VW Caddy: Ein Kastenwagen gibt sich edel

Der VW Caddy baut auf dem Modularer Querbau-Kasten des Konzerns auf. © VW

Der VW Caddy basiert nun auch auf dem Modularen Querbau-Kasten des Konzerns. Das tut dem Modell ausgesprochen gut, wie unser Test zeigt.

Ganz ehrlich, mit so einem neuen Caddy hatte wohl niemand gerechnet. Die bisherigen Familien-Kombis oder Lieferwagen waren zwar stets überaus praktisch, galten aber gleichzeitig als seelenlose Langweiler.


Stets fleißige Helfer auf dem Golf-Platz, die immer bereitstanden, auch Schweres zu schleppen, sich dabei aber unauffällig im Hintergrund hielten.

Bislang nur vorsichtige Facelifts

„Caddys“ eben, der Name aus dem Sport wurde seit 1978 zum Programm. Jetzt haben sich Ingenieure und Designer das kleinste Modell der Nutzfahrzeug-Abteilung von VW ernsthaft vorgeknöpft. Die erste echte Caddy-Premiere seit 17 Jahren, denn die Neuerungen seitdem waren eher Facelifts, vorsichtige Retuschen oder optische und technische Updates.
Dem „MQB“ sei Dank. Der Unterbau mit Namen „Modularer Querbau-Kasten“, der zahlreiche Modelle des VW-Konzerns trägt, ist endlich auch im Caddy angekommen. Die Bauweise macht ihn zu einem völlig neuen Auto, bei dem die Freiheiten innen und außen voll ausgekostet werden.

Der VW Caddy verfügt über ein modernes Cockpit. Foto: VW

Natürlich hat auch der Neue die beliebten hinteren Schiebetüren mit rahmenlosen Seitenfenstern. Das Sahnestück aber ist das Hinterteil mit seinem großen Fenster, in den das VW-Logo scheinbar freischwebend eingebettet ist. Es ist von den neuen Rückleuchten umrahmt, deren futuristische Gestaltung fast edel daherkommt.

Neugierde auf den Innenraum

Schon das frische Erscheinungsbild weckt also Neugierde aufs Einsteigen und Losfahren. Von einem sachlichen Nutzfahrzeug ist die private Variante des Caddy auch im Innenraum so weit wie nie entfernt. Vertrautes Bild aus dem Golf 8 dank Digital-Cockpit, zentralem Monitor, dessen Bedienung manche bisherigen Tasten und Schalter überflüssig macht sowie eine zentrale Fläche links vom Lenkrad für Licht und Scheibenheizung.

Weiterhin beeindruckend ist das Raumgefühl, obwohl der Caddy 2,5 Zentimeter flacher geraten ist. Was aber nicht weiter auffällt. Immer noch ist viel Platz überm Haupthaar. Wichtiger ist der Blick über die Schulter auf die Rücksitze. Dank Längenzuwachs von neun Zentimeter auf nunmehr 4.50 Meter genießen die Hinterbänkler üppige Beinfreiheit, da allein der Abstand zwischen den Achsen um sieben Zentimeter gestreckt wurde,

Zwei Diesel zum Start

In unserem Test-Caddy werkelt die stärkere der beiden Dieselvarianten, mit denen der Neuling zunächst an den Start geht. 122 PS mit modernster Abgastechnik, die per Druck auf den Startknopf erweckt werden. Kaum Dieselrasseln gelangt ans Ohr, die Dämmung scheint gelungen. Schon nach den ersten Metern fällt die neue Lenkung auf.
Viel direkter als beim Vorgänger, ohne wilde Kurbelei auch um enge Ecken, leichtgängig und dennoch mit fühlbarem Kontakt zur Straße. Waren früher von Anschlag zu Anschlag drei volle Umdrehungen des Lenkrads nötig, kommt der neue Caddy mit einer halben weniger aus. Kleine Ursache, große Wirkung.

Angenehm wie in einem normalen Pkw ist auch die unauffällige Art, wie der Hochdach-VW Unebenheiten wegbügelt. Dabei ist er nach wie vor mit einer starren Achse unterwegs, die nun mal bei schweren Lasten nötig ist. Er dämpft aber jetzt anstatt mit robusten Blattfedern mit der zivileren Variante in Schraubenform, die Hinterachse übernahm zudem Elemente aus dem Golf.

Nicht gemacht für den Kurven-Twist

Der VW Caddy wird in zwei Längen angeboten. Foto: VW

Natürlich ist der Caddy vor allem wegen seiner Höhe kein Sportler, der den Kurven-Twist liebt. Wegen der wertvollen Nachwuchs-Fracht auf den Rücksitzen wird Papa wohl kaum den Hamilton in sich entdecken. Sollte es trotzdem mal für die nächste Biegung zu flott werden, greifen die zahlreiche Assistenten schnell ein. Im Datenblatt sind 19 verschiedene Systeme aufgezählt. Serienmäßig davon sind die Assistenten fürs Abbiegen, Spurhalten oder die Notbremsung.

Ob im Stadtgewühl, der Fahrt ins Grüne über Landstraßen oder auf Autobahn-Langstrecke: Der Caddy des dritten Jahrzehnts des aktuellen Jahrhunderts wird wohl als angenehmes Reiseauto ebenso genutzt wie als Umzugshelfer oder Transporteur von allerlei Sportgerät. Stellt man fünf der möglichen sieben Sitze auf „Flach“ passen bis zu 2.556 Liter in den Raum hinter den Vordersitzen. Bald erscheint aber auch die Maxi-Version mit einem nochmals längeren Radstand und dem äußeren Gardemaß von 4,85 Metern.

Sie hat auch breitere Schiebetüren, durch die sogar eine weitere Europalette passt. Unterm Strich setzt der neue Caddy wohl neue Maßstäbe in einer Klasse, die trotz des SUV-Boom nach wie vor gefragt ist. Nützlich war er schon vorher, musste aber optisch den durchaus stylischen Rivalen von Citroen oder Renault den Vortritt lassen. Jetzt setzt er zum Überholen an. (SP-X)

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