Fiat greift nach der Krone von VW

Gemeinsam mit Chrysler

Fiat greift nach der Krone von VW
Sergio Marcchione hört 2018 auf. © dpa

Fiat-Chef Sergio Marchionne plant den Angriff auf VW. Der Manager will einen zweiten europäischen Branchenriesen schaffen und plant weitere Übernahmen.

Von Andreas Hoenig und Daniel Schnettler

Das Markenzeichen von Fiat-Chef Sergio Marchionne sind Pullover, zumeist schwarz, mit einem blauen Hemd darunter. Doch der charismatische Automanager scheint zumindest im Geiste die Kampfuniform angelegt zu haben. Mit Schützenhilfe der US-Tochter Chrysler bläst der 59-Jährige zum Angriff auf Volkswagen. Sein Ziel ist es, einen zweiten europäischen Branchenriesen und einen Weltkonzern zu schaffen. Doch Experten sind skeptisch: Das italienisch-amerikanische Gespann Fiat-Chrysler habe große Schwächen.

Chrysler stark, Fiat schwach

Das zeigt bereits ein Blick auf die am Mittwoch veröffentlichten Geschäftszahlen: Fiat legte vor allem dank Chrysler zu; ohne die Amerikaner sind die Italiener vergleichsweise schwach - auch wenn Marchionne, der die beiden Autobauer in Personalunion führt, stolz verkündete: «Das Haus ist in schönster Ordnung.» Fiat aber macht vor allem der schwache Heimatmarkt zu schaffen.

Chrysler dagegen erreichte nach langem Siechtum im vergangenen Jahr die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Der drittgrößte US-Autobauer hatte mit Hilfe der Italiener die Insolvenz des Jahres 2009 hinter sich gelassen. Angesichts eines anziehenden US-Marktes gelang Chrysler ein Comeback.

PSA Peugeot Citroen im Visier

Auch Fiat selbst war einst ein Pleitekandidat. «Fehler In Allen Teilen» war seinerzeit eine beliebte Umschreibung für die Italiener. Dann kam Marchionne und sanierte den Autobauer. Später verleibte er sich immer größere Teile von Chrysler ein. Im Januar in Detroit verkündete Marchionne schließlich überraschend: «Es braucht eine weitere Runde der Konsolidierung.» Man müsse ein Gegengewicht zu Volkswagen schaffen.

Marchionne wollte einst Opel schlucken, blitzte aber ab. Dann griff er sich Chrysler. Nun scheint der 59-Jährige den nächsten Kandidaten ins Visier genommen haben: den französischen Autokonzern PSA Peugeot Citroën, der in einer schweren Krise steckt und rote Zahlen schreibt. Italienische Medien hatten über eine möglicherweise bevorstehende Allianz zwischen PSA und Fiat berichtet, das Gerücht wurde allerdings weder von italienischer noch von französischer Seite bestätigt.

Interessante Fiat-Partner in Asien

«Wunsch und Wirklichkeit liegen da sehr weit auseinander», meint aber der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen mit Blick auf die Marchionne-Aussagen. Fiat und PSA passten überhaupt nicht zueinander. «Beide sind in fast gleichen Märkten mit ähnlichen Produkten.» In den wichtigen Wachstumsländern China, Indien oder Russland seien dagegen weder Fiat, Chrysler noch Peugeot oder Citroën vertreten. «Aus "eins und eins" wird hier noch nicht mal zwei.»

Auch Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch Gladbach zeigt sich skeptisch: «Fiat-Chrysler allein wird es kaum schaffen, sich zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für VW in Europa zu entwickeln. Hier fehlt es insbesondere an der Produktbreite und der technologischen Kompetenz.» Sein Rat: Fiat solle sich in Asien verstärken. «Suzuki oder Mitsubishi wären etwa interessante Partner.»

Klaffende Unterschiede zwischen VW und Fiat

Marchionne dürfte es aber schwer haben, seine hehren Pläne eines VW ebenbürtigen Konzerns umzusetzen: Im vergangenen Jahr kam seine Fiat-Chrysler Group auf einen Umsatz von 59,6 Milliarden Euro und verdiente unterm Strich annähernd 1,7 Milliarden Euro - der VW-Konzern, der seine Jahresbilanz im März vorlegt, erreichte bereits nach neun Monaten einen Umsatz von 116,3 Milliarden Euro und einen Gewinn von 13,6 Milliarden Euro. (dpa)

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