Corinna Schumacher bittet um Ruhe

Zehn Tage nach dem Unfall

Corinna Schumacher bittet um Ruhe
Michael Schumacher befindet sich in einem kritischen Zustand. © dpa

Corinna Schumacher hat an die Medien appelliert, die Klinik, in der ihr Mann Michael Schumacher im künstlichen Koma liegt, zu verlassen. Auch der Deutsche Journalisten-Verband rief zur Zurückhaltung auf.

Michael Schumachers Ehefrau hat in einem unmissverständlichen Appell die Medien zur Zurückhaltung aufgerufen. «Es ist mir wichtig, dass Sie die Ärzte und das Krankenhaus entlasten, damit diese in Ruhe arbeiten können – vertrauen Sie bitte deren Statements und verlassen Sie die Klinik. Bitte lassen Sie auch unsere Familie in Ruhe», hieß es in der Mitteilung von Corinna Schumacher einen Tag vor der mit großer Spannung erwarteten Pressekonferenz zum Unfallhergang.

Zeitung: Helmkamera bei Unfallhergang eingeschaltet

Die Pressekonferenz findet am Mittwoch bewusst nicht in Grenoble statt, wo Schumacher seit seinem Sturz am 29. Dezember unter riesigem Medieninteresse im Universitätskrankenhaus behandelt wird. Der Medientross reist stattdessen ins rund 80 Kilometer entfernte Albertville. Bei der Pk der Staatsanwaltschaft im Justizpalast der Winter-Olympia-Stadt von 1992 dürften auch die Aufnahmen von Schumachers Helmkamera eine Rolle spielen.

Wie die ansässige französische Zeitung «Le Dauphiné Libéré» am Dienstag auf ihrer Homepage schrieb, soll die Kamera eingeschaltet gewesen sein, die Bilder seien verwertbar. Dies hätten vertrauliche Quellen bestätigt. Eine offizielle Stellungnahmen lag dazu zunächst nicht vor.

Schumachers Zustand stabil

Schumachers Gattin Corinna wies in ihrer fettgedruckten Stellungnahme unterdessen noch einmal auf die Expertisen und Aussagen der behandelnden Mediziner hin. Diese hatten am Montag in ihrer ersten Stellungnahme seit sechs Tagen betont, dass Schumachers Zustand stabil sei.

Managerin Sabine Kehm bestätigte dies in einer schriftlichen Stellungnahme kurz vor Mitternacht auch noch einmal mit Verweis auf die Ausführungen der Ärzte. Kehm bestätigte aber nicht, dass sie gesagt haben soll, Schumacher sei außer Lebensgefahr. Zuvor hatten Medien berichtet Schumacher befinde sich nicht mehr in «akuter Lebensgefahr».

DJV mahnt zur Zurückhaltung

In die Diskussion um die Berichterstattung schaltete sich nun auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) ein. Der Bundesvorsitzende Michael Konken wies in einer Mitteilung am Dienstag auf den Pressekodex des Deutschen Presserats hin, der «Respekt vor dem Leid von Opfern und den Gefühlen von Angehörigen» fordert. «Das gilt auch dann, wenn das Opfer prominent ist», sagte der DJV-Chef.

Schumacher liegt seit einem Skiunfall am 29. Dezember in Méribel im Universitätskrankenhaus von Grenoble. Die dortige Traumatologische Abteilung gilt als eine der renommiertesten in Frankreich. Er befindet sich den Ärzten zufolge weiter mit schweren Kopfverletzungen im künstlichen Koma.

Nach bisherigen Erkenntnissen fuhr Schumacher zwischen zwei markierten Pisten gegen einen Felsen. Er verlor in dem eher flachen Bereich mit Neuschnee die Kontrolle und krachte mit dem Kopf auf einen Felsen. Er erlitt dabei ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Zweimal - unmittelbar nach seiner Einlieferung am Mittag des Unglückstages und einen Tag später (30. Dezember) wurde er operiert.

DJV sieht gerechtfertigtes Interesse

Schon kurz nach Bekanntwerden des Unfalls hatte die Klinik in Grenoble ein Absperrgitter errichtet. Im Laufe der Woche wurden die Übertragungswagen auf Geheiß der Krankenhaus-Leitung auf eine gesonderte Stellfläche gebracht. Ein Medienvertreter hatte allerdings nach Angaben von Schumachers Managerin Kehm versucht, zu dem siebenmaligen Champion zu gelangen, indem er sich als Priester verkleidet hatte. Mehrfach wiesen die Familie und Kehm schon auf die Privatsphäre der Schumachers hin.

Das generelle mediale Interesse an Schumacher hält der DJV-Bundesvorsitzende Konken für gerechtfertigt. «Michael Schumacher ist durch seine Formel-1-Erfolge außerordentlich bekannt geworden. Viele Menschen bangen seit seinem Skiunfall um sein Leben. Darüber müssen Medien berichten», sagte er in der DJV-Mitteilung. (dpa)

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