«Haben keine Marke als Vorbild»

Christian Blank, Infiniti-Direktor für Zentraleuropa

«Haben keine Marke als Vorbild»
Christian Blank, Infiniti-Direktor für Zentraleuropa © Infiniti

Infiniti setzt sich für die nächsten Jahre hohe Ziele. Wie die Nissan-Tochter in Europa mehr Bekanntheit erlangen soll und welche Rolle dabei Formel 1-Weltmeister Sebastian Vettel spielt, sagte Christian Blank Interview mit der Autogazette, der Direktor für Zentraleuropa.

Gerade mal 27 Fahrzeuge hat Infiniti im Monat August in Deutschland verkauft. Mit neuen Standorten und neuen Produkten soll aber der europäische Markt an dem global geplanten Wachstumskurs der Nissan-Tochter teilhaben. «Es gibt eine globale Zahl, die wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren erreichen wollen. Die liegt zwischen 500.000 und 600.000 Einheiten jährlich. Letztes Jahr hatten wir global 172.000 Einheiten erreicht», sagte Christian Blank, Infiniti-Direktor für Zentraleuropa im Interview mit der Autogazette.

Formel 1-Weltmeister Vettel mehr als eine Werbelokomotive

Dafür sollen vor allem zahlreiche neue Standorte errichtet werden. «Wir wollen mindestens 25 Händlerstandorte, mit denen wir Deutschland ganz gut abdecken. Ab dann beginnt das Feintuning, bis wir möglicherweise irgendwann an die 50 stoßen. Wir werden aber wohl näher an der 25 bleiben als an der 50», so Blank weiter. Derzeit gibt es fünf Vertretungen in Deutschland.

Der Infiniti FX 50 ist ein SUV mit Sportwagenqualitäten.
Der FX ist das Flaggschiff von Infiniti Infiniti

Nicht nur als Werbelokomotive soll dann auch Sebastian Vettel fungieren. Der dreimalige Formel 1-Weltmeister trägt bei Infiniti den Titel «Director of Performance». «Es wird gerne impliziert, dass es nur ein Werbegag sei», sagt Blank, «aber es findet auch ein Technologieaustausch statt, wobei die Betonung auf Austausch liegt. Bei den Bremsen, der Kurvendynamik oder dem Chassis sowie diversen Testfahrten stellt Sebastian Vettel sein Wissen zur Optimierung zur Verfügung.» Beim Q30 Concept Car, das auf der IAA gezeigt wurde und 2015 in Serie vom Band laufen soll, ist Vettel von Beginn an in die Entwicklung miteinbezogen.

Ein Elektroauto wird Infiniti dagegen in nächster Zeit nicht anbieten. «In Deutschland ist es zu früh, ein Elektroauto anzubieten», sagt Blank, «im letzten Jahr wurden gerade einmal 3000 Elektroautos in Deutschland verkauft. Der Marktanteil ist verschwindend gering. Für uns ist aber Volumen sehr wichtig, um die Bekanntheit aufzubauen. Und auch die Händler brauchen Volumen.» Dass Infiniti dadurch beim Flottenausstoß ab 2015 Probleme bekommen könnte, sieht der 40-Jährige nicht. «Infiniti ist immer noch Bestandteil von Nissan. Da werden wir eingegliedert.»

«Händler sollen Ende des Jahres vernünftig dastehen»

Autogazette: Herr Blank, im August wurden gerade mal 27 Infiniti in Deutschland zugelassen. Ist es ein ruhiger Job, den Sie angetreten haben?

Christian Blank: Der August ist traditionell ein eher ruhiger Monat. Nichtsdestotrotz wollen wir das Niveau in Deutschland deutlich ausbauen. Der Launch des Q50 im Herbst ist ein erster Schritt.

Autogazette: 406 Fahrzeuge wurden in den ersten acht Monaten in Deutschland verkauft. Wie viele Einheiten sollen es bis Ende des Jahres werden?

Blank: Wir werden das Jahr durch den Q50 positiv abschließen können. Wir haben im letzten Jahr 900 Einheiten verkauft. Wir werden trotz der Situation, die für alle Hersteller nicht ganz leicht ist, ein vernünftiges Ergebnis zustande bringen. Zahlen werde ich Ihnen aber nicht nennen.

Autogazette: Das heißt, es soll sich in der Nähe des Vorjahresergebnisses bewegen?

Blank: Wir wollen erreichen, dass unsere Händler am Ende des Jahres vernünftig dastehen.

«Volumen wird sich vervielfachen müssen»

Im Infiniti kommt die neue Lenkung erstmals zum Einsatz.
Den Namen G37 wird Infiniti bald umwandeln Infiniti

Autogazette: Welches sind Ihre mittelfristigen Ziele, nicht nur beim Vertrieb?

Blank: Es gibt eine globale Zahl, die wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren erreichen wollen. Die liegt zwischen 500.000 und 600.000 Einheiten jährlich. Letztes Jahr hatten wir global 172.000 Einheiten erreicht.

Autogazette: Wie soll das erreicht werden?

