Volvo XC40 Recharge: Problemlos zum Lago Maggiore

Elektro-SUV im Langstreckentest

Volvo XC40 Recharge: Problemlos zum Lago Maggiore
Mit dem Volvo XC40 Recharge in der Nähe von Tronzano. © Mertens

Wie schlägt sich der Volvo XC40 Recharge auf der Langstrecke? Kann man mit dem Elektro-SUV auch entspannt über 1000 Kilometer in den Urlaub fahren? Wir haben es getestet.

Die Zahl der Elektroautos auf den Straßen steigt und steigt. Allein im September wurden in Deutschland 33.655 reine E-Autos neu zugelassen, wie aus den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes hervorgeht. Das ist ein Zuwachs von fast 59 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Dank der Kaufprämie boomt die Elektromobilität.


Dennoch bestehen nach wie vor (etliche) Vorbehalte gegen diesen Antrieb: Einer der von Bedenkenträgern vorgebrachten Einwände ist die angeblich zu geringe Reichweite. Reicht sie wirklich nicht aus, um damit beruhigt in den Urlaub zu fahren? Es ist ein Vorbehalt gegen Elektroautos, den man neben dem hohen Preis und der nach wie vor nicht optimalen Ladeinfrastruktur immer wieder hört. Also ist ein E-Autos wirklich nur etwas für die Stadt und nicht für die Langstrecke?

Volvo XC40 mit 408 PS

Wir wollten es genauer wissen und sind mit einem Volvo XC40 Recharge von Berlin mit Zwischenstopp in Garmisch-Partenkirchen nach Tronzano am Lago Maggiore gefahren. Es ist eine Strecke von rund 1100 Kilometern. Klappt das problemlos? Ich gebe zu, dass das für mich eine rhetorische Frage ist. Schließlich habe ich längere Strecken mit dem E-Auto bereits in Deutschland zurückgelegt – und größere Probleme hatte ich dabei nie. Allerdings bin ich mit einem E-Auto noch nie ins Ausland gefahren. Aber Österreich, die Schweiz und Italien gelten bei der E-Mobilität ja nun auch nicht als unterentwickelt.

Zudem haben wir uns mit dem Elektro-SUV der Schweden einen Testwagen ausgesucht, der mit seiner 75 kWh (Nettokapazität) starken Batterie immerhin rein theoretisch bis zu 412 Kilometer fahren soll. So weist es zumindest der WLTP-Wert im Datenblatt aus. Und die Fahrleistungen unseres Modells haben es ohnehin in sich: Mit seinen zwei Elektromotoren kommt er auf eine Leistung von 408 PS und weist ein maximales Drehmoment von 660 Nm auf. Für ausreichend Fahrspaß ist damit also auch gesorgt.

Effizient trotz Dachbox?

Entspannt unterwegs mit dem XC40 in die Berge. Foto: Mertens

Gespannt war ich vielmehr darauf, auf welche Reichweite der Volvo in Praxis kommt – und natürlich darauf, ob das problemlos mit dem Laden klappt. Mit Blick auf den Verbrauch werden 23 bis 25 kWh auf 100 Kilometer angeben. Werden wir das auch schaffen? Oder wird der Volvo doch mehr verbrauchen? Schließlich waren wir nicht nur mit einer Dachbox, sondern auch mit insgesamt drei Personen und gut beladen unterwegs.

Sollten wir: So viel sei schon mal verraten: Nach der Rückkehr in Berlin zeigte der Bordcomputer nach rund 2341 Kilometern einen Verbrauch von 23,2 kWh an. Das ist auf den ersten Blick nicht wenig, doch relativiert sich das dann doch etwas angesichts der Dachbox und der Zuladung. Unter „Normalbedingungen“ kommt der Volvo mit einer Batterieladung also locker auf eine Reichweite von 323 Kilometer.

