Vorstoß in die erste Reihe

Jaguar XF © Foto: Jaguar

Größer war der Designsprung nur beim aktuellen Siebener BMW. Jaguar schneidet alte Zöpfe ab und will mit dem neuen XF in der ersten Reihe der Oberklasselimousinen mitspielen.

Von Stefan Grundhoff

Der beliebte S-Type mit seinem Retro-Charme, eine Reminiszenz an den MK - das war gestern. Ungeachtet des zähen Eigentümerwechsels von Ford auf Tata will Jaguar mit Nachdruck in eine moderne Zukunft. Vom Erfolg des Sportwagens XK beflügelt, präsentiert sich auch der neue XF als Nachfolger des S-Type sportlicher und geradliniger denn je. Sein Design als Mischung aus Jaguar, Lexus und Aston Martin trifft dabei den Zahn der Zeit. Denn viertürige Coupés liegen seit Mercedes CLS, Maserati Quattroporte und in Erwartung von VW Passat CC, Porsche Panamera oder Fisker Karma im Trend.

Ähnlichkeiten kein Zufall

Die Designähnlichkeiten zwischen XK und XF sind kein Zufall. Die Seitenlinie, die Ansicht von schräg hinten, die gleiche Neigung von Front- und Heckscheibe: Technisch basiert der viertürige XF auf der gleichen Plattform wie das britische Lässig-Coupé aus der Feder von Designchef Ian Callum, das vor zwei Jahren seine Weltpremiere feierte. Mit einer Länge von 4,96 Metern gehört man zu den längsten in der von BMW 5er, Mercedes E-Klasse und Audi A6 dominierten Oberklasse.

Das Cockpit des Jaguar XF ist klar strukturiert Foto: Jaguar

Wer an diese Konkurrenten denkt, dem soll besonders auf den Volumenmärkten in den USA, Großbritannien und Deutschland zukünftig auch der Jaguar XF in den Sinn kommen. Dabei reicht es den Briten mit indischem Adoptionsprozess nicht aus, durch sportliche Eleganz zu bestechen und als zweiten Hersteller nach Mercedes mit dem CLS die Coupé-Idee in die Klasse der viertürigen Oberklasse-Limousinen zu bringen.

Gute Fahrdynamik

Die Seitenansicht der Jaguar XF Foto: Jaguar

Besonders in Sachen Fahrdynamik will man mit dem neuen XF überzeugen. Das ist dem Entwicklungsteam rund um Mike Mohan gelungen. Selbst mit den optionalen 19- und 20-Zoll großen Radsätzen gibt der 1,8 Tonnen schwere Brite ein souveränes, komfortables und gleichermaßen fahrdynamisch überzeugendes Bild ab. Das adaptive Dämpfersystem CATS bleibt jedoch dem 416 PS starken Kompressormodelle SV8 vorbehalten. Wer die Sportlichkeit sucht und vor einem stattlichen Benzindurst nicht zurückschreckt, sollte sich für den prächtigen XF 4.2 V8 entscheiden. 298 PS stark und perfekt mit der Sechsgang-Automatik kombiniert, bietet er als 19-Zoll-Version die beste Symbiose aus komfortabel und sportlich, Cruiser und Kurvenjäger, Limousine und Coupé.

Im Gegensatz zu weiten Teilen derr Konkurrenz wird der XF nur mit einem serienmäßigen Sechsgang-Automatikgetriebe angeboten, dass sich gerade mit dem V8-Benziner prächtig verträgt. Die leichtgängige Lenkung ist präzise, könnte bei flotter Gangart jedoch etwas mehr Rückmeldung von der Fahrbahn geben.

