Protest gegen IAA: «Vorfahrt allein fürs Auto ist vorbei»

Protest gegen IAA: «Vorfahrt allein fürs Auto ist vorbei»
Tausnede Menschen haben in München gegen die IAA protestiert. © dpa

Mehrere Tausend Menschen haben am Samstag gegen die IAA Mobility protestiert. Sie werfen der Autoindustrie vor, zu wenig für den Klimaschutz zu tun.

Tausende Menschen haben in München gegen die Automesse IAA Mobility demonstriert. Die Veranstalter gingen von 25 000 Teilnehmern bei einem Demonstrationszug und einer Fahrradsternfahrt aus, die sich am Samstagnachmittag auf der Theresienwiese trafen, wo normalerweise das Oktoberfest stattfindet. Den Veranstaltern zufolge beteiligten sich rund 5000 Personen an der Demonstration und 20.000 an der Sternfahrt. Die Polizei hatte zu Beginn des Demonstrationszuges die Beteiligung an ihm auf einen Wert im niedrigen Tausenderbereich geschätzt.


Ersten Informationen zufolge verliefen Demonstration und Sternfahrt weitgehend friedlich. Den Veranstaltern waren zunächst keine Vorkommnisse bekannt. Allerdings berichtete der Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Büchler, der die Demonstration als «parlamentarischer Beobachter» begleitet hatte, von mindestens einer «Schlagstockszene», die er beobachtet habe. Zudem bestätigte er Aussagen des Aktionsbündnisses «Sand im Getriebe», dass aus der Demonstration heraus zwei Bäume besetzt worden seien.

Polizei mit 4500 Beamten im Einsatz

Von der Sternfahrt, die auf 16 Routen zur Theresienwiese geführt hatte, wurden zunächst keine Vorfälle bekannt. Die Polizei war mit bis zu 4500 Beamten im Einsatz. Zur Sternfahrt und der Demonstration hatte ein Bündnis eingeladen, zu dem unter anderem der ADFC, Attac, der BUND, die Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace und der Verkehrsclub Deutschland gehören. Sie fordern «eine klare Abkehr von der autodominierten Verkehrspolitik und Vorrang für den Fuß-, Rad- und Nahverkehr». Die Demonstration sehen sie als Zeichen für eine Mobilitätswende.Die Aktivisten und Demonstranten kritisieren IAA und Autokonzerne. Unter anderem werfen sie ihnen vor, die Messe sorge nur für einen grünen Anstrich, und es werde zu wenig für den Klimaschutz getan.

„Es ist ein starkes Zeichen für die Mobilitätswende, dass zehntausende Menschen aus ganz Deutschland unserem Aufruf gefolgt sind – trotz der vielen Stolpersteine, die uns die Behörden bis zur letzten Minute in den Weg gelegt haben. Die Menschen wollen eine andere Verkehrspolitik, konsequenten Klimaschutz im Verkehr und gute Alternativen zum eigenen Auto. Und sie fallen nicht auf die grünen Blinkmanöver der Automobilindustrie auf der IAA herein“, teilte das Bündnis am Samstag in einer gemeinsamen Erklärung mit. „Vorfahrt allein fürs Auto ist vorbei, dicke Spritschlucker und Platzfresser sind nicht mehr zeitgemäß. Wir wollen eine Politik, die Rad, Fuß, Bus und Bahn klar priorisiert und Klimaschutz im Verkehr ernst nimmt“, so das Bündnis“, so das Bündnis weiter.

„Die nächste Bundesregierung hat es in der Hand, wie wir uns künftig fortbewegen. Statt immer neue Straßen für immer mehr und größere Autos zu bauen, muss das Geld in den Ausbau der öffentlichen Verkehre fließen“, sagte der BUND-Vorsitzende Olaf Brandt. „Gleichzeitig braucht es unmittelbar nach der Wahl eine Entscheidung für ein generelles Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen: Das ist die einfachste und effektivste Maßnahme, um schnell und merklich CO2-Emissionen zu senken“, fügte er hinzu.

Laschet hat kein Verständnis

Rund um die IAA gibt es seit Tagen Proteste und Aktionen von Kritikern. Am Freitag hatte es dabei auch Zusammenstöße zwischen Polizei und Hunderten Aktivisten gegeben, bei denen die Beamten Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzten. Am Dienstag und Freitag wurden zudem Autobahnen blockiert.

Unionskanzlerkandidat Armin Laschet zeigte auf dem CSU-Parteitag am Samstag in Nürnberg für die Proteste gegen die IAA kein Verständnis. «Das ist die grünste IAA, die es je gegeben hat», sagte der CDU-Chef. Noch nie sei so viel von Klimaneutralität, Nachhaltigkeit und Umweltschutz die Rede gewesen. «Dass man dagegen noch demonstriert, Straßen blockiert und den Kampf gegen diese Industrie führt, zeigt: Manchen geht es nicht um Umweltschutz, sondern um Systemveränderung.» (AG/dpa)

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