Volvo XC40 Recharge P8: Souveräner Einstand

Volvo XC40 Recharge P8: Souveräner Einstand
Der Volvo XC40 Recharge P8 AWD wird unter 60.000 Euro kosten. © Volvo

Es hat gedauert. Doch nun kommt auch Volvo mit seinem ersten Elektrofahrzeug auf den Markt: der XC40 Recharge P8 hinterlässt bei den Tests einen starken Eindruck.

Es war 2017. Damals hatte Volvo zur Pressekonferenz geladen, um den Weg des Autobauers in die nachhaltige Mobilität zu verkünden. Wer sich zurückerinnert, der konnte damals den Eindruck gewinnen, dass sich Volvo quasi über Nacht zu einer reinen Elektro-Marke wandelt.


Doch so schnell ging es dann doch nicht. Erst in diesen Tagen bringen die Schweden mit dem XC40 Recharge P8 AWD ihr erstes Elektroauto auf den Markt. Das ist spät. Hat man den Weg in die E-Mobilität verschlafen? Davon mag Thomas Bauch nichts hören, er ist Deutschland-Chef der Marke. Er verweist darauf, dass Volvo seine Modelle nach und nach mit Plug-in-Hybriden elektrifiziert und sich damit fit gemacht habe für den Weg zum rein batterieelektrischen Fahrzeug. Zudem hatte Volvo vor zehn Jahren mit dem C30 Electric schon einmal einen Stromer in geringer Stückzahl im Angebot – und 2017 hatte man nichts anderes gesagt, als dass man jedes neue Modell auch elektrifiziert anbieten werde.

32 Prozent des Absatz sind PHEVs

„Mit den Plug-in-Hybriden haben wir die infrastrukturellen Vorbereitungen für den Weg zu reinen E-Autos geschaffen“, erklärt Bauch. Und diese Vorbereitungen seien noch längst nicht beendet. Mit Blick auf den Marktstart des XC40 Recharge und den Anteil der Plug-in-Hybride am Absatz habe man wirklich nichts verschlafen. Vielmehr sieht Bauch Volvo bei der Elektrifizierung in der Pole Position. „Bereits heute entfällt ein Drittel unseres Absatzes in Europa auf elektrifizierte Modelle.“ So kommen Plug-in-Hybride bei Volvo auf einen Anteil von 32 Prozent an den Zulassungen. Mit Blick auf den Auftragsbestand, so verrät Bauch, liegt der Anteil sogar bei 50 Prozent. Im Vorjahr kam Volvo in Deutschland auf 47.194 Neuzulassungen.

Im Volvo XC40 Recharge kommt ein Android-System zum Einsatz. Foto: Volvo

Dass es sich bei den Plug-in-Hybriden um eine Mogelpackung handelt, diese Kritik mag Bauch nicht teilen. „Für mich ist es eine ausgesprochen sinnvolle Technologie. Dass die Zukunft vollelektrisch ist, daran besteht kein Zweifel. Doch man muss auch den Verbraucher davon überzeugen und bei ihm Vertrauen schaffen. „Und das gelingt mit einem Plug-in-Hybriden, der das Beste zweier Welten bietet und damit ohne Frage einen Kompromiss darstellt“. Doch für den Einstieg in die E-Mobilität, so ist Bauch überzeugt. ist er eine gute Lösung.

Ein Drittel der Strecken werden elektrisch gefahren

So verweist der Deutschlandchef darauf, dass die Fahrer eines Plug-in-Hybriden von Volvo in Deutschland 30 Prozent aller Strecken elektrisch zurückgelegt haben. „Unsere Kunden lassen das Kabel also nicht nur im Kofferraum liegen.“ In Großbritannien und Skandinavien habe dieser Wert sogar über 50 Prozent gelegen. Vor diesem Hintergrund hält Bauch nichts von den Überlegungen die Kaufprämie an die elektrische Fahrleistung zu knüpfen. „Der Verbraucher muss überzeugt davon sein, elektrisch zu fahren. Über Regularien schaffe ich keine Überzeugung.“ Dass bereits jetzt ein Drittel aller Strecken in einem Volvo elektrisch zurückgelegt wurden, bezeichnet Bauch als „einen großen Erfolg“.

