Elektroautos: Vertrauen schaffen mit langer Garantie

Acht Jahre und 160.000 Kilometer Laufleistung

Das Tesla Model X © Tesla

Noch schrecken viele Kunden vor dem Kauf eines E-Autos zurück. Die Hersteller versuchen, Bedenken mit attraktiven Angeboten zu zerstreuen. Dazu gehört eine umfangreiche Garantie.

Denn neben den bekannten Themen wie Reichweite, einer noch überschaubaren Modellauswahl und einer lückenhaften Ladeinfrastruktur spielt auch die Zuverlässigkeit der Stromer für die Kundschaft eine wichtige Rolle.


Doch angesichts fehlender Erfahrungen mit der Elektromobilität bleibt bei einigen Kunden ein Moment der Unsicherheit, ob die Anschaffung eines rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugs für sie die richtige Entscheidung ist. Während sich beim klassischen Autoquartett alles um Pferdestärken, Zylinderzahl und Hubraum dreht, wären Reichweite, Laufleistung, Ladezeiten und die Zahl der Garantiejahre bei einem Kartenspiel für E-Autos die entscheidenden Kriterien. Tatsächlich scheint hier eine achtjährige Garantie bei einer Laufleistung von bis zu 160.000 so etwas wie eine neue Normgröße zu werden, die es zu erreichen gilt.

Hyundai spricht von Qualitätsversprechen

Der Hyundai Kona Elektro hat mit großer Batterie eine Reichweite von über 480 Kilometer. Foto: Kemmerling/Hyundai

Diese Garantie gewährt beispielsweise auch Hyundai für seine beiden reinen Elektroautos Kona und Ioniq. „Wir geben allen unseren Kunden bereits ein sehr gutes Garantieversprechen mit fünf Jahren ohne Kilometerbegrenzung. Das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal von Hyundai. Beim Kona Elektro gehen wir nun noch einen großen Schritt weiter. Die achtjährige Garantie ist ein Qualitätsversprechen an unsere Kunden“, sagte Hyundai-Deutschlandchef Jürgen Keller. Damit unterstreiche man seinen Glauben an die „E-Mobilität und gleichzeitig an die Zuverlässigkeit unseres elektrischen Kona“, so Keller weiter.

Zu dem Garantieversprechen gehören neben einer achtjährigen Mobilitätsgarantie mit einem kostenlosen Pannen- und Abschleppdienst auch fünf Sicherheitschecks in den ersten fünf Jahren.

Der Kia e-Soul wird mit zwei Batteriegrößen angeboten. Foto: Kia

Hyundais Konzernschwester Kia gewährt auf seine Elektromodelle e-Soul und e-Niro eine 7-Jahresgarantie und das bei einer Laufleistung von 150.000 Kilometer. Das Garantieversprechen der Koreaner gilt für jedes seit dem 1. Januar 2010 neu zugelassene Modell.

Auch Mercedes mit acht Jahren

Wer bei Mercedes nachfragt, der erhält als Antwort auf die Garantie: acht Jahre oder eine maximale Laufleistung von 160.000 Kilometer. Da die Batterie bei einem E-Auto fest im Fahrzeug verbaut ist, lässt sie sich nicht wie eine Wechselbatterie mal eben austauschen. Deshalb gibt es ein Batterie Managementsystem (BMS), mit dem die Batterie via Software angesteuert und in ihre Funktionsweise eingegriffen werden kann, wenn Zellen kaputtgehen oder sich deren Chemie verändert.

Solche Zellen nimmt die Software aus dem Energiegehalt raus. Dabei verliert das Auto keine Leistung, weil die Hersteller die Batterie mit einer Brutto- und einer Nettoenergie ausgestattet haben. Der Bruttoenergiegehalt umfasst alle Zellen, die verbaut sind, der Nettoenergiegehalt ist das, was die Autobauer dem Kunden tatsächlich an abrufbarer Leistung zur Verfügung stellen. Die BEV haben deshalb ein Batteriezertifikat, also eine Gewährleistung, dass die Batterie, weil sie eines der teuersten Bauteile, wenn nicht das teuerste Teil der batterieelektrischen Fahrzeuge ist, getauscht wird, sollte sie einen Defekt haben.

Größerer Puffer

Um die Gewährleistung halten zu können, hat Daimler mit gutem Grund bei den großen Batterien der BEV einen größeren Puffer drin als bei kleineren Batterien. Kein Autohersteller kann es sich schließlich leisten, seinem Kunden zu sagen, dass sein Auto beispielsweise nach drei Jahren statt 120 kW nur noch 70 kW Leistung hat.

