VW Arteon: Unbekannte Lässigkeit

Eleganter Nachfolger von Phaeton und CC

Der VW Arteon. Foto: AG/Flehmer
Der Arteon ist das neue Flaggschiff von VW. © AG/Flehmer

Seit knapp einem Jahr befindet sich der VW Arteon auf den Straßen. Der Nachfolger von Phaeton und CC hätte es verdient gehabt, in den letzten Monaten mehr Beachtung zu erhalten.

Die Zahl der Beobachter war groß. Immer wieder schlichen Passanten um das abgestellte Auto herum und nickten anerkennend, auch wenn sie das Modell nicht kannten. Auch wenn Geschmack nicht einheitlich ist, heimste der Arteon viel Lob ein – zu Recht.


Denn der seit knapp einem Jahr in den Markt eingeführte Nachfolger von Phaeton und CC vereint die Vorzüge der oberen Mittelklasse sowie der Oberklasse. Dabei wirkt die Limousine mit ihrer abfallenden Coupé-Linie keineswegs so dominant wie das einstige Lieblingsprojekt von Ferdinand Piech, dafür aber sehr viel spritziger.

Eleganz innen wie außen

Elegant ist der richtige Ausdruck, den der Arteon vermittelt. Eine lange Motorhaube, die auch noch die Frontscheinwerfer sowie die bereits angesprochene abfallende Linie hinter der B-Säule kombiniert mit einem formschönen Heck bietet Noblesse auf 4,86 Metern.

Diese Eleganz setzt sich im Innenraum fort. Ledersitze, das virtuelle Cockpit sowie eine übersichtliche Instrumentengestaltung sorgen dafür, dass sich die Insassen sowohl heimisch finden. Da muss gar nicht der Champagner im Kühlfach liegen: Der Arteon empfängt Fahrer und Beifahrer mit einer gehobenen Ausstattung, die eher lässig als gediegen wirkt.

Lässiges Fahrverhalten im VW Arteon

Das Cockpit des VW Arteon. Foto: AG/Flehmer
Im Cockpit findet sich der Fahrer traditionell gut zurecht. Foto: AG/Flehmer

Dass der Komfort besonders in der Ausstattungsvarianten R-Line natürlich trotzdem vorhanden ist, muss nicht extra erwähnt werden. Der Arteon greift bei den diversen  Modularen Baukästen des Konzerns kräftig zu. Diverse Fahrsicherheitsassistenten, eine blitzscharfe Rückfahrkamera sowie eine gut funktionierender Einparkassistent bewahren die mitfahrenden Personen ebenso vor Schäden wie auch die edle Karosserie. Das virtuelle Cockpit sowie das Headup-Display und die Möglichkeiten der Konnektivität wirken eher jung als gesetzt.

Diese Lässigkeit setzt sich beim Fahrverhalten fort. Sicher, der zwei Liter große Biturbo-Selbstzünder verfügt noch über ein spürbares Turboloch. Doch anschließend lässt der …-Tonner es krachen. Die 176 kW/240 PS sowie die ab 1750 Umdrehungen anliegenden 500 Newtonmeter befördern die Limo innerhalb von 6,5 Sekunden auf Tempo 100. Mit Winterreifen sollte der Fahrer bei 240 km/h den Gasfuß nicht mehr strapazieren, es springen mit Sommerbereifung eh nur noch weitere fünf Stundenkilometer heraus.

Ständige Verlockung des Gaspedals

Das Heck des VW Arteon. Foto: AG/Flehmer
Der VW Arteon bietet einen lässigen Fahrspaß. Foto: AG/Flehmer

Die Fahrt selbst kann genossen werden. Das Siebengang-DSG schaltet schnell hoch und runter und fördert das lässige Pilotieren des neuen Flaggschiffs aus Wolfsburg. Im Innenraum wird die Geschwindigkeit nicht so wahrgenommen wie sie der Geschwindigkeitsmesser anzeigt. Mit einem erhabenen Gefühl passiert man die anderen Verkehrsteilnehmer auf der linken Spur ohne dabei ein Gefühl von jeglicher Arroganz aufkommen lassen zu müssen. Der Arteon setzt auf vornehme Zurückhaltung.

Die Passagiere können diese Zurückhaltung auf 2,84 Metern Radstand genießen. Das Gepäck findet dabei auf 563 Litern sehr viel Raum und meidet somit die hinteren Sitze. Zurück hält sich der Arteon auch bei dem Durst. Der Selbstzünder benötigt im urbanen Umfeld rund sieben Liter, auf der Autobahn sollte sich jeder Autofahrer selbst hinterfragen, wie weit er den rechten Fuß herunterdrückt und somit die Reichweite bis zur nächsten Tanke schmälert. Aber auch das entbehrt nicht einer gewissen Lässigkeit: Man kann, muss aber nicht. Aber man wird ständig gelockt.

Anders sieht es beim Preis aus. Man muss das Objekt der Begierde haben, kann es sich aber nicht leisten. Denn die Basis mit 150 PS startet bereits bei 39.675 Euro. In der gut ausgestatteten R-Line und den lieb gewonnenen 240 PS mit dem DSG und Allrad sind es dann schon 52.175 Euro. Auch das ein Indiz, warum nicht viele den Arteon kennen, aber anerkennend am Straßenrand bewundern.

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam noch das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit Beginn 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.

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