Ulbrichts Witwe gibt Autos ihre Namen

Ulbrichts Witwe © Foto: AG/Flehmer

Neben den Autoherstellern sind auch die Zulieferer auf der IAA gut vertreten. Ein für deutsche Verhältnisse bizarrer Name bestimmt das Erscheinungsbild der Fahrzeuge erheblich.

Von Thomas Flehmer

Es ist der Name, der auf der Internationalen Automobilausstellung aufhorchen lässt. Ulbrichts Witwe bestimmt weltweit das Erscheinungsbild fast aller deutschen Autos. Denn das in der Nähe von Salzburg beheimatete Unternehmen entwirft und verwirklicht die Embleme, die die Kühlergrills oder Radzierhauben der deutschen Fahrzeuge zieren. «Bis auf Ford beliefern wir alle deutschen Hersteller mit ihren Kennzeichen», sagt Max Sommerer, Vertriebsleiter von Ulbrichts Witwe.

Wechselhafte Geschichte

Hinter dem für deutsche Verhältnisse komisch klingenden Namen verbirgt sich nicht die Gattin des ehemaligen Staatratsvorsitzenden der SED der Deutschen Demokratischen Republik, sondern ein mittlerweile in Österreich ansässiges Unternehmen, das im westfälischen Lüdenscheid unter dem Namen Assmann und Söhne 1796 gegründet wurde. Damals wurden Manschettenknöpfe und andere Knöpfe gegossen, um diverse Hemden zu halten.

Assmann suchte danach nach weiteren Produktionsstätten und fand diese in Österreich bei Heinrich Ulbricht. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Firma der Alpenregion das deutsche Unternehmen und begrub den Namen Assmann, um den eigenen einzusetzen.

Blendendes Geschäft

Mittlerweile produziert Ulbrichts Witwe - der Name des Gatten (Heinrich) wurde vor kurzen aus dem Register gelöscht - rund 20 Millionen Schriftzüge für Autohersteller. 110 Mitarbeiter, in Hochzeiten gar aufgefüllt mit bis zu 30 Leiharbeitern produzieren in Dreischichtbetrieben sieben Tage die Woche Embleme für diverse Autohersteller. Allein Volkswagen hat sechs Millionen Embleme bestellt. Und die Zahl der Wünsche steigt kontinuierlich an.

Wenn also ein Fahrzeug nur am Zeichen erkannt werden kann, trägt zumeist die österreichische Firma Schuld daran. «Wir geben ihrem Auto den Namen», heißt der Slogan des Unternehmens, das etwa 15 Millionen Euro Umsatz pro Jahr erzielt. 10 bis 15 Euro verlangen die Hersteller pro Kühleremblem, zwischen zehn und 20 Prozent landen bei dem Zulieferer.

Unterschiedliche Vorgaben

Zweites Standbein: der Titanhelm Foto: AG/Flehmer

Dabei sind die Vorgaben von Hersteller zu Hersteller verschieden. Manche Autofirmen geben ein vollkommen perfektes Konzept zur faktischen Umsetzung ab, andere möchten auch noch die Design-Kompetenz der Österreicher in Anspruch nehmen. Egal wie jeder Hersteller seine Aufgaben bestimmt: Das Kühlerabzeichen von Volkswagen stammt ebenso aus der Schmiede wie der Astra-Schriftzug auf der Heckklappe.

Auch für das neue BMW X6-Konzept war Ulbrichts Witwe bereits tätig und freut sich auf den Beginn der Serienproduktion. Dabei wird auf die Fertigkeiten der Vorfahren gerne zurückgegriffen. «Das Prinzip der Gürtelschnalle ähnelt dem System der Radzierkappe», so Sommerer.

Was sich als chromatisiertes Aluminium beschichtetes Teilchen anfühlt, ist dabei das Ergebnis einer Symbiose mehrerer Abläufe. Galvanisierung, Spritzguss und andere Etappen kennzeichnen den Weg vom reinen Produktionsstoff hin zur Endsubjekt. «Zwischen 14 Tagen und drei Wochen dauern die aufeinander abgestimmten Verchromungs-Prozesse, ehe ein Teil in den Verkauf gelangt», sagt Sommerer. Kurzfristige Aufträge haben somit immer eine Vorlaufzeit von einer Woche.

Zweites Standbein

Neben den Emblemen fertigt Ulbrichts Witwe auch noch weltweit den einzigen Titanhelm an. Der mit vier Millimetern verstärktem Titan, der aufgrund seines Gewichtes den Kopf automatisch herunterzieht, kommt quasi in jedem Sondereinsatzkommando der Welt zum Tragen, sagt Sommerer. «Alle Einsatzkommandos dieser Welt laufen mit unseren Helmen auf.»