Jeder dritte Fahrschüler scheitert an Theorie-Prüfung

Theoretische Führerscheinprüfung bei der Dekra. © dpa

Fahrschüler sind im vergangenen Jahr häufiger durch die Führerschein-Prüfung gerauscht. Mittlerweile scheitert mehr als ein Drittel aller Anwärter an der theoretischen Prüfung.

Das sind fast sieben Prozent mehr als noch in 2016. Das geht aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes hervor. Knapp ein Drittel der Prüflinge rasselt durch den praktischen Test. Das sind drei Prozent mehr als im Vorjahr.


Fahrlehrerverbände begründen die Entwicklung mit der steigenden Zahl fremdsprachiger Anwärter. Außerdem lasse das Interesse Jugendlicher am Autofahren nach.

Meiste Schüler scheitern in Sachsen-Anhalt

Spitzenreiter bei den nicht bestandenen theoretischen Prüfungen sind die Fahrschüler in Sachsen-Anhalt. Dort bestanden im Jahr 2017 fast 45 Prozent der Teilnehmer den schriftlichen Test nicht. Bei der praktischen Prüfung haben die Hamburger das Nachsehen – fast 42 Prozent der Fahrschüler scheiterten dort 2017 im Praxistest.

Doch diese Zahlen sind keine Ausreißer, vielmehr sucht man in der Tabelle des Kraftfahrtbundesamts vergebens nach wirklich erfolgreichen Bundesländern. Am besten schneidet noch Hessen ab, doch auch hier bestehen 31 Prozent die Theorie nicht, und immerhin 23 Prozent fallen in der praktischen Prüfung durch.

Mehr ausländische Bewerber

Der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, Gerhard von Bressensdorf, führt die höheren Durchfallquoten in erster Linie auf den größeren Anteil nicht deutschsprachiger Bewerber zurück. Ihnen falle die Theorieprüfung schwer. Zudem seien sie mit einer anderen Verkehrskultur aufgewachsen und brauchten oft drei bis fünf Anläufe, bis sie bestünden, sagte Bressensdorf. In der Praxisprüfung gebe es durch den zunehmenden Verkehr immer mehr
Fehlerquellen für Prüflinge.

Der Vorsitzende des baden-württembergischen Fahrlehrerverbandes, Jochen Klima, bestätigt, dass die Zahl der Bewerber aus anderen Ländern zugenommen habe und ihnen die Führerscheinprüfung schwerer falle als Anwärtern, die im deutschen Verkehrssystem groß geworden sind. Zum anderen habe jedoch auch das Interesse Jugendlicher nachgelassen. Die Prüfungen werden seinem Eindruck nach nicht mehr ernst genug genommen. «Früher war Mobilität notwendig für Kommunikation», sagte Klima. «Handy und Internet haben dem Führerschein den Rang abgelaufen.» (dpa)

Vorheriger ArtikelDeutschland holt bei Elektromobilität auf
Nächster ArtikelBMW X2: Teurer Trendsetter
Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein
Bitte geben Sie Ihren Namen ein