Honda CBR 650 R: Ein Hauch von Fireblade

Ein Hauch von Fireblade: die Honda CBR 650 R. © Honda

Mit der Honda CBR 650 R präsentieren die Japaner ein überzeugendes Mittelklasse-Bike. Die Neue versprüht dabei sogar ein wenig den Hauch einer Fireblade.

CBR – dieses Modellkürzel hat bei Honda Tradition. Die drei Buchstaben kennzeichnen schon seit 1983 Hondas Sportbikes: Erstmals war das bei der CBR 400 der Fall, die es allerdings nur in Japan zu kaufen gab. Aber schon sie trug einen 16-Ventil-Vierzylinder-Reihenmotor in ihrem Rahmen, allerdings noch einen luftgekühlten.


36 Jahre später sind zwar viele Änderungen im Detail zu beobachten – beispielsweise gibt es Benzineinspritzung, geregelten Katalysator, Antihopping-Kupplung und ABS –, doch die Bedeutung CBR ist nach wie vor gültig.

Sportbike mit 95 PS unterwegs

Supersportlich ist eine CBR stets dann, wenn hinter der Hubraumbezeichnung ein RR folgt; das einfache R drückt aus, dass man es mit einem Sportbike zu tun hat, das keinerlei Rennstreckenambitionen aufkommen lässt. Damit ist klar, was die taufrische Honda CBR650R (ab 9.290 Euro) darstellt: Das aktuelle Honda Mittelklasse-Sportbike, das auch durchaus tourengeeignet ist. Mit 95 PS ist die Motorleistung so bemessen, dass sie auch auf 48 PS gedrosselt werden kann, so dass Inhaber des Führerscheins A2 das Bike fahren dürfen.

Das Digitaldisplay der Honda CBr 650 R. Foto: Honda

Optisch ist die neueste Generation der CBR 650 R stark dem aktuellen Superbike, der CBR 1000 RR Fireblade angeglichen worden. Dasselbe Rot dient als Grundfarbe, dieselben Farben, Blau und Weiß, werden für das Dekor verwendet. Beim flüchtigen Hinschauen kann man die 650er fast mit der „Blade“ verwechseln. Das gilt insbesondere für die Front, die nun LED-Doppelscheinwerfer aufweist. Die Blade bringt mit 1192 PS zwar die doppelte Leistung und kostet mit rund 18.000 Euro auch ungefähr doppelt so viel wie die CBR 650 R, spricht aber einen weitaus kleineren Kundenkreis an. Das hohe Image der Fireblade färbt natürlich auf die vollverkleidete 650er ab.

Solide, nicht aufregende Technik

Technisch entspricht diese weitgehend dem unverkleideten Schwestermodell CB 650 R, Motor, Fahrwerk und Bremsen sind sogar identisch. Der Fahrer hat es also mit solider, aber nicht wirklich aufregender Technik zu tun. Neu gegenüber dem Vormodell sind die 4,1-Zentimeter-USD-Gabel, das in der Vorspannung siebenfach einstellbare Zentralfederbein, die nun radial angelenkten Vierkolben-Bremssättel an den beiden vorderen Scheibenbremsen und der etwas leistungsfähigere Motor.

Dank höherer Verdichtung und einer deutlich vergrößerten Airbox stehen statt 66 kW/90 PS nun 70 kW/95 PS zur Verfügung. Dafür muss der kleine Vierzylinder immerhin 12.000 Touren drehen, was er mit links macht. Wer sportlich unterwegs sein will, darf vor fünfstelligen Drehzahlen keine Scheu haben, obwohl der Durchzug bereits ab etwa 6.000 Umdrehungen pro Minute sehr ordentlich ist und bei 8.500 sein Maximum von 64 Newtonmetern erreicht. Fünf bis sechs Liter Benzin auf 100 Kilometern fließen dann durch die Einspritzdüsen, so dass ein Radius von 250 Kilometern ohne Nachtanken gesichert ist.

Das Fahrwerk muss, der Preisklasse entsprechend, ohne Raffinessen auskommen, ist aber sehr sorgfältig abgestimmt. Die USD-Gabel führt das Vorderrad unter allen Bedingungen sauber, das hintere Federbein erfüllt ebenfalls die Erwartungen, die man an ein Sportmotorrad der unteren Mittelklasse haben kann. Kraftaufwand ist beim Fahren nicht vonnöten, denn die 207 Kilogramm schwere CBR650R ist leicht zu fahren; sie lenkt schon mit geringem Druck auf die Lenkerstummel ein und gibt sich auf gutem Asphalt in Kurven mustergültig stabil.

Präzise Sechsgangschaltung

Die Honda CBR 650 R ist mit 95 PS motorisiert. Foto: Honda

Sehr gut gefällt das leicht und präzise schaltbare Sechsganggetriebe, für das gegen den Aufpreis von 200 Euro ein prächtig funktionierender Quickshifter erhältlich ist. Das kupplungslose Herunterschalten ist in diesem Sonderangebot allerdings nicht enthalten. Ein dickes Lob gebührt der neuen Bremsanlage an der Front, die echte Zweifingerqualitäten aufweist.

Neu ist an der CBR650R auch die Instrumentierung. Das Zentralinstrument ist volldigital und sehr aufgeräumt gestaltet. Zu den üblichen Anzeigen gesellt sich eine Ganganzeige, der Bordcomputer ist unter anderem mit Verbrauchsanzeigen bestückt. Die Verstellung erfordert, der Preisklasse gemäß, eine Direktbedienung am Display; Finessen wie eine Lenkerfernbedienung des Bordcomputers oder auch eine automatische Blinkerrückstellung gibt es nicht.

Verhaltene Erwartungen

Dass die Blütezeit von Sportbikes auf dem deutschen Markt seit längerer Zeit vorbei ist, weiß auch Honda Deutschland. Entsprechend vorsichtig hat man in Japan disponiert: Etwa 600 Fahrzeuge meint man im Laufe dieser Saison hierzulande verkaufen zu können. Alle diejenigen, die das gebückte Fahren dem aufrechten Sitzen vorziehen, kann im Falle der 9.290 Euro teuren Honda CBR650R zugeraten werden.

Allen anderen sei das Schwestermodell CB650R für eine Probefahrt ans Herz gelegt; der fehlt zwar das R zum symbolträchtigen Kürzel CBR, aber bis auf den nicht vorhandenen Windschutz kann sie alles ähnlich gut wie die sportliche Schwester mit der Fireblade-Attitüde. (SP-X)

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