Ghosn schweigt sich zur Fusion mit GM aus

Carlos Ghosn, Präsident von Renault-Nissan © Foto: flehmer

Die laufenden Verhandlungen über ein Bündnis zwischen Renault-Nissan und GM haben die Neuheiten des französischen Autoherstellers auf dem Pariser Autosalon in den Schatten gestellt. Nur Carlos Ghosn ließ sich nicht beirren.

Von Thomas Flehmer

Für ein paar Minuten rückten die Neuheiten auf dem Pariser Automobilsalon in den Hintergrund. Bereits zwanzig Minuten vor dem Beginn der Pressekonferenz von Renault am Donnerstag waren die meisten Sitzplätze besetzt. Als es endlich losging, war der Stand des französischen Autobauers in der Halle 1 überfüllt. 17 Tage vor der Entscheidung, ob eine Fusion zwischen GM und Renault-Nissan zustande kommt, steht Carlos Ghosn im Mittelpunkt des Interesses. Wie sehr der charismatische Präsident den Konzern personifiziert, wurde schnell klar: Nicht Renault bat zum Stand, sondern es wurde zur Pressekonferenz von Carlos Ghosn geladen.

Doch der Präsident von Renault und Nissan ließ sich nicht über die einen Tag zuvor stattgefunden Gespräche mit dem möglichen Partner aus den Vereinigten Staaten aus. Ghosn bekräftigte noch einmal die Wichtigkeit des im Februar beschlossenen «Renault-Vertrages 2009». Darin verpflichtet sich der Automobilhersteller, bis zum Jahr 2009 seine Modelle unter den Top 3 des jeweiligen Segments zu platzieren. «In den kommenden drei Jahren werden wir zudem 26 neue oder neu überarbeitete Modelle auf dem Markt einführen», so der Franzose.

Innerhalb von 16 Minuten arbeitete Ghosn die einzelnen Punkte des Business-Plan im Stakkato-Stil ab: „Qualität, Profitabilität und Wachstum sind die Eckpunkte“, so Ghosn. Als ersten Beitrag enthüllte der Franzose die beiden Neuvorstellungen Twingo Concept und Koleos Concept. Ab 2010 soll dann auch noch die in Paris vorgestellte Design-Studie Nepta das Premiumsegment des französischen Herstellers verstärken.

Ghosn präsentiert den Twingo Concept Foto: dpa

Aber auch im technologischen Bereich will Renault powern. „Renault platziert sich kontinuierlich unter den Top 3 im Bereich von Kraftstoff-Einsparung und vermindertem CO2-Ausstoß. 20 Prozent aller in Europa verkauften Renault stoßen unter 120 Gramm CO2 auf einem Kilometer aus. Unser Ziel bis 2008 ist es, dass eine Million Autos dann weniger als 140 Gram CO2 per Kilometer in die Luft stoßen“, so Ghosn. Ein Wert, von dem die deutschen Automobilhersteller trotz Selbstverpflichtung noch weit entfernt sind.

Doch das interessierte die Zuhörer nur am Rande. Als auch beim Letzten die Hoffnungen auf neue Informationen bezüglich GM und Renault-Nissan schwanden, leerten sich die Reihen langsam, was auch Ghosn bemerkte, der kurz danach seine Rede beendete. Doch die Rache folgte auf dem Fuße: Fünf Minuten später ließ er sich noch einmal auf das Podium bitten. Die Meute rauschte im hohen Tempo wieder heran. Ghosn aber spielte nur mit den Journalisten und rückte den Pariser Autosalon wieder in den Vordergrund.