Mit Blick auf den XC40 Recharge erübrigt sich eine solche Berechnung. Das Elektro-SUV fährt nur elektrisch. Im Idealfall sorgt die 78 kWh starke Batterie für eine Reichweite von bis zu 418 Kilometer. Im Stadtbetrieb, wo der XC40 Recharge viel rekuperieren kann, sollen es sogar bis zu 539 Kilometer sein. Hört sich nicht nur gut an, sondern fühlt sich noch besser an. Dafür sorgen im kompakten E-SUV der Schweden die zwei Elektromotoren. Sie kommen zusammen auf eine Leistung von 408 PS und ein maximales Drehmoment von 660 Nm.

In 4,9 Sekunden auf Tempo 100

Was bereits auf dem Papier vielversprechend ausschaut, erfreut den Fahrer in der Praxis. Es vergehen gerade einmal 4,9 Sekunden, um das 2,2 Tonnen schwere SUV auf Tempo 100 zu beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h. Die Kraftentfaltung der zwei E-Motoren erfolgt so vehement, dass die Insassen merklich in die Sitze gedrückt werden. Dank des Allradantriebs hat der XC40 Recharge keine Probleme, seine Kraft auf die Straße zu bekommen. Man merkt, dass Volvo die Wartezeit genutzt hat, um ein ausgereiftes Modell zu präsentieren. Zudem hat man seinen Stromer auch mit einer Ladeleistung von 150 kW ausgestattet. So vergehen gerade einmal 40 Minuten, um die leere Batterie wieder auf 80 Prozent zu laden.

Das Design und der E-Antrieb des XC40 überzeugen ebenso, wie der qualitativ hochwertige Innenraum mit seinem Android-Infotainmentsystem. Endlich sind die Zeiten vorbei, wo man umständlich in seinem Volvo das Navigationsziel eingeben musste und erst nach wiederholten Anläufen über die Sprachbedienung die gewünschte Aktion ausgeführt bekam. Mit dem neuen Android-System ist Volvo in der Neuzeit angekommen.

XC40 Recharge auch im Auto-Abo

Der Volvo XC40 Recharge P8 AWD fährt mehr als 400 Kilometer elektrisch. Foto: Volvo

Dass trifft auch auf den XC40 zu. Für sein Debüt in der E-Mobilität hat Volvo sich wie andere Hersteller das SUV-Segment ausgesucht. Das mag man kritisieren, angesichts der Absatzsituation ist das aber verständlich. Denn kein Segment boomt derzeit so stark wie das der SUVs. Zwar ist nach wie vor der Volvo XC60 mit 14.563 Einheiten der Bestseller in Deutschland, doch kurz danach folgt bereits der XC40 (12.423). Entsprechend zuversichtlich zeigt sich Bauch auch mit Blick auf den Absatz des XC40 Recharge. „Ich erwarte einen Anteil von zehn bis 15 Prozent des E-Modells innerhalb der Baureihe.“

Um das Auto auch bei denen zum Erfolg zu verhelfen, die an der E-Mobilität zweifeln, haben die Schweden auch gleich mit dem Marktstart die Ökobilanz des XC40 Recharge präsentiert. Klar, der XC40 fährt nach seiner Produktion zunächst mit einem CO2-Rucksack vom Band. Doch diese negative Ökobilanz durch die energieintensive Produktion und die verwendeten Materialien gleicht der XC40 Recharge über sein Fahrzeugleben selbst bei einem ungünstigen Energiemix aus.

Bereits ab einer Laufleistung von 47.000 Kilometer emittiert er bei der Nutzung erneuerbarer Energien weniger CO2 als ein Verbrenner. Mit der Präsentation der Ökobilanz des XC40, so ist Bauch überzeugt, steigere man „das Vertrauen in Elektroautos sowie ihre Akzeptanz und Verbreitung“. Um eine möglichst breite Klientel mit dem XC40 Recharge zu erreichen, bietet Volvo das E-SUV auch im Auto-Abo für einen Preis von knapp unter 700 Euro im Monat an. Wer sich zum Kauf entscheidet, der wird für Fahrzeuge des Modelljahres 2022 deutlich unter 60.000 Euro bezahlen müssen. Der genaue Preis wird noch kommuniziert.

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