Blank: Wir wollen natürlich in unserem größten Markt USA weiter wachsen, verzeichnen aber auch in China, Russland und Europa ein gutes Wachstum.

Autogazette: Das Volumen . . .

Blank: . . . wird sich im Laufe der nächsten Jahre vervielfachen müssen. Zwei Pfeiler werden das ermöglichen. Der eine Pfeiler ist der Ausbau des Händlernetzes . . .

Autogazette: . . . derzeit gibt es in Deutschland fünf Center . . .

Blank: . . . 59 in ganz Europa. Da wird sich in nächster Zeit aber einiges an der Zahl ändern. Der andere Pfeiler ist das Produkt an sich. Beide Punkte verdingen sich, schließlich wollen die Händler positiv in die Zukunft blicken. Wir haben dafür eine gute Transparenz für den positiven Blick geschaffen.

«Wollen mindestens 25 Standorte in Deutschland»

Autogazette: Durch das Verkaufskonzept mit so genannten Lounge-Rooms müssen die Händler zuvor auch sehr viel mehr investieren.

Blank: Mit einfachen Showrooms hat eine Premium-Marke keine Chance. Dann wird dem potenziellen Kunden nicht vermittelt, dass es sich um eine Premium-Marke handelt. Das Lounge-Konzept ist eine wichtige Komponente der Markenbildung. Gleichzeitig muss man vorsichtig sein, dass man nicht übertreibt bei der Investition, die sich natürlich auch für den Händler lohnen muss. Da muss man die richtige Balance finden.

Autogazette: Auf diese Art und Weise sollen bis 2015 50 Händler in Deutschland existieren?

Blank: Wir wollen mindestens 25 Händlerstandorte, mit denen wir Deutschland ganz gut abdecken. Ab dann beginnt das Feintuning, bis wir möglicherweise irgendwann an die 50 stoßen. Wir werden aber wohl näher an der 25 bleiben als an der 50.

Autogazette: Die 25 Standorte werden wohl zunächst in den Großstädten platziert?

Blank: Genau. Wir sind derzeit in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Dresden und Düsseldorf vertreten. Der Süden und Südwesten ist noch nicht abgedeckt. Darauf liegt jetzt die Priorität.

Autogazette: Das heißt, München und Stuttgart . . .

Blank: . . . werden sicherlich im nächsten Jahr eröffnet werden.

«Marke Infiniti hat sich in letzten fünf Jahren positiv entwickelt»

Sebastian Vettel, Infiniti-Präsident Johann de Nysschen
Formel 1-WEltmeister Sebastian Vettel mit Infiniti-Präsident Johann de Nysschen Infiniti

Autogazette: In wie weit ist die Marke Infiniti überhaupt bekannt?

Blank: Die Marke hat sich in den letzten fünf Jahren laut einer von uns in Auftrag gegebenen Studie deutlich positiv entwickelt. Das ist nicht zuletzt mit dem Sponsoring mit Sebastian Vettel geschuldet. Aber natürlich haben wir noch nicht die Markenbekanntheit, die wir gerne möchten.

Autogazette: Wirkt sich allein das Sponsoring mit dem Formel 1-Weltmeister aus? Bei der Formel 1-Berichterstattung heißt es meistens doch Red-Bull-Team. Infiniti kommt nicht vor.

Blank: Das wirkt sich visuell aus. Der Name «Infiniti» ist auf Fotos und im Fernsehen zu sehen. Das sorgt für eine Steigerung der Markenbekanntheit. Und das Thema Formel 1 greifen wir auch an unseren Standorten auf, in dem wir zum Beispiel ein Formel 1-Fahrzeug mit ausstellen, wenn ein Event dort stattfindet. Oder auch mit der Sonderedition des FX Vettel Edition knüpfen wir an das Thema an. Das gelingt uns ganz gut und hilft der Markenbekanntheit.

Autogazette: Sebastian Vettel hat bei Infiniti den Titel «Director of Performance» erhalten. Ist das nur ein Werbegag oder steckt mehr dahinter?

Blank: Es wird gerne impliziert, dass es nur ein Werbegag sei, aber es findet auch ein Technologieaustausch statt, wobei die Betonung auf Austausch liegt. Bei den Bremsen, der Kurvendynamik oder dem Chassis sowie diversen Testfahrten stellt Sebastian Vettel sein Wissen zur Optimierung zur Verfügung. Beim Q30, . . .

Autogazette: . . . der als Concept Car auf der IAA seine Premiere feierte, . . .

Blank: . . . wird Sebastian Vettel bei der Entwicklung vom ersten Tag an miteinbezogen.

«Weitere Infiniti Qs werden folgen»

Nissan-Infiniti-Werk in Sunderland
Im Nissan-Werk in Sunderland wird der Q30 produziert Infiniti

Autogazette: Wann wird der Q30 in Serie gehen?

Blank: Wir werden mit der Produktion des Q30 2015 beginnen.

Autogazette: Welche Qs kommen danach noch?

