IAA zum Wegschauen

Die Skurrilen

Die Renault-Elektrostudie Twizy Z.E. © Foto: press-inform

Schöne Karossen gibt es auf der Frankfurter Automesse zuhauf – Sportwagen, Luxusschlitten, schicke Studien. Doch bei manchen Exponaten fragt man sich: Welcher Teufel hat die Designer bloß geritten?

Von Sebastian Viehmann

Um es gleich vorwegzunehmen: Natürlich ist Design Privatsache, und die Grenzen des guten Geschmacks zieht jeder anders. Aber bei einigen Ausstellungsstücken muss man schon stark die Stirn runzeln. Beim Renault Twizy Z.E. Concept zum Beispiel - eine Elektro-Studie, die außerhalb eines Manga-Comics wohl nicht lebensfähig wäre. Das 2,3 Meter kurze Vehikel könnte ein Smart aus einem unbekannten Paralleluniversum sein, rollt auf kleinen Räderchen mit krude geformten Abdeckungen und hat eine wabenartige Front, die an die Bühnedekoration von Hans Rosenthals Rateshow «Dalli Dalli» erinnert. Die kompakten Abmessungen sollen bei der Parkplatzsuche helfen - allein der Anblick des Twizy Z.E. dürfte schon jeden Parkplatz-Konkurrenten in die Flucht schlagen. Zum Glück kann Renault auch anders: Die Studie Fluence Z.E. Concept mit ihren eleganten Rundungen hat zwar einen seltsamen Knick an der Unterseite der Türen, kann sich ansonsten aber durchaus sehen lassen.

Elefant auf Smart

Auch Peugeot hat starken Design-Tobak im Gepäck. Die Studie BB1 soll wohl eine Art Isetta der Neuzeit sein und bietet sogar vier Personen Platz. Doch das Auto wirkt wie ein Smart, auf dessen Fronthaube sich ein Elefant gesetzt hat. Immerhin nahm sich Angela Merkel bei ihrem Messebesuch Zeit, eine Sitzprobe im BB1 zu machen. «Peugeot-Generaldirektor Jean-Marc Gales übergab der Bundeskanzlerin aus diesem Anlass eine elektrische Peugeot-Pfeffermühle - als Symbol des Starts ins neue Zeitalter der Elektromobilität», freut sich der französische Autobauer in einer Pressemitteilung. Eine optische Verschnaufpause bietet der Peugeot RCZ: Der zweitürige Flitzer mag ein wenig an den Audi TT erinnern, ist aber ein echter Hingucker. Und endlich gibt es mal einen Sportwagen aus dem Hause Peugeot.

Citroën surft auf der diesjährigen IAA ebenfalls auf der Elektro-Welle und zeigt den Plug-In-Hybrid REVOLTe - zum Glück in einer separaten Kammer hinter dem Messestand. Beim Anblick des seltsamen, Mund-artigen Kühlergrills und der wulstigen Karosserie bleibt dem Betrachter die Luft weg. Die Deutschen können es nicht unbedingt besser: Audis Studie E-Tron gewinnt mit ihrem eigenartigen Heck samt integriertem Gittergrill keinen Schönheitspreis.

Alpträume in Rosa

Der Hartung Sparta Nature Foto: press-inform

Für den kommt auch der Toyota iQ for Sports nicht in Frage. Der aufgepumpte und grell lackierte Winzling sieht aus, als wollte man damit «The Fast and the Furious» für Kleinkinder neu verfilmen. In der Kategorie «Komisches Sondermodell» gewinnt in diesem Jahr Lancia den Preis: Der Ypsilon «Elle» trägt eine Metallic-Lackierung in Rosa und könnte damit als nächstes Barbie-Traumauto durchgehen. Sogar Edeltuner Mansory konnte der rosafarbenen Versuchung nicht widerstehen und macht aus einem Bentley Continental Speed den «Vitesse Rosé». Die gute Nachricht: Es soll nur drei Exemplare geben.

Wer nun dachte, es könnte nicht extremer kommen, hat den «Hartung Sparta Nature» noch nicht gesehen. Das flache und breite Aluminium-Geschoss empfiehlt sich als Requisit für einen Science-Fiction-Film. Doch das nackte Design ist beim Sparta Programm. Der Innenraum ist wirklich spartanisch und hat drei Sitzplätze - der Fahrer hockt in der Mitte. Einer wirren Pressemitteilung lässt sich entnehmen, dass das Alu-Vehikel reichlich Power auf die Straße bringt: Sein V8-Dieselmotor soll mehr als 2000 Newtonmeter Drehmoment entwickeln und das 1,4 Tonnen schwere Gefährt in weniger als 10 Sekunden von 0 auf 200 Stundenkilometer bringen. Als Treibstoff dient zur Not auch Algenöl.