Wie, nur 323 Kilometer mag der ein oder andere einwenden. Mehr nicht? Nein, mehr nicht. Doch die Leistung von 408 PS und ein Gewicht von fast 2,2 Tonnen dieses Elektro-SUVs machen diesen Volvo nun einmal nicht zu einem Effizienzwunder. Dafür sorgt der XC40, den Volvo neuerdings auch nur mit Frontantrieb anbietet, für ein entspanntes und vor allem entschleunigtes Reisen. Selten zuvor haben wir eine Urlaubsfahrt über eine solche Distanz derart entspannt hinter uns gebracht. Zum einen lag das an der Laufruhe des XC40, zum anderen an den gut funktionierenden Fahrassistenzsystemen. So hatten wir über fast die Hälfte der Strecke auf dem Hinweg den aktiven Geschwindigkeitsassistenten aktiviert, der die Geschwindigkeit und den Abstand zum Vordermann automatisch hält.

Navi zeigt Ladestationen zuverlässig an

Erster Ladestopp bei einer GoFast-Schnellladesäule in Oberried. Foto: Mertens

Wer meint, dass unsere Fahrt nach Italien besonders geplant wurde, irrt. Mit Blick auf die anzufahrenden Ladestationen haben wir uns auf das androidbasierte Navigationssystem verlassen. Es zeigt einem die auf der Strecke die befindlichen Ladestationen an. Ist das Navigationsziel einprogrammiert, zeigt das Navi einem zugleich an, wieviel Prozent die Batterie beim Erreichen des Ladestopps aufweist. Die Restreichweite wird indes nicht angezeigt, dies geschieht erst dann, wenn man eine Restreichweite von 50 Kilometer unterschritten hat. Ein Software-Update soll hier aber Abhilfe schaffen im C40 wird einem auch von Anfang an die Restreichweite angezeigt.

Und, wie klappte es mit dem Laden? Auf dem Hinweg zum Zwischenstopp in Garmisch -Partenkirchen starten wir in Berlin mit einer zu 100 Prozent aufgeladenen Batterie. Bis dahin legten wir insgesamt drei Ladestopps an den Ionity-Stationen in Bad Dürrenberg (SOC/State of Charge 42 Prozent), Himmelkron (34 Prozent) und der Allego-Station in Schweitenkirchen (29 Prozent) ein. Das Laden an allen HPC-Stationen lief dabei mit dem Ladechip von NewMotion unproblematisch – überall wurde er als Zahlungsmittel akzeptiert.

Früher geladen als nötig

Mit seinem knalligen Rot fällt der XC40 Recharge auf. Foto: Mertens

Und mit welcher Leistung konnte geladen werden? Maximal stellt der XC40 eine Ladeleistung von 150 kW bereit. Die lag indes immer nur ein paar Minuten an. Aber selbst bei einem erreichten Ladestand von 74 Prozent lagen im Schnitt noch 68 kW an. Allerdings raten Experten auch dazu, die Ladestation mit möglichst einem SOC von 10 Prozent anzufahren, dann bringt man die besten Voraussetzungen für den Ladeprozess mit.
Überraschung dann am Bio-Hotel in Garmisch: es verfügte über zwei Ladepunkte, sodass wir über Nacht die Batterie wieder auf 100 Prozent aufladen konnten und uns auf auf dem Weg nach Tronzano machten: eine Strecke von 360 Kilometer. Auf dem Weg dorthin legten wir noch Ladestopps in Landi/Graubünden und Bellinzona ein, sodass wir mit einem Ladestand von 28 Prozent in Tronzano ankamen. Auf dem Rückweg haben wir insgesamt vier Ladestopps bei GoFast, Ionity (2x) und Fastned ein.

Dass die E-Mobilität auch auf der Langstrecke funktioniert, hat die Fahrt nach Italien gezeigt, Und sie kann zudem viel Spaß machen und ausgesprochen komfortabel sein, wenn man wie wir mit einem Volvo XC40 unterwegs war. Doch leider ist der Schwede kein günstiges Auto. Für unseren Testwagen werden in Topausstattung 67.200 Euro aufgerufen. Soviel Auto muss man sich erst einmal leisten können.

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