«Sind eine Marke mit einer Sieben vor dem Komma»

Ford Deutschland-Chef Bernhard Mattes

«Sind eine Marke mit einer Sieben vor dem Komma»
VDA-Präsident Bernhard Mattes © Ford

Ford Deutschland soll in diesem Jahr wieder einen Marktanteil von mindestens sieben Prozent erzielen, sagt Bernhard Mattes. Im Interview mit der Autogazette spricht der Deutschland-Chef über die europäischen Ziele, Werksschließungen und die Rückkehr in die Gewinnzone.

Bernhard Mattes will Ford in Deutschland wieder auf einen Marktanteil von mindestens sieben Prozent zurückführen. «Wir sind eine Marke, die in Deutschland eine Sieben vor dem Komma erzielen will. Das können wir auch mit den Produkten und der Stärke unserer Marke schaffen», sagte der Chef von Ford Deutschland der Autogazette.

Allerdings musste das Deutschland-Geschäft im Januar einen Rückgang von 32,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat hinnehmen, der bei Ford aber einkalkuliert war. «Wir konzentrieren uns zum einen auf die ertragreichen Segmente und treiben Volumen und Zulassungen nicht um jeden Preis in die Höhe. Zudem haben wir wesentliche Produktwechsel zu verzeichnen», so Mattes weiter.

Auch bedingt durch die Werksschließungen in Belgien und Großbritannien rechnet der 56 Jahre alte Automanager, der zugleich Vize-Präsident von Ford Europa ist, nach einem Verlust von etwa 1,8 Milliarden Dollar im Vorjahr mit einem Minus von 2,0 Milliarden Dollar in 2013. «Es macht auch keine Freude, solch eine Prognose abzugeben, aber wir sind Realisten. Wir adressieren diese Zahlen aber mit einem klaren Plan.» Durch Investitionen in neue Produkte und der Restrukturierung soll Ford zur «Mitte der Dekade, also 2015, wieder profitabel zu sein. Das ist unsere klare Zielsetzung.»

«Rückgang war vorherzusehen»

Autogazette: Herr Mattes, die Faschingszeit haben Sie mit der karnevalistischen Auszeichnung «Zuglorbeer in Silber» abgeschlossen, herrscht seitdem wieder Aschermittwochsstimmung in der Europazentrale von Ford?

Bernhard Mattes: Nein, überhaupt nicht. Das eine hat mit dem anderen auch gar nichts zu tun. Den Kölner Karneval unterstützen wir als Kölner Unternehmen seit Jahrzehnten und machen ihn mit unseren Fahrzeugen mobil. Aschermittwoch haben wir bei Ford nicht, denn wir haben einen Plan, der uns in einem nicht einfachen wirtschaftlichen Umfeld die richtige Position für die Zukunft ermöglicht.

Autogazette: Inwiefern?

Mattes: Wir konzentrieren uns auf unsere Produkte, auf unsere Marke und die Kosten. Diese drei Elemente sind Teil des europäischen Planes, den wir konsequent umsetzen wollen.

Autogazette: Auf Deutschland bezogen ist Ford mit einem Rückgang von 32,2 Prozent im Vergleich zum Januar 2012 nicht gerade gut gestartet . . .

Mattes: . . . das ist richtig, der Rückgang ist da. Er war aber von uns vorherzusehen. Wir konzentrieren uns zum einen auf die ertragreichen Segmente und treiben Volumen und Zulassungen nicht um jeden Preis in die Höhe. Zudem haben wir wesentliche Produktwechsel zu verzeichnen, wie mit dem Fiesta, der ein Großteil unseres verkauften Volumens ausmacht. Der Kuga befand sich auch im Auslauf, das neue Modell steht kurz vor seiner Markteinführung. Die volle Verfügbarkeit des B-Max hat sich auch erst zum Jahresende im Handel aufgebaut. Darüber hinaus haben einige Verfügbarkeitsprobleme bei unseren großen Fahrzeugen aufgrund unserer Pläne in Belgien.

«Sind eine Marke mit einer Sieben vor dem Komma»

Der Ford Transit Custom Tourneo erhielt als einziger Kleinbus fünf Sterne.
Das Nutzfahrzeuggeschäft von Ford ist 2013 gut angelaufen Ford

Autogazette: Das sind nicht gerade Voraussetzungen, dass es besser wird . . .

Mattes: . . . das Erfreuliche ist, dass wir einen guten Auftragseingang haben.

Autogazette: Das heißt, dass die nächsten Monate besser als der Januar abgeschlossen werden?

Mattes: Wir erwarten bessere Ergebnisse als zum Jahresanfang.

Autogazette: In Deutschland sollte ein Marktanteil von mindestens sieben Prozent erreicht werden, 6,7 Prozent standen zum Jahresabschluss. Welche Zahl soll es denn zum Ende 2013 werden?

Mattes: Das Ziel bleibt unverändert. Wir sind eine Marke, die in Deutschland eine Sieben vor dem Komma erzielen will. Das können wir auch mit den Produkten und der Stärke unserer Marke schaffen.

Autogazette: Im Januar lag der Marktanteil bei 5,3 Prozent, zum Jahresende soll also eine Sieben plus X stehen?

