Unter Sparzwang

VW Polo BlueMotion 1.2 TDI

Der VW Polo Bluemotion © Foto: press-inform

Mit der BlueMotion-Ausgabe des Polo schickt VW den aktuell sparsamsten konventionellen Kleinwagen ins Rennen um die Publikumsgunst. Als Auto für jedermann taugt er allerdings nicht.

Von Martin Woldt

BlueMotion-Autos versteht Volkswagen als «Leuchtturm-Modelle ihrer jeweiligen Klasse» erklärt Diesel-Spezialist Andreas Krause die Philosophie des Hauses. Das soll so etwa heißen, dass sich VW in Spritsparangelegenheiten von niemandem in die Suppe spucken lässt. Im Normtest gemessene 3,3 Liter auf 100 Kilometer und 87 Gramm CO2 je Kilometer sind tatsächlich Ansagen des ab Anfang 2010 erhältlichen Polo Blue Motion, die derzeit von kaum anderen Kleinwagen mit konventionellem Motor unterboten werden.

Es gibt Alternativen

Die Frage ist aber, ob dieser Führungsanspruch womöglich etwas überzogen ist? Immerhin gibt es ja bereits einen Polo, (1.6 TDI mit 90 PS) der nur 3,7 Liter verbraucht, 96 Gramm CO2 emittiert und Autos wie den Opel 1.3 CDTI ecoFLEX oder den Ford Fiesta 1.6 Econetic (beide 98 Gramm CO2 je Kilometer) in Schach hält. Und mit 16075 Euro ist die 15 PS stärkere, «BlueMotion Technologies» genannte Version, sogar 500 Euro günstiger als die neue Spitzenkraft. Sei es drum, der Neue will es wissen.

Ein neuer Dreizylinder

Der VW Polo BlueMotion Foto: Volkswagen

Ein neuer Dieselmotor, die Karosse zehn Millimeter tiefer gelegt, der Kühlergrill fast geschlossen, Schaltpunktanzeige, Bremsenergierückgewinnung, Start-Stopp, rollwiderstandsarme Reifen, leichtere Felgen - das Alles poliert die CO2-Bilanz zu dem besagten Spitzenwert. Aber fährt er sich auch Spitze? Wie in der letzten Polo-Generation ist es erneut ein Dreizylinder, der VW die Meisterschaft sichern soll.

Nur diesmal kommt ein Commonrail-, kein Pumpe-Düse-Aggregat mehr zum Einsatz. «Das werden Sie hören», nimmt Andreas Krause den Fahreindruck vorweg. «Jetzt haben wir mehr Möglichkeiten, den Kraftstoff gezielter, dosierter und häufiger einzuspritzen als bisher», beschreibt er den Unterschied zum alten Selbstzünder. Das hätte gerade im Geräuschverhalten einen «Quantensprung» bewirkt.

Neue Geräuschkulisse

Der VW Polo BlueMotion Foto: Volkswagen

Nun tatsächlich. Brummte der Alte noch über ein breites Drehzahlband wie ein ungehobeltes Raubein, weist der Neue in wesentlich kleineren Intervallen auf seine Dreizylindercharakteristik hin. Seine Soundkulisse trägt weniger Bässe, ist weniger raumgreifend, insofern angenehmer als früher. Doch ist auch sie beileibe noch kein Wohlklang. Lange Fahrstrecken dürften eine Weile nachwirken. Besser, man versteht den anschwellenden Ton als Hinweis. Denn wann immer der innervierende Geräuschanteil zunimmt, lohnt ein Blick auf die Schaltpunktanzeige. Pfeil nach oben versucht sie den Fahrer zum Gangwechsel, in den drehzahlärmeren, verbrauchsschonenderen Lastbereich zu animieren. Nach Auge und Gehör fahren spart.

Zwischen Schaltanzeige und Turboloch

Der VW Polo BlueMotion Foto: Volkswagen

Aber ganz so einfach ist das nicht. Da das maximale Drehmoment von 180 Newtonmetern erst ab 2000 Umdrehungen anliegt, kommt der Polo nicht so richtig aus dem Mustopf. Gefühlte 20 Sekunden (real 13,6) braucht man von null auf Tempo 100. Im Auf und Ab des Stadtverkehrs ist das nicht besonders prickelnd. Im Spannungsfeld zwischen Schaltpunktanzeige und Turboloch wird mancher Fahrer dann doch weit unter jenen 20 Prozent Sparpotenzial bleiben, die VW für die strikte Fahrt nach Schaltempfehlung errechnet hat.

Erst wenn man den Polo schließlich laufen lassen kann, bekommt er genügend Kraft, nimmt die Geräusche zurück und fährt sich, wie man es durchaus von einem BlueMotion-Modell erwarten darf: besonders genügsam. Seine Bestimmung dürfte er auf der Landstraße finden. Wer über Kurz- und Mittelstrecken pendelt, der dürfte das Sparpotenzial am ehesten heben, die Mehrausgaben in kürzere Zeit wieder einfahren. Auf der Autobahn sind 75 PS auf Dauer wohl etwas zu wenig, um stets im optimalen Drehzahlbereich mitzuschwimmen.

Typischer VW

Start-Stopp-Anzeige Foto: Volkswagen

Ansonsten ist der neue Polo ein typischer VW. Die Fünfgangschaltung lässt sich präzise durch die Gassen führen. Die Lenkung vermittelt auch mit Leichtlaufreifen sehr ordentlichen Straßenkontakt. Das Umfeld lässt sich vom Fahrersitz aus gut überblicken. Mit der Start-Stopp-Automatik werden sich nur jene umgewöhnen müssen, die an der Ampel gern den Fuß auf der Kupplung vergessen. Aber wer nicht auskuppelt und loslässt, dem bleibt der Abschalteffekt, das Motor-Aus verborgen. Es soll, so haben die Experten um Andreas Krause ausgerechnet, immerhin für vier bis acht Gramm CO2-Ersparnis verantwortlich sein.

Golf-Einsteigsniveau

Mit 16.575 Euro steht der Polo BlueMotion in der Liste, das ist Golf-Einstiegsniveau. Na ja, ein wenig Sparwillen muss man als BlueMotion-Fahrer von Hause aus mitbringen.