Wichtig bei der Garantiezusage: Auf alle Hochvoltkomponenten gibt es zum einen eine Mindestspannung, die die Batterie in gesundem Zustand (state of health) haben muss. Bei Daimler sind mehr als 80 Prozent der Anspruch, plus immer eine Garantiezusage – bei Daimler, also auch beim Smart, standardmäßig die genannten acht Jahre oder maximal 160.000 Kilometer. Der Zustand der Batterie bei Kia e-Soul und Kia Niro dagegen gilt bei nur 65 Prozent als gesund, bei vielen anderen Herstellern sind es eher 70 Prozent

Tesla geht am weitesten

Das Tesla Model 3. Foto: Tesla

Die gleichen Qualitäten wie die Daimler Modelle, also acht Jahre Garantie oder 160.000 Kilometer Laufleistung, bieten Audi e-tron, Audi e-tron Sportback, BMW i3, Ford Mustang Mach E, Honda e, Jaguar I-Pace und der Corsa-e, Peugeot 208-e, Porsche Taycan, Seat Mii electric, Skoda Citigo iV, Volkswagen ID.3, Golf e und e-up! sowie Tesla Model 3.

Tesla bläst die Backen auf, gibt sich neben der Zahl seiner BEV auch in Sachen Laufleistung selbstbewusst. Das Model 3 mit der Standardreichweite wirbt neben der Zusage von acht Jahren Batteriebeständigkeit oder 160.000 Kilometer mit bis zu 192.000 Kilometer (ebenso Modell Y) maximaler Laufleistung beim Modell mit maximaler Reichweite.

Model S und Model X locken gar mit 240.000 Kilometer Laufleistung bei je acht Jahren Batteriegarantie; beim Model Y schreibt der Hersteller 192.000 Kilometer fest. Zudem wird eine Batteriekapazität von 70 Prozent für die Garantielaufzeit gegeben.Ein Exot, der sich mit der Volvo Car Group Entwicklungsexpertise teilt, ist der Polestar. Der Polestar 2 wirbt ebenfalls mit acht Jahren Batteriegarantie oder 160.000 Kilometer Laufleistung.

Unterscheidung bei Batteriekauf- und Batteriemiete

Renault unterscheidet bei seinen Modellen Kangoo Z.E. und Zoe zwischen Batteriekauf und Batteriemiete als Option. Beim Kauf greifen auch eine Laufleistung von 160.000 Kilometer oder acht Jahre Garantie. Keine Angaben gibt es aus nachvollziehbaren Gründen bei der Batteriemiete, da die jährliche Kilometerleistung der Nutzer variiert.

Der Renault Zoe hat ein umafassendes Facelift erhalten. Foto: Stefan Anker/Renault

Wie reell vergleichbar diese Angaben sind, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, intensive Gespräche bei den Händlern liegen nahe. Bei einer Mainstream Leistung von 160.000 Kilometer Laufleistung oder acht Jahren Garantie auf die Batterie bei durchschnittlich 70 Prozent Restleistung gilt es neben dem Blick auf die Marken natürlich einen genauen Blick auf die Preise und ins Kleingedruckte der Garantieversprechen zu werfen.

Letztere sind per se spürbar höher als die vergleichbarer Verbrenner derselben Marke und unterscheiden sich zudem mitunter gewaltig je nach Hersteller – insbesondere bei Premiumherstellern wie Audi, Jaguar, Mercedes-Benz und natürlich Porsche als Spitzenreiter in Preis und Leistung. Beim Bewerten von Preis und Laufleistung nicht zu vergessen ist natürlich auch, wie weit der Stromer vollgeladen laut Hersteller dahinsurren kann.

Ein Leben nach dem Leben

Die in den Mercedes-Benz Fahrzeugen zusammengeschalteten Batterien haben „definitiv ein Leben nach dem Fahrzeug“, sagt Daimler. Das betonen auch die anderen Hersteller. Doch was ist das für ein Leben? Recycling? Zumal Recycling auch Energie benötigt, womit die ökologische Bilanz über den Gesamtlebenszyklus schlechter ausfällt.

Mit dem Mercedes EQC wollen die Schwaben in der E-Mobilität durchstarten. Foto: Daimler

Fest steht: Die mobile Welt hat sich mit dem Einzug batterieelektrischer Autos fundamental geändert. Die vielen Jahrzehnte, in denen der VW Käfer produziert wurde, lieferten den Slogan ‘und läuft und läuft und läuft‘, der wiederum für die Motorendauerleistung vieler Mercedes-Benz Modelle gilt. Sprich: die Daimler Motoren gelten weitgehend als unkaputtbar – man denke nur an die vielen Meilenmillionäre unter Daimler Diesel Taxen.

Das altbekannte Verhältnis zwischen Energieeinheit und Karosserie hat sich bei den BEV umgekehrt. Sprich: Die Karosserie würde halten, aber die Batterieleistung ist relativ frühzeitig zumindest beeinträchtigt. Denn während man beim Smartphone den Akku unterdessen kostengünstig austauschen kann, ist er beim BEV das Herzstück und entsprechend teuer. Ob sich das in absehbarer Zeit ändert? Und wohin dann mit dem ganzen Batterieaufkommen? Kann alles recycelt werden? Die Gesamtbilanz eines Wasserstoffantriebs mit entsprechend kleiner Batterie sähe besser aus. Bleibt die Frage, welche Form der Elektromobilität letztlich die Oberhand gewinnen wird und zu welchen Konditionen.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein
Bitte geben Sie Ihren Namen ein