Hyundai: Aufbruchstimmung statt Wehklagen

Starke Nachfrage nach alternativen Antrieben

Hyundai-Deutschlandchef Jürgen Keller. © Hyundai

Das Gros der Autobranche ist angesichts dramatischer Absatzeinbußen in Wehklagen ausgebrochen. Bei Hyundai ist davon nichts zu spüren.

Natürlich ist die Coronakrise auch an dem koreanischen Autobauer nicht spurlos vorbeigegangen. Der Blick auf die aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) weist nach den ersten sieben Monaten des Jahres mit insgesamt 49.208 Neuzulassungen ein Minus von 33 Prozent aus.


Doch von Krisenstimmung ist deshalb bei dem Importeur nichts zu spüren. Bei Hyundai herrscht Aufbruchstimmung. Dafür hat vor allem der Juli gesorgt. Insgesamt wurden im Vormonat 11.060 Fahrzeuge in Deutschland neu zugelassen. Das sind zwar immer noch 3,2 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum. Doch da war die Autowelt noch in Ordnung – eine weltweite Pandemie nur für die wenigsten vorstellbar.

Erfolgreicher Start nach Lockdown

Der neue Hyundai i20 ist deutlich attraktiver geworden. Foto: Hyundai

Der Lockdown hat den Absatz einbrechen lassen: der Gesamtmarkt in Deutschland weist nach sieben Monaten mit 1,52 Millionen Neuzulassungen einen Rückgang von knapp über 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus. „Doch nun geht es wieder aufwärts“, sagt Hyundai-Deutschlandchef Jürgen Keller im Gespräch mit der Autogazette.

Allein im Juli verzeichnete er 11.400 Kaufanträge – ein neuer Rekord. So viele Kaufanträge wurden bisher noch nie in der Unternehmensgeschichte abgesetzt. „Damit haben wir 38 Prozent mehr Kaufverträge abgeschlossen als im Juli 2019.“ Ein leichtes Plus konnte Hyundai auch beim Marktanteil vermelden: er liegt im Juli mit 3,5 Prozent 0,1 Prozent über dem Vorjahr. „Wir blicken entsprechend zuversichtlich auf den Rest des Jahres“, sagt Keller. Das liegt zum einen daran, dass man mit dem i20 und i30 und dem Facelift des Santa Fe noch in diesem Jahr Modell-Neuheiten auf den Markt bringt, sondern auch an der deutlich gestiegenen Nachfrage nach Fahrzeugen mit alternativen Antrieben.

Verzehnfachung der Kaufverträge

Der Hyundia Kona gibt es nun auch als Hybrid, aber vor allem setzt sich die E-Version ab. Foto: Hyundai

Insgesamt konnten die Hyundai-Händler 3200 Kunden im Vormonat zur Unterschrift unter einem Kaufvertrag bewegen. Davon entschieden sich allein 2000 Kunden für den Kona Elektro, der Rest für den Kona Hybrid (500) und den Ioniq (700). In Summe sei dies eine Verzehnfachung der Kaufanträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Fahrzeuge mit alternativen Antrieben machten damit im Vormonat einen Anteil von 28 Prozent aus. „Damit sprechen wir längst nicht mehr von einer Nische“, stellt Keller zufrieden fest.

Dass die Nachfrage nach Kona und Co. derzeit so hoch sei, läge natürlich auch an der erhöhten Kaufprämie des Staates in Höhe von 9000 Euro. Aber nicht nur. So hat Hyundai den Umweltbonus für E-Autos wie den Kona auf 11.000 Euro erhöht und bietet für ihn einer Garantie von acht Jahren an. „Damit geben wir unseren Kunden ein Versprechen in die Zuverlässigkeit unserer E-Autos“, sagt Keller.

Keine langen Lieferzeiten

Die Batterie wird im Unterboden des Hyundai Kona im Werk in Nosovice montiert. Foto: Hyundai

Ein großer Vorteil sei zudem der Aspekt, dass Hyundai im Gegensatz zu vielen seiner Wettbewerber nicht nur das ganze Repertoire alternativer Antriebe im Portfolio hat, sondern es auch liefern kann. Häufig kämen Kunden mit Konkurrenzangeboten der Wettbewerber in die Autohäuser, berichtet Keller. „Wenn wir noch nicht ganz überzeugten Kunden dann sagen, dass sie bei uns ihr Auto binnen weniger Wochen bekommen können, haben wir sie überzeugt, sich ein neues E-Auto bei uns zu bestellen.“

Hyundai profitiert dabei davon, dass der Hyundai Kona Elektro seit Frühjahr auch im tschechischen Werk in Nosovice gebaut wird und man sich ausreichend Kapazitäten gesichert hat. Selbst während des Lockdowns hätten man Konas geordert, sodass wir jetzt auch schnell bedient werden. Das Kaufverhalten der Kunden hat sich nach der Erhöhung der Kaufprämie augenscheinlich verändert. Während in der Vor-Corona-Zeit das Gros (85 Prozent) der Bestellungen auf den Kona Elektro mit der großen Batterie (64 kWh) entfielen, hat sich die Verteilung mittlerweile geändert. 60 Prozent der Kunden ordern mittlerweile den Kona mit kleiner Batterie (39,2 kWh).

Gewachsenes Selbstbewusstsein

Der VW ID.3 ist das erste E-Auto auf Basis des MEB. Foto: VW

Dass VW gerade den ID.3 auf den Markt gebracht hat, freut Keller. Wenn der Marktführer nun mit einem solchen Modell in den Markt eintritt, pushe das die E-Mobilität weiter. Außerdem belebt Konkurrenz das Geschäft. Dass Hyundai sich mit seinen Produkten nicht hinter denen der Wolfsburger verstecken muss, ist für Keller klar.

Mehr noch. Er wähnt seine Marke im Vorteil und verweist auf ein neues in 2021 auf den Markt kommendes E-Modell der Koreaner. Es wird im gleichen Segment unterwegs sein wird wie der ID.3. „Dieses Auto hält jedem Vergleich stand, auch bei der Digitalisierung und wird über die neusten Technologien verfügen.“ Die Spitze Richtung Wolfsburg ist nicht zu überhören.

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