Ford-Chef Hackett tritt überraschend zurück

Ford-Chef Jim Hackett und CW-Boss Herbert Diess auf der Autoshow in Detroit im Jahr 2019 © dpa

Due US-Autobauer Ford steckt in der Krise. Nun ist der erst seit Mai 2017 amtierende Vorstandschef Jim Hackett zurückgetreten. Ein Nachfolger steht bereits fest.

Damit stellt der kriselnde US-Autoriese seine Konzernspitze bereits zum zweiten Mal in gut drei Jahren neu auf. Das Unternehmen teilte am Dienstag mit, dass zum 1. Oktober Top-Manager Jim Farley (58) die Nachfolge von Hackett antritt. Farley kümmert sich bereits jetzt im Vorstand um das Tagesgeschäft.


Der Personalwechsel zeigt, wie schwer Ford sich weiter mit dem Wandel der Autoindustrie vom klassischen Blechbiegen zu Zukunftstechnologien wie autonomem Fahren und Elektromobilität tut. Der Konzern steckt in einem tiefgreifenden Umbau, Hackett war eigentlich als großer Modernisierer angetreten. Auch sein Vorgänger Mark Fields hatte den Spitzenposten nach nur rund drei Jahren schon wieder geräumt.

Mehr Verständnis für Europa

Für die deutschen Ford-Standorte in Köln und Saarlouis könnte der überraschende Wechsel an der Konzernspitze nach Ansicht des Automobil-Experten Stefan Bratzel von Vorteil sein. „Der neue Ford-Chef Jim Farley war jahrelang für Europa zuständig und hat daher mehr Verständnis für den deutschen Automarkt“, sagte der Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Allerdings dürfte sich nach seiner Einschätzung am Sparkurs für das Ford-Werk in Köln wenig ändern. Farley werde die Sparbemühungen vermutlich noch einmal verstärken.

Erholung auf deutschem Markt

Für Deutschland hatte Ford zuletzt trotz der negativen Auswirkungen durch die Corona-Pandemie „klare Anzeichen für eine Erholung des Marktes“ gemeldet. Bei den verbindlichen Bestellungen liege man inzwischen wieder bei mehr als 80 Prozent der vor Corona angepeilten Ziele.

Im ersten Halbjahr 2020 hatte Ford in Deutschland allerdings nur etwas mehr als 84.000 Neuzulassungen registriert. Das waren 41,4 Prozent weniger, als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Zwischen Mitte März und Anfang Mai musste Ford aufgrund der Pandemie die Produktion an seinen europäischen Standorten für mehr als sechs Wochen pausieren lassen. (dpa)

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