Vertrauen ist die halbe Miete

Fahrbericht VW Touran Ecofuel

Der Touran Ecofuel mit Erdgas-Antrieb © Foto: Volkswagen

Wenn man nicht allein auf den Umweltvorteil eines alternativen Antriebes setzen mag, kommt man nicht ohne ordentliche Kalkulation aus. Das ist auch bei diesem Erdgas-Touran von VW nicht anders.

Von Martin Woldt

Es gehört zu den vornehmsten Pflichten dieser Rubrik, Hinweise auf die Tauglichkeit eines Modell zu geben, mit ihm eine glückliche Beziehung einzugehen. Viel zu selten aber fragen wir, wie es denn um die Eignung des Interessenten dafür steht. Denn zweifellos ist etwa der beim Erdgas-Touran im Vorteil, der die Kaufentscheidung auf der Basis einiger optimistischer Grundannahmen treffen kann.

Denk «positiv»!

Das beginnt ja schon mit der Anzahl der Plätze im 4,41 Meter langen Siebensitzer. Die Familienplanung darauf einzustellen, verlangt einige Tatkraft. Schließlich kann eine leere, in ihren Halterungen leise rüttelnde dritte Sitzreihe wie ein stummer Vorwurf im Rückspiegel erscheinen. Auch ist es bei einem Erdgas-Auto von Vorteil, wenn man sich in der Lage zeigt, an das Beständige der russisch-ukrainischen Beziehungen zu glauben. Andernfalls macht man sich jedes Jahr um die Weihnachtszeit zusätzliche Sorgen um die nächste Füllung des 18 Kilogramm fassenden Gastanks, wenn Gazprom wieder eine Rechnung nach Kiew schickt. Und drittens kann einiges Gottvertrauen in die zahllosen Beteuerungen nicht schaden, wonach sich das Erdgastankstellennetz stetig verdichtet.

Die Frage nach dem Mehraufwand

Keine Einschränkungen des 660 Liter großen Kofferraums durch die vier Gastanks. Foto: Volkswagen

Von der Größe der Maschen im Netz hängt ab, wann man jenen nicht unerheblichen Mehraufwand von etwa 2.500 Euro wieder hereinfährt, den man im Unterschied zu einem «Nur-Benziner» bezahlt. Weil die Frage, ab wann sich der Mehraufwand wirklich lohnt, nicht so einfach zu beantworten ist, verweisen wir an dieser Stelle auf die Berechnungen des ADAC. Der ermittelte 2008 für den Touran Ecofuel 52 Cent pro Kilometer, die der Halter mit allem Drum und Dran aufwenden muss. Basis war eine Laufleistung von 10.000 Kilometer pro Jahr. Bei 30.000 Kilometern waren es nur noch 25 Cent pro Kilometer. Im Benzinmodus lag der Wert jeweils zehn Cent darüber. Im Vergleich mit einem entsprechenden «reinen Benziner» beträgt der Unterschied aber kaum mehr als fünf Cent. Es reicht also nicht, sich bei seiner Entscheidung nur am Tankstellpreis zu orientieren. Es kommt darauf an, wie weit liegen Gas- und Benzinpreis auseinander? Fahre ich die entsprechende Kilometerzahl? Werde ich das Fahrzeug entsprechend lange behalten?

Training mit dem Assistenten

Äußerlich kein Unterscheid zum herkömmlichen Touran. Der Tankstutzen für Gas liegt unter dem gleichen Tankdeckel. Foto: Volkswagen

Und schließlich ist auch ein wenig Zuversicht nötig, um sich auf eine weitere Spezialität dieses Testwagens, den Parkassistenten einzulassen. Der verlangt immerhin, dass man beim Einparken parallel zum Fahrbahnrand die Hände vom Lenkrad lässt. Das funktioniert schon. Nur, bis man der Maschine vertraut, braucht es doch zahllose zögerliche Versuche. Wenn man sich dabei nicht wie ein «Volltrottel» vorkommen und von anderen auch nicht so titulieren lassen will, sollte man das Training abseits des fließenden Verkehrs beginnen. Sonst nagen allzu leicht Zweifel am Sinn dieser knapp 700 Euro teuren Zusatzinvestition.

Sicher und ausgewogen

Hat man den Parkassistenten erst im Griff, ist alles andere an diesem Auto eigentlich typisch Volkswagen. Sehr ausgewogen, ein bisschen konservativ, leicht zu lenken, präzise zu schalten. Bei guter Rundumsicht fährt man ziemlich entspannt. Die Sitze sind straff, aber nicht unbequem. Das Fahrwerk schluckt fast alles weg, nur das Motorgeräusch nervt mit zunehmender Geschwindigkeit, besonders auf der Autobahn. Mit sechs Airbags, ESP in der Serie und fünf Sternen im Euro-NCAP-Crashtest leistet er sich keine Schwächen und bietet einen guten Rundumschutz.

270 Kilometer Reichweite in der Stadt

Die Füllung der Gastanks zeigt ein kleine runde Armatur an. Foto: press-inform

Die übliche Tankanzeige zeigt hier den Füllstand der Erdgasflaschen und wandert wegen des geringeren Inhalts darum etwas zügiger gegen null. Laut Hersteller werden innerorts 8,1 Kilogramm; über Land: 4,5 Kilogramm und im Mix insgesamt 5,8 Kilogramm Erdgas auf 100 Kilometer fällig. In der Stadt kamen wir mit einer Tankfüllung auf Reichweite von 270 Kilometer für den Preis von 17,50 Euro. 24.350 Euro für den Ecofuel sind bei solider Ausstattung ein durchschnittlicher Preis, der sich insgesamt betrachtet allerdings eher für Vielfahrer rechnet.