Der Kofferraum des Jaguar XF Foto: Jaguar

Die meisten Kunden werden sich für den XF 2.7d entscheiden, der sich exzellent gedämpft den besten Kompromiss darstellt, gerade wenn man auch den Kraftstoffverbrauch im Sinn hat. „Wir rechnen in Deutschland mit einem Dieselanteil von knapp über 70 Prozent“, erklärt Jaguar-Deutschland-Geschäftsführer Jeffrey L. Scott. 152 kW / 207 PS stark und mit 435 Nm Drehmoment für Anstiege und Überholvorgänge gleichermaßen souverän gerüstet verspricht Jaguar bei seinem Doppelturbo einen Verbrauch von sparsamen 7,5 Litern Diesel auf 100 Kilometern. Doch die Fahrleistungen von 0 auf 100 km/h in 8,2 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 230 km/h sollten als einzige Selbstzündervariante im PS-starken Wettbewerbsumfeld nicht alle Kunden zufrieden stellen. Der sanft säuselnde Sechszylinder dürfte daher im nächsten Jahr eine Leistungsspritze mit entsprechender Hubraumerweiterung bekommen. Auf neue Hightech-Triebwerke mit Direkteinspritzung und Turbo-Benziner werden sich die Jaguar-Fans noch einige Zeit gedulden müssen.

Großzügiges Platzangebot

Die Instrumente im Jaguar XF Foto: Jaguar

Das Platzangebot im Jaguar XF ist schon wegen des langen Radstandes von 2,91 Metern großzügig. Vorne könnte der Hecktriebler etwas mehr Schulter- und Kniebreite vertragen. Auch hier spürt man die Coupé-Gene. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Jaguar S-Type gibt es nun auch in der zweiten Reihe viel Freiraum für die Insassen. Trotz coupéartiger Dachlinie müssen sich auch Personen bis 1,85 Metern keine Sorgen um die Fönfrisur machen. Geradezu opulent präsentiert sich der Kofferraum, der mit 540 bis 960 Litern Stauraum mehr Platz als jeder andere Jaguar bietet.

Beim Innenraum ist Jaguar seit Einführung des neuen XK auf einem guten Weg. Der neue XF ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Beim Starten des Motors fährt lautlos ein glänzender Controller aus dem Mitteltunnel, über den die einzelnen Fahrstufen angewählt werden können. Der Rest geschieht über die Lenkradpaddel oder ganz automatisch. Große Teile der Bedienung laufen über den Touchscreen, dessen Arbeitsprozesse nicht selten einige Zeit in Anspruch nehmen. Bei den zusätzlichen Bedieneinheiten für Klimatisierung, Fahrhilfen oder den Lenkstockhebeln würde man sich von einer Limousine der 50.000- bis 80.000-Euro-Klasse jedoch mehr Wertigkeit wünschen.

Der Ford-Schlendrian scheint bei Blinkerhebeln und Klimarädchen noch nicht ganz ausgetrieben. Anders als das barocke Interieur des S-Type zeigt sich der XF davon abgesehen jedoch sehenswerter und zeitgemäßer denn je. Die bläuliche Illumination der Instrumente dürfte jedoch nicht jedermanns Geschmack treffen.

Startpreis 49.370 Euro

Die elegante Front des Jaguar XF Foto: Jaguar

Der Basispreis für den solide ausgestatteten Jaguar XF 2.7d Luxury liegt bei 49.370 Euro. Deutlich interessanter dürften für die meisten Interessenten die kompletten Premium-Luxury-Ausstattungsvariante sein. Der Einstiegsdiesel kostet hiermit ebenso 54.380 Euro wie der wenig Marktrelevante 3.0 V6. Die kraftvollen Achtzylinder starten bei 62.180 (V8) sowie stattlichen 80.820 Euro (SV8). In der Liste der Serienausstattungen findet man Ausstattungsliste wie elektrische Ledersitze, 17-Zoll-Alufelgen, elektronische Parkbremse, Tempomat, Bluetooth-Schnittstelle und Edelholz. Optional gibt es Abstands-Tempomat, Überholassistent und eine Sprachsteuerung für Navigation und Autotelefon. Die generell obligatorischen Nebelscheinwerfer sind jedoch nicht einmal gegen Aufpreis zu bekommen. An ihrer Stelle ziert die Frontschürze zwei Chromspangen.