«Die Marke Opel ist wieder da»

Neue Mittelklasse-Limousine Insignia

Der Opel Insignia © Foto: Opel

Die Mittelklasse-Limousine Insignia verbreitet bei Opel Aufbruchstimmung. «Mit ihm beschreiten wir eine neue Design-Ära», sagt Chefdesigner Malcolm Ward.

Von Frank Mertens

Dass Opel gute Autos bauen kann, ist spätestens seit dem Astra bekannt. Doch trotz seiner optisch und technisch überzeugenden Produkte kämpft der Rüsselsheimer Autobauer auf dem heimischen deutschen Markt mit schwindenden Verkaufszahlen.

«Autos besser als ihr Image»

Das einzige Auto, was sich wirklich gut verkauft, ist der Opel Corsa. Die anderen Modelle bleiben mehr oder weniger hinter den Erwartungen zurück. Diese Situation ist natürlich auch Klaus Franz bewusst, dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden des Unternehmens. Was man derzeit bei Opel erlebt, bezeichnet Franz als Luxusproblem. «Unser Autos sind besser als ihr Image», sagte Franz am Montag bei der Vorabpräsentation der Mittelklasse-Limousine Insignia.

Das Cockpit des Opel Insignia Foto: Opel

Spätestens mit dem Insignia wollen die Rüsselsheimer den Kunden davon überzeugen, dass es sich längst wieder lohnt, einen Opel zu kaufen. Dass dieses Fahrzeug für Opel ein besonders wichtiges ist, steht außer Frage. Aber ist es auch die letzte Chance für Opel? Natürlich nicht - sagt Franz. Auch ein Zafira oder ein Corsa seien wichtige Autos, sagt er. Doch irgendwie ist bei diesem Fahrzeug doch etwas anders. Es versprüht bei Opel Aufbruchstimmung. Das zeigt sich auch im Selbstverständnis der Opelaner. Von ihnen, so berichtet Franz, seien Dreiviertel «wirklich stolz auf dieses Auto».

Nachhaltiger Eindruck

Das neue Opel-Logo prangt auf dem Kühlergrill des Insignia Foto: Opel

Was der Endkunde von dem neuen Mittelklassemodell von Opel halten wird, wird sich ab dem 22. Juli auf der London Motorshow zeigen. Dort feiert der Insignia seine Weltpremiere; der Marktstart ist im November. Und dass, was die Kunden in London erwarten können, ist vielversprechend. Bereits die vor Wochen erstmals publizierten Bilder des Insignia zeigten ein elegant und dynamisch ausschauendes Auto. Dieser Eindruck stimmt! Auch bei der Live-Präsentation hinterlässt der Insignia einen nachhaltigen Eindruck.

Die Rundinstrumente im Opel Insignia Foto: Opel

Seine Form, sein Auftritt - sie überzeugen. «Dieses Auto hebt Opel auf eine neue Designebene», sagt Chefdesigner Malcolm Ward. Hier ist sie wieder, die zitierte Aufbruchstimmung. «Mit dem Insignia beschreiten wir eine neue Design-Ära.» Das bezieht sich auch auf den Innenraum, der ausgesprochen wertig ausschaut und sich auch so anfühlt. Einzig die Plastikeinfassungen der Rundinstrumente wollen nicht so recht zum ansonsten guten Gesamteindruck passen. Aber vielleicht ändert sich da ja noch etwas bis zum Marktstart.

Zeichen setzen

Verfügt über serienmäßiges Tagfahrlicht Foto: Opel

Als Ward mit seinem Team vor vier Jahren begann, den Insignia zu entwerfen, war die Vorgabe klar. Mit diesem Auto sollte ein Zeichen gesetzt werden. «Seht her! Die Marke Opel ist wieder da», berichtet Ward. Wer den Insignia betrachtet, kann dem beipflichten. Dieses Auto hat das Zeug dazu, der Konkurrenz von Ford (Mondeo) oder VW (Passat) Kunden abzujagen. Nicht nur das: Mit dem Insignia, der den in die Jahre gekommenen Vectra ablöst, soll vor allem auch ein jüngeres Publikum an die Marke herangeführt werden. Der Vectra-Kunde war im Schnitt um die 60.

Während sich vom Vectra im zurückliegenden Jahr rund 24.000 Autos in Deutschland verkauften, sollen es vom Insignia deutlich mehr werden. Über genaue Absatzzahlen spricht man nicht, doch Axel Scheiben, der Werksdirektor in Rüsselsheim, plant für 2009 mit dem Bau von 180.000 Fahrzeugen im Zwei-Schichtbetrieb. Die Zahl soll sukzessive bis auf 270.000 Einheiten ausgebaut werden.

Vorbereitungen laufen

Der Opel Insignia Foto: Opel

Die Vorbereitungen für den Produktionsanlauf laufen im Werk Rüsselsheim entsprechend auf Hochtouren. Derzeit werden pro Woche rund 30 bis 40 Fahrzeuge gebaut, um den Qualitätsanforderungen gerecht zu werden, Bereits heute laufen rund 92 Prozent aller neuen Insignia ohne Beanstandungen vom Band. Das heißt, dass die Opelaner an diesen Fahrzeugen nicht noch einmal zur Fehlerbehbung Hand anlegen müssen. Dass ist ein Schnitt, auf den Scheiben stolz ist. Sonst liegt die Rate in anderen Werken bei rund 85 Prozent. «Wir liegen damit auf einem Spitzenplatz», sagt der Werksdirektor.

Für den Bau des Insignia hat Opel viel investiert. So fließen von 2007 bis 2012 rund 900 Millionen Euro in die Produktion; beispielsweise für neue Karosserie-Werke, Lasermaschinen oder neue Roboter. Die Investition zahlt sich aus, wie Betriebsratschef Franz feststellt. «Unsere Produktionskosten sind um 50 Prozent gesunken.» Das heißt, dass die Arbeitsabläufe für den Bau des Insignia optimiert wurden. Während in der Vergangenheit für den Bau eines Vectra 24 Stunden benötigt wurden, rollt der Insignia in 17 Stunden fertig vom Band.

Das Heck des Insignia Foto: Opel

Jetzt bleibt abzuwarten, wie der Kunde auf den Insignia reagieren wird. Ward jedenfalls ist zuversichtlich, dass dieses Auto die Opel-Kunden begeistern wird. «Wenn es uns gelingt, dass sich der Kunde beim Anblick des Insignia überrascht fragt 'Was, das ist ein Opel?', dann haben wir einen guten Job gemacht», sagt Ward.