Autofarben: Es dominiert die Tristesse

Der Volvo XC60 T8 Twin Engine in der Polestar-Variante. © Volvo

Weiß, schwarz, grau. Nach wie vor dominieren bei Autofarben die unauffälligen Farben. Doch bei Kleinwagen sieht man auch buntere Farben.

Der Kleinwagen in Pink fällt sofort auf, die große, schwarz lackierte Limousine geht im dichten Verkehr unter. In Deutschland sind rund 75 Prozent der neuen Autos weiß, schwarz oder grau lackiert. Das zeigen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes. Warum sehen die Fahrzeuge nur so trist aus?


Paolo Tumminelli, Professor an der Köln International School of Design, macht zunächst auf den Unterschied zwischen einem Farbtrend und dem tatsächlichen Autobestand aufmerksam. «Nach wie vor verkaufen sich Schwarz- und Grautöne am besten. Doch auch Erd- und Sandtöne liegen als Metallic-Lacke voll im Trend», sagt Tumminelli.

Unter den unbunten Tönen war vor allem Weiß in den vergangenen zehn Jahren auf dem Vormarsch. Es ist hierzulande inzwischen die drittbeliebteste Autolackierung.

Früher war alles noch bunter

Aktuell sei ein greller Mittelblau-Ton – zwischen Azzurro Dino und Bugatti-Blau – beliebt, so Tumminelli. Der Lackton hänge jedoch auch von der Fahrzeugklasse ab. «Kleinere Fahrzeuge werden häufiger in bunten Lacken bestellt, bei größeren Fahrzeugen ist das eher die Ausnahme», stellt der Design-Professor fest.

Nicht immer haben zurückhaltende Farben auf den Straßen dominiert. Bis in die 1970er Jahre waren viele Autos farbig lackiert, in Orange oder Grün etwa. «Heute dominieren eher technische Farben wie Grau, Grün ist eher selten geworden», sagt Tumminelli.

Ferrari in knalligem Rot

Es gebe aber auch Autohersteller, die bewusst eine auffällige Farbe fördern, ergänzt er. Klar, Ferrari produziert seit Jahrzehnten sein knalliges Rot. Mazda präsentiert seine neuen Modelle seit ein paar Jahren in Magmarot. Mittlerweile bestellt ein Großteil der Kunden einen Mazda in dieser Farbe. Bei der Mercedes A-Klasse wählen die meisten Kunden unter den elf Farben hingegen Polarweiß, bei der S-Klasse dominiert Obsidianschwarz.

«Die Farbe eines Autos hat wenig mit der Selbstverwirklichung der Fahrer zu tun», sagt Tumminelli. Er glaubt: «Die meisten Besitzer wählen einen zurückhaltenden Lackton, um keinen Fehler zu begehen.» Manche Besitzer kaufen sich deshalb ein graues Auto und lassen es mit einer bunten Folie überziehen. «Gefällt den Besitzern die Farbe nicht mehr, können sie die Folie abziehen lassen», so Tumminelli.

Es kommen helle Metallic-Lacke

Bei Kleinwagen sieht man häufiger bunte Farben. Foto: Seat

In den nächsten Jahren sieht Tumminelli helle Metallic-Lacke auf den Autos im Kommen, eine Mischung zwischen Silber und Azzurro-Blau. «Die Farbe spiegelt den Trend zur Elektromobilität wider, weil es eine technische Farbe ist», sagt er. Dazu bleiben die Töne Grau und Schwarz weiter beliebt. Kein Wunder, dass sie bei den meisten Geschäfts- und Leasingfahrzeugen auf dem Blech haften.

Autokäufer, die etwas Besonderes ausdrücken möchten, wählen vielleicht buntere Töne. Doch die meisten Kunden kaufen weiter konservativ. «Das Auto bleibt eine ernsthafte Investition. Kunden orientieren sich am öffentlichen Bild: Was auf der Straße gesehen oder in der Werbung gepusht wird, wird auch gern gekauft», erklärt Professor Tumminelli. Mark Gutjahr, Chefdesigner beim Münsteraner Lackhersteller BASF Coatings, spürt die Autolacktöne der Zukunft auf. BASF zählt in Europa zu den Marktführern und beliefert fast alle Hersteller.

Jeder Autohersteller habe seine eigenen Farben, rund 700 unterschiedliche Farbtöne seien derzeit in Europa auf dem Markt, erklärt Gutjahr. Er sieht aktuell die Farben Blau und Grau im Trend. Unter den Farben, die in Europa angeboten werden, gebe es allein 135 verschiedene Blautöne. Das sei zuletzt stark gewachsen.

Blau gilt als sportlich

Blau sei deshalb beliebt, weil die Farbe als sportlich gilt und gleichzeitig als technisch. Manche Hersteller verknüpfen sie mit ihrem Markenimage. «BMW assoziiere ich mit Blau, da sitzt der Ton schon im Logo», sagt Gutjahr.

Grün sei dagegen eher eine selten bestellte Farbe, obwohl es viele Töne gebe. Modern sei nicht mehr ein aggressives Limonengrün, sondern eher ein eleganter Grünton wie Smaragdgrün, so Gutjahr. Grau existiere heute in viel mehr Schattierungen – von Unigrau bis Anthrazit. Die Vielfalt sei hier besonders groß, so der Designer.

Im März 2020 kommt der BMW M2 als CS-Version auf den Markt. Hier mit blauer Lackierung. Foto: BMW

Neben Blau und Grau sieht Mark Gutjahr auch Beige und Gold im Kommen. «Das kann sehr elegant aussehen, wenn der Ton zwischen Grau und Beige changiert», sagt er. Vor allem wärmere Farben werden seiner Meinung nach in den nächsten Jahren zunehmen. Er erklärt: «Das geht aus der gesellschaftlichen Situation hervor. Viele Menschen sehnen sich in einer als kälter empfundenen Welt nach einer wärmeren Ästhetik.»

Auch der Graubereich werde durch Rot- statt Grünstiche zukünftig wärmer sein. «Silber nimmt dagegen ab. Das steht für eine veraltete Technologie wie noch in den 2000er Jahren», sagt Gutjahr. «Das will keiner mehr haben.». Lag der Silberanteil bei Lacken vor 15 Jahren noch bei gut 30 Prozent, liegt er heute nur noch bei 10 Prozent.

An Gebrauchtwagenmarkt denken

Im Gegensatz zu anderen Experten rät Mark Gutjahr nicht zu gedeckten Farben, um für den Wagen einen möglichst hohen Wiederverkaufswert zu erzielen. «Mit einer speziellen Farbe habe ich ein besonderes Auto, das eher auf dem Gebrauchtwagenmarkt gesucht wird», begründet er.

Wenn möglich, sollte man den Farbton der Wahl mit eigenen Augen sehen: «Die Live-Erfahrung von Farbe ist wichtig, die kann man online noch nicht so gut einschätzen», rät Gutjahr. Aus seiner Sicht hat indes die Farbe des Autos nichts mit einer persönlichen Lieblingsfarbe zu tun. Sie muss zum Auto passen, stellt Gutjahr klar. «Eine Lieblingsfarbe kommt mehr im privaten Bereich zum Einsatz – bei der Einrichtung zum Beispiel.» (dpa)