Volvo XC60: Mit den Genen von Polestar

Der Volvo XC60 T8 Twin Engine in der Polestar-Variante. © Volvo

Der Volvo XC60 ist der Bestseller der Schweden. Nun gibt es das SUV nicht nur mit Plug-in-Hybrid, sondern auch als sportliche Polestar-Variante.

Wer im Auto-Olymp etwas auf sich hält, leistet sich eine eigene Abteilung, die gegen oft saftige Mehrkosten die Sportflagge hochhält. Ob AMG bei Mercedes, die „M“-Modelle von BMW, „RS“ bei Audi oder eben auch Volvo mit seinem „Polarstern“ – allesamt haben sie mehr Muckies unter der Haube als die normalen Serienmodelle, glänzen mit sportlichen Accessoires und technischen Feinheiten und sollen mit ihrem besonderen Flair die ganze Modellreihe aufwerten.


Da gibt es zum einen natürlich die offiziellen Produkte der Sportabteilungen wie zum Beispiel den berühmten BMW M3 oder im Falle der Schweden den demnächst erscheinenden Polestar 1.

Polestar als Verkaufsförderer

Das Cockpit des Volvo XC60 Polestar Engineered. Foto: Volvo

Doch immer mehr entdeckten die Chefverkäufer, dass die bei den Fans magischen Kürzel der motorischen Leistungsträger auch für die Großserie genutzt werden können, von der sie letztlich abstammen. Eine umgekehrte Genspende sozusagen. Beispiele auch hier die AMG-Line für die Normalmodelle von Mercedes. Mit der Veredelung der beiden technisch nahezu identischen Mittelklasse-Modelle XC 60 und dem Kombi V60 folgt Polestar diesem Weg.

Als meistverkaufter Volvo steht das SUV XC 60 natürlich im Focus. „Polestar Engineered“ ist jetzt Teil seiner Bezeichnung, was für „entwickelt von Polestar“ steht. Deren Fachleute haben sich die spannendste Serienversion des Bestsellers für ihre Feinarbeit auserkoren. Der Hochbeiner mit den zwei Herzen kombiniert einen Zweiter-Vierzylinder-Benziner mit 303 PS mit einem 87 PS starken Elektromotor. Der Clou dabei ist, dass der Stromer für die Hinterachse zuständig ist. Eine ausgeklügelte Elektronik übernimmt das Zusammenspiel mit dem über der Vorderachse montierten Benziner. So entsteht gleichsam nebenbei ein SUV mit Allradantrieb.

Unterwegs mit 405 PS

Polestar lässt den 87-PS-E-Motor unangetastet, bringt den Traditionalisten alter Schule aber auf 318 PS. Die Gesamtleistung von 405 PS übertrifft damit das Basismodell um 15 PS. Klingt nicht berauschend, wenn der Mehrpreis von 9900 Euro als Maßstab gilt, ist aber für die Fans des schweren rechten Fußes spürbar. Beim Spurt auf Tempo 100 trennt gerade mal eine Zehntelsekunde die Brüder (5,3 zu 5,2 sec), den Unterschied macht die Geschmeidigkeit der Durchzugskraft, 30 Newtonmeter mehr auf 430 Nm wirken sich bei der ersten Ausfahrt auf deutschen Autobahnen und den wenig befahrenen Landstraßen im Saarland dann aber doch aus.

Der Schwede hängt unverdrossen am Gas, leistet sich dank Turbo plus Kompressor keine Durchhänger und reizt vor allem auf der linken Spur die kombinierte Kraft seiner beiden Motoren voll aus, wenn der entsprechende Modus mit dem silbernen Drehrädchen in der Mittelkonsole gewählt wurde.

Wie beim Normalmodell sind 230 km/h drin, wenn der Polarstern-Entdecker der alten Schule das Pedal bis zum Bodenblech durchtritt. Wer dieses Volvo-Gefühl aber erleben möchte, muss sich sputen. Denn ab Ende April nächsten Jahres greift auch beim neuen Topmodell die freiwillige Volvo-Tempobremse. Alle Neuwagen, die ab diesem Zeitpunkt eine Fabrik verlassen, werden bei 180 km/h eingebremst. Ob das diejenigen Fans erfreuen wird, die viel Extrageld für ihr Sportmodell ausgeben wollen, ist durchaus fraglich.

Goldene Bremssättel inklusive

Das Heck des XC60. Foto: Volvo

Denn der teuerste XC 60 ist äußerlich eigentlich nur an den goldenen Bremssätteln erkennbar, vielleicht auch am kleinen Polestar-Logo. Entwickler Eric Olsson verweist auf die inneren Werte, die um 10 Prozent härtere Abstimmung der speziellen Dämpfer, die auch per Hand vom Nutzer im Motorraum eingestellt werden kann. Dazu die Nachjustierung der Lenkung, die serienmäßigen Akebono-Bremsen und nicht zuletzt die in goldenem Stoff gehaltenen Gurte. Ansonsten bleibt der Innenraum zum normalen Plug-In-Hybriden unverändert.

Der happige Aufpreis erklärt sich vor allem dadurch, dass manche feine Details wie 21-Zoll-Räder, das aufwändige Infotainment-System oder das Panorama-Glasschiebedach bei der Polestar-Version schon in Serie mit drin sind. Hinzu kommen noch die programmierbare Standheizung, die großen Schaltwippen hinterm Sportlenkrad und manches mehr. Allen Doppelherz-XC 60 ist gemein, dass sie bis zu 46 Kilometer rein elektrisch unterwegs sein können, bevor sie wieder an die Steckdose müssen. Dank aktueller Norm glänzen sie also mit extrem niedrigem Gesamtverbrauch (2,6 l/100 Kilometer). Allerdings nur, wenn das Fahrer seinen sanften Tag hat. (SP-X)