Zwei Zylinder sind genug

Fiat Twin Air

Fiat 500 TwinAir © Fiat

Fiat setzt dem 500er einen Zweizylinder unter die Motorhaube. Der Kleinstwagen wird dadurch sparsamer, beim Ampelrennen gegen Vespa-Fahrer ist die Favoritenrolle nicht eindeutig geklärt.

Von Helmut Weinand

Das derzeit sehr populäre Downsizing treibt Fiat nun mit einem neuen Zweizylinder-Motor auf die Spitze. Der Twin Air ist ein modernes Aggregat, das mit zwei Töpfen auskommt. Bei einem Hubraum von 0,9 Litern leistet es 63 kW/85 PS. Der neue Turbo-Motor wird zunächst im Fiat 500 angeboten und soll nach Angaben aus Turin nur rund 3,6 Liter Benzin auf 100 Kilometern verbrauchen. Das entspricht 95 Gramm CO2 pro Kilometer. Zum Vergleich: Die bisherige Basisversion des Cinquecento mit einer Leistung von 51 kW/69 PS belastet die Umwelt pro Kilometer mit 119 Gramm CO2.

Weiterentwicklung von Multi Air

Beim Twin Air steht eine Spitzengeschwindigkeit von 173 km/h in den Papieren. Der Sprint von null auf 100 km/h soll in elf Sekunden erledigt sein. Das maximale Drehmoment wird mit 145 Nm bei 1900 U/min angegeben. Der Verkaufsstart erfolgt in allen europäischen Ländern Anfang September 2010. In Deutschland dürfte sich der Preis bei rund 13.200 Euro bewegen. 20 Prozent der künftigen Käufer des Fiat 500 werden sich nach Einschätzung der Italiener für den neuen Motor entscheiden.

Technisch brilliert der neue Zweizylinder durch eine Weiterentwicklung der von Fiat kreierten elektrohydraulischen Ventilsteuerung Multi Air, die bereits in größeren Motoren des Konzerns eingesetzt wird. Die Ventile der Einlassseite lassen sich dabei nahezu stufenlos zu jedem Zeitpunkt öffnen und schließen. Das sorgt für einen höchst effizienten Umgang mit dem Kraftstoff. In der Praxis reißt das Motörchen keine Bäume aus und gibt sich im unteren Drehzahlbereich ein wenig ruppig.

Kombi mit Elektro-Antrieb in Planung

Auch bei Ampelstarts lassen sich - das zeigen erste Fahreindrücke in Turin - Rennen mit einem ambitionierten Vespa-Fahrer kaum gewinnen. Mit Blick auf den Treibstoffverbrauch ist dies aber durchaus akzeptabel. Auf Landstraßen sind zwei Personen flott unterwegs und mit Weitblick gelingen auch Überholvorgänge gefahrlos.

Die Planungen von Fiat mit der Twin Air-Motoren-Familie stehen erst am Anfang. Eine Kombination mit einem Elektro-Antrieb wird gegenwärtig vorbereitet. Dies würde das Antriebsloch im unteren Bereich stopfen. Auch eine Erdgas-Version läuft bereits im Probebetrieb. Ferner hat Fiat die Absicht, den Zweizylinder in verschiedenen Leistungsstufen zwischen 48 kW/65 PS bis 77 kW/105 PS anzubieten und ihn auch in den Modellen Panda oder Punto Evo zu verbauen sowie die Konzerntöchter Alfa und Lancia damit zu versorgen. Auch firmenfremde Käufer würden bedient. Das Aggregat wird in Polen gefertigt. Die Jahresproduktion liegt bei 450.000 Einheiten. (mid)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.