Blank: Es werden weitere Qs folgen. Wir werden in den nächsten fünf Jahren das komplette aktuelle Portfolio erneuern. Zusätzlich wird es weitere Produktlinien geben.

Autogazette: Mit anderen Buchstaben?

Blank: Wir werden uns bei den Limousinen mit Q, bei den SUV und Crossover mit QX bewegen. Die Zahlen, die sich bisher auf die Motorgröße bezogen, werden künftig das auf das Segment hinweisen. Das heißt auch, dass wir das Produktportfolio nicht nur grunderneuern, sondern auch ausweiten werden.

Infiniti Q50 als Türöffner bei größeren Flotten

Der Infiniti Q50 leitet eine neue Ära ein.
Der Infiniti Q50 Infiniti

Autogazette: Welche Maßnahmen ergreifen Sie – neben der Werbelokomotive Sebastian Vettel – um die Markenbekanntheit zu steigern?

Blank: Wir haben verschiedene Maßnahmen wie Events, auf denen wir unsere Zielgruppe ansprechen. Es können auch Retail-Marketing-Aktionen oder andere Mediathemen sein, die wir mit dem Q50 im Herbst anstreben. Und wir versuchen, die Themen mit der Formel 1 zu verknüpfen.

Autogazette: Audi, Mercedes, BMW sind als Premiumanbieter außer Reichweite. Haben Sie sich eine Premiummarke wie Jaguar als Vorbild genommen, um zu sagen, in diesen Volumenbereich wollen wir vorstoßen?

Blank: Es gibt keine Marke, die wir uns als Vorbild genommen haben. Wir definieren unsere eigenen Markenwerte. Irgendjemand hinterher zu eilen ist der falsche Weg. Aber natürlich wollen wir Kunden werben, die derzeit noch deutschen Premiumprodukte fahren. Es gibt eine immer stärkere Vereinheitlichung der Fahrzeuge und es gibt nur wenige Marken, die anders sind und sich differenzieren, wie zum Beispiel ein FX.

Autogazette: Aber der Q50 reiht sich schon eher ein?

Blank: Der Q50 ist in einem klassischen Segment, deswegen ist es dort schwieriger, zu polarisieren. Nichts desto trotz bin ich überzeugt, dass der Q50 aufgrund seines Designs herausragt, auch wenn er weniger polarisiert als ein FX. Und mit einem Verbrauch von 4.4 Litern ist der Q50 auch für Flotten interessant.

Autogazette: Ist der Einstieg ins Flottengeschäft für Infiniti ein Neueinstieg?

Blank: Ja und nein. Bei kleineren Unternehmen sind wir schon mit unseren Modellen sehr präsent. Der Q50 wird uns ermöglichen, in größere Flotten vorzudringen.

«In Deutschland zu früh, ein Elektroauto anzubieten»

Die Elektro-Studie LE Concept wurde von Infiniti auf Eis gelegt Infiniti

Autogazette: Ist der Wechsel der Nomenklatura deshalb ein günstiger Zeitpunkt oder wird es den angepeilten Schwung eher hemmen?

Blank: Ich glaube, dass es ein guter Zeitpunkt ist, auch für Deutschland und Europa. Für die Wachstumsphase wird die Produktbezeichnung deutlich klarer. Wir haben derzeit M, EX, FX, da muss sich der Kunde mehr daran gewöhnen.

Autogazette: Das heißt, die alten Modelle werden ihre Bezeichnungen behalten, bis die neuen Qs auf den Markt kommen?

Blank: Nein, wir werden die alten Modelle umbenennen. Das wird in naher Zukunft geschehen.

Autogazette: Plugin-Hybride sind derzeit ein Renner, vor allem auch im Premium-Segment. Wird es demnächst auch einen Infiniti mit Plugin geben?

Blank: Wir haben derzeit einen Hybriden, einen sehr kräftigen im Programm. Langfristig werden wir auch ein Elektrofahrzeug bringen.

Autogazette: Langfristig heißt aber langfristig?

Blank: In Deutschland ist es zu früh, ein Elektroauto anzubieten. Im letzten Jahr wurden gerade einmal 3000 Elektroautos in Deutschland verkauft. Der Marktanteil ist verschwindend gering. Für uns ist aber Volumen sehr wichtig, um die Bekanntheit aufzubauen. Und auch die Händler brauchen Volumen.

Autogazette: Nissan hatte vor Jahren einen Prototypen mit Brennstoffzelle vorgestellt. Wäre das für ein Premium-Fahrzeug nicht denkbar?

Blank: Für die Brennstoffzelle gilt Ähnliches wie für Elektrofahrzeuge.

Autogazette: Haben Sie Sorgen hinsichtlich der Wahl, dass eine Pkw-Maut kommt?

Blank: Da mache ich mir wenig Sorgen. Herr Seehofer hat Dinge vor, die EU-rechtlich nicht möglich sind.

Autogazette: Und beim Flottenverbrauch von 95 Gramm bis zum Jahr 2020?

Blank: Infiniti ist immer noch Bestandteil von Nissan. Da werden wir eingegliedert.

Das Interview mit Christian Blank führte Thomas Flehmer

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