Mattes: Wenn es eine 7,0 wird, ist es auch in Ordnung. Allerdings ist das Nutzfahrzeuggeschäft, das in diese sieben Prozent nicht mit einfließt, ein ganz wesentlicher Baustein. Und 2013 wird stark im Zeichen des Nutzfahrzeuggeschäftes stehen. Wir verzeichnen jetzt schon gute Zulassungszahlen und Auftragseingänge mit dem bestehenden Ford Transit, aber auch dem neuen Transit Custom.

«Gehen von stabiler Entwicklung aus»

Der Ford Kuga fährt mit neuem Konzept vor.
Auf dem neuen Ford Kuga liegen große Hoffnungen Ford

Autogazette: In Deutschland sieht es für Ford ja noch vergleichsweise gut aus. Das große Sorgenkind heißt Europa, in dem 2012 die Neuzulassungen um 16 Prozent zurückgingen. Und dieses Jahr wird wohl nicht besser werden?

Mattes: Im vergangenen Jahr wurden in Europa Gesamt-Zulassungen in Höhe von 14 Millionen Einheiten verzeichnet. In diesem Jahr rechnen wir mit einer Zahl zwischen 13 und 14 Millionen Einheiten, wobei eher die untere Bandbreite erreicht wird. Deshalb gehen wir davon aus, dass der Markt noch einmal rückläufig sein wird.

Autogazette: Ford-Chef Alan Mulally rechnet für Ford Europa sogar mit einem Verlust von über zwei Milliarden Dollar für 2013. Klingt fast wie Freifahrtschein für dieses Jahr.

Mattes: Nein überhaupt nicht. Es macht auch keine Freude, solch eine Prognose abzugeben, aber wir sind Realisten. Wir adressieren diese Zahlen aber mit einem klaren Plan. Hinsichtlich des Marktanteils für Ford in Europa gehen wir für dieses Jahr von einer stabilen Entwicklung gegenüber des Vorjahres aus.

Autogazette: Wie sieht dieser Plan aus?

Mattes: Wir werden in neue Produkte investieren und auch die Fertigungskapazitäten ausrichten, um uns für die Zukunft gut aufzustellen. Mit den kommenden Produkten werden wir eine der jüngsten und auch breitesten Produktpaletten haben. Das zu erwartende Ergebnis in diesem Jahr spiegelt den Industrierückgang, Invesitionen in neue Produkte und die Aufwendungen für die Restrukturierung in Europa wider. Wir werden intensiv an der Marke weiterarbeiten. Und wie bereits angekündigt, werden wir die Kapazitäten der Gesamtnachfrage im Markt angepasst.

«Ford Europa ab 2015 wieder profitabel»

Der neue Ford Mondeo kommt Mitte 2013 auf den Markt.
Der Start des neuen Ford Mondeo verzögert sich Ford

Autogazette: Die Anpassung der Kapazitäten gelingt durch die Schließung von drei Werken. Sind weitere Schließungen geplant, da Überkapazitäten weiterhin bestehen?

Mattes: Zu dem Plan, den wir vorgestellt haben, wird es keine Erweiterungen oder Ergänzungen geben.

Autogazette: Es gibt Stimmen, die die tiefroten Zahlen als politische Zahlen aus den USA sehen, damit die Schließungen der drei Werke gerechtfertigt werden können.

Mattes: Es gibt sehr eindeutige und rigide Rechnungslegungs-Vorschriften. Diesen folgen wir hundertprozentig. Von daher sind das Spekulationen, an denen wir uns nicht beteiligen.

Autogazette: Wann will Ford Europa wieder die Gewinnzone erreichen?

Mattes: Zur Mitte der Dekade, also 2015, haben wir uns vorgegeben, wieder profitabel zu sein. Das ist unsere klare Zielsetzung.

Autogazette: Durch die Produktionsverlagerungen hat sich der Start des neuen Mondeo verzögert. Wann soll die Mittelklasse denn nun an den Start gehen?

Mattes: Das ist abhängig vom Ausgang der Konsultationsgespräche in Belgien. Die Planung sieht eine Einführung für 2014 vor.

Autogazette: Anfang oder Ende 2014?

Mattes: Ein genaues Datum diesbezüglich können wir noch nicht festlegen. Das ist von den Entwicklungen in Belgien abhängig.

Autogazette: Die Start-Verschiebung ist aber eine sehr missliche Situation für Ford?

Mattes: Auf der einen Seite ja, da die Verfügbarkeit des neuen Produktes uns gut tun würde. Auf der anderen Seite besteht ein Notwendigkeit, die Kapazitäten der geringeren Nachfrage in Europa anzupassen.

«Potenzial des Verbrennungsmotors noch nicht ausgeschöpft»

Elektrofahrzeuge bleiben in der Nische Ford

Autogazette: Ford hat stark auf Elektrofahrzeuge gesetzt. Der Hype ist aber stark abgeebbt, umso mehr wird bei Hybridantrieben gepusht. Kommt Ford zu spät, wenn die Hybrid-Antriebe erst in diesem Jahr in Europa eingeführt werden sollen?

