntes Cruisen zulässt und auf winkeligen Passstraßen auch mit großen, hubraum- und leistungsstärkeren Reise-Enduros mithalten kann. Das ist in der Summe auch nach der jetzigen Modellüberarbeitung so geblieben.

Der Reihenzweizylinder hat 650 ccm Kawasaki

ngetrieben wird die Versys 2010 von einem 47 kW/64 PS starken Viertakt-Reihenzweizylinder, der das Mittelklasse-Motorrad auf knapp 190 km/h beschleunigt. Der Motor samt Auspuffanlage ist kein Unbekannter, er verrichtet auch im Kawasaki-Bestseller ER-6 zur Zufriedenheit der Kundschaft seinen Dienst, besitzt aber dort acht PS mehr. Für die Versys wurde die Charakteristik den geänderten Anforderungen an eine Funduro angepasst und daher die Leistung gemindert. Das mag auf den ersten Blick ein übertrieben krasser Eingriff ins Leistungspotential sein, kommt aber dem mittleren Drehzahlbereich zugute. Hier liegen die eigentlichen Stärken der Versys. Das maximale Drehmoment von 61 Nm bei 6 800 U/min ist zwar eher durchschnittlich, die Gasannahme aber direkt, die Kraftentfaltung angenehm gleichmäßig und jederzeit beherrschbar. Zwischen 60 und 130 km/h fühlt sich die Japanerin am wohlsten, auf Schaltvorgänge des Sechsgang-Getriebes kann man dann fast verzichten. Der Motor dreht anstandslos bis in Bereiche um 8 000 U/min. Darüber wird es etwas zäher, hier vermisst man die acht gekappten Pferdestärken dann doch.

Fahrwerk blieb fast unverändert

Die Seitenansicht der Versys von Kawasaki Die Seitenansicht der Versys von Kawasaki

Nahezu unverändert ist das Fahrwerk geblieben, bestehend aus Upside-down-Telegabel mit ausreichenden 150 mm Federweg, Stahlrahmen und das seitlich montierte Federbein mit 145 mm Federweg hinten. Das kann auf vielfältige Art und in Zugstufe und Federbasis eingestellt werden. Gegenüber der Vorgängerin, die sportlich straffer abgestimmt war, fällt nun die Standardeinstellung etwas komfortabler aus. In der Praxis ist der Unterschied vor allem auf unebenen Fahrbahndecken spürbar, die USD-Gabel ist immer Herr der Lage, das Federbein hinten dämpft selbst intensive Stöße, ohne sie an den Rücken des Fahrers zu übertragen. Die Versys lenkt sich ohne Kraftaufwand wie von selbst, folgt ruhig und ohne Nervosität der vorgegebenen Spur. Geändert sind allerdings die 17-Zoll-Räder geworden: Die in Deutschland serienmäßig mit ABS ausgestattete Version rollt jetzt auf Dunlop Sportmax-Reifen aus dem Werk.

Sieht dynamisch aus, die Versys von Kawasaki Kawasaki

Da es schon beim Vorgängermodell kaum Beschwerden bezüglich Motor und Fahrwerk gegeben hatte, haben sich die Kawa-Techniker bei der Neuen vor allem mit den Kritikpunkten Optik und Komfort auseinander gesetzt. So ist nun unter anderem der Motor an der oberen, hinteren Aufhängung gummigelagert, wodurch Vibrationen reduziert werden. Optisch sticht vor allem die komplett neue Scheinwerfereinheit mit jetzt übereinander angeordneten Leuchtkörpern ins Auge. Verbunden damit ist die Front- und Seitenverkleidung auf mehr Dynamik getrimmt worden, was sich in rautenförmigen Spiegeln und schmaleren sowie höher angebrachten Blinker ausdrückt. Die ordentlich vor Wind und Regen schützende Windschutzscheibe fällt jetzt noch etwas größer als bisher aus und ist in der Höhe mechanisch verstellbar. Allerdings hat sich bei einer ersten Testfahrt kein entscheidender Unterschied zwischen den drei einstellbaren Positionen feststellen lassen.

In Sachen Komfort kann sich vor allem die Sozia freuen: Eine bequemere Sitzposition, vibrationsreduzierte Fußrasten und modifizierte Haltgriffe erleichtern das Leben zu zweit. Allerdings nur, wenn man sich auf längeren Touren beim Gepäck einschränken kann. Denn der filigrane Aufbau des hinteren Hilfsrahmens erlaubt nämlich beim Kawa-Zubehör nur die Wahl zwischen einem Koffersystem oder einem Topcase, beide Teile zusammen können nicht benutzt werden. Versöhnen soll hier das weitere Zubehörprogramm, das Komfortkomponenten bietet wie Heizgriffe, 12-Volt-Anschluss, Handprotektoren oder eine noch höhere Tourenscheibe. Für die Kundschaft, der die 84 Zentimeter Sitzhöhe zu hoch ist, bietet Kawasaki eine fünf Zentimeter niedrigere und zwei Zentimeter schmalere Sitzbank an. Für Langbeiner wird auch eine höhere Sitzbank offeriert. Mit all den Detailveränderungen am aktuellen Modelljahrgang der Versys bietet Kawasaki für 7 995 Euro ein attraktives Motorrad für nahezu alle Zweirad-Lebenslagen. (mid)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.