Mattes: Wir sind mit unseren Hybrid-Fahrzeugen in den USA sehr erfolgreich und werden jetzt sukzessive unser Angebot in Europa erweitern. Zuerst kommt der Focus als rein batterie-elektrisches Fahrzeug, anschließend die Hybrid-Fahrzeuge auf den Markt. Langfristig gehen wir aber davon aus, dass die Verbrennungsmotoren bei den Verkäufen immer noch den größten Anteil ausmachen werden. Danach kommen die Hybridantriebe und danach die batterie-elektrischen Fahrzeuge mit einem vergleichweise kleinen Anteil

Autogazette: Alternative Antriebe bleiben also in der Nische?

Mattes: Wir sind bei den alternativen Antriebsformen gut unterwegs und haben hervorragende Ergebnisse bei den Praxistests mit unsren Hybridfahrzeugen in den USA erzielt. Und bei der Brennstoffzelle sind wir jüngst erst eine Kooperation mit Nissan und Daimler eingegangen.

Autogazette: Dabei wurde der Serienstart eines Brennstoffzellenfahrzeugs für 2017 angekündigt. Ist die Brennstoffzelle für Sie der Antrieb der Zukunft?

Mattes: Er ist auf jeden Fall eine Alternative. Heute kann noch niemand mit Gewissheit sagen, was DIE Alternative sein wird. Das Wichtigste ist, dass wir die Fahrzeuge noch umweltverträglicher und verbrauchsärmer machen. Diesbezüglich ist das Potential des klassischen Verbrennungsmotors noch nicht ausgeschöpft. Unsere Ecoboost-Technologie zeigt, was möglich ist.

«Werden Kommunikation weiter verstärken»

Der Ford Fiesta ist als Gebrauchter zuverlässig.
Der Ford Fiesta ist der erfolgreichste Kleinwagen in Europa Ford

Autogazette: Beim Thema Sparsamkeit stehen andere Hersteller im Vordergrund, dabei hat die Ecoboost-Technologie schon viele Auszeichnungen erhalten. Ist Ford zu leise für den Markt?

Mattes: Wir haben die Technologie – besonders mit dem 1,0 Liter-Motor – nicht zuletzt im Rahmen der Auszeichnungen, die der Motor erhalten hat, sehr intensiv kommuniziert. Die Wirtschaftlichkeit des Aggregats ist ein klarer Kundenvorteil , den wir nicht verlieren wollen. Wir werden die Kommunikation zum Thema Ecoboost in diesem Jahr noch weiter verstärken, um die Technologie in das Bewusstsein der Kunden zu bringen.

Autogazette: Der Fiesta ist der erfolgreichste Kleinwagen in Europa. Auch da ist Ford sehr leise.

Mattes: Mit dem deutlich überarbeiteten Fiesta haben wir auf allen Kanälen – TV, Hörfunk, Print und online - eine sehr starke Werbepräsenz und werden auch das Thema «Fiesta, der meistverkauften Kleinwagen in Europa» weiter kommunizieren.

«Wollen ertragreich wachsen»

Ford holt die nächste Generation des Mustang nach Europa.
Die neue Generation des Ford Mustang kommt auch nach Europa Ford

Autogazette: Zum anderen Ende der Motorenpalette: 2015 soll der Mustang auch wieder nach Europa zurückkehren. Vor rund drei Jahren gab es Spekulationen über eine neue Capri-Version. Ist diese mit der Rückkehr des Mustangs hinfällig?

Mattes: Einen Markteinführungstermin für den neuen Mustang haben wir noch nicht bekannt gegeben. Bisher haben wir nur angekündigt, dass die nächste Generation des Mustangs auch nach Europa kommen wird. Ein Capri-Nachfolger ist in unseren Plänen aber nicht enthalten.

Autogazette: Dabei würde doch der Capri viel besser nach Europa passen als ein Mustang?

Mattes: Ich freue mich sehr auf den Mustang für Europa. Er ist auf der einen Seite eine amerikanische Ikone, auf der anderen Seite ein absolut positiver Verstärker unserer Marke. Den Erfolg, den der Mustang bisher in Nordamerika einfuhr, wird er auch in Europa erhalten.

Autogazette: Welche positiven Aspekte wird Ford bis zur Einführung des Mustangs setzen?

Mattes: Wir werden eine ganze Menge an neuen Produkten einführen wie zum Beispiel den Eco Sport in diesem Jahr, ein SUV im B-Segment, mit dem wir unser Portfolio erweitern. Dann kommt beim Ford Fiesta jetzt die ST-Version. Und natürlich der Kuga, der mit dem alten Modell in Europa schon eine sehr gute Resonanz erfahren hat.

Autogazette: Was wird Sie denn am Ende des Jahres zufriedener stellen: In Deutschland eine Sieben vor dem Komma oder der Verlust in Europa fällt nicht ganz so hoch aus?

Mattes: Sowohl als auch. Wenn wir ertragreich wachsen können und auch die Situation in Europa positiv beeinflussen können, sind beides gute Ziele.

Das Interview mit Bernhard Mattes führte Thomas Flehmer

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.

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