SsangYong Actyon: Einfach anders

Der SsangYong Actyon © Foto: press-inform

Der Actyon macht alles anders als das Gros der Konkurrenz: Exotisches Styling, Heckantrieb mit zuschaltbarem statt permanentem Allradantrieb, Leiterrahmen. Das bringt handfeste Vorteile – aber auch viele Nachteile.

Von Sebastian Viehmann

Es passiert selten, dass wir uns nicht sofort hinters Lenkrad eines neuen Autos trauen. Der Actyon aber weckt irgendwie einen uralten Instinkt: Geh da nicht hinein - sonst frisst er dich. Wie ein mächtiger gepanzerter Alien-Käfer hockt der Koreaner auf der Straße, die eigenwilligen Scheinwerfer blitzen böse aus der gewaltigen Haube, das Heck thront hoch über dem Asphalt. Gegen den Actyon wirken die meisten anderen SUV wie Schulbusse eines Mädchenpensionats. Aber wer sich einen SsangYong kauft, darf schließlich auch ein Design abseits der Norm erwarten. Actyon ist übrigens ein Kunstwort, dass aus den Begriffen «Action» und «Young» zusammengesetzt wurde und damit auch gleich die angepeilte Zielgruppe beschreibt.

Schlechte Übersicht

Ob das von SsangYong «Sports Utility Coupé» getaufte Auto schön ist oder nicht, werden die Kunden entscheiden. Die Koreaner wollen damit jedenfalls einen neuen Trend setzen. Dass das exotische Design nicht nur Vorteile hat, merkt der Fahrer allerdings schnell. Die steil nach oben wandernde Türlinie und die breite C-Säule schmälern vor allem beim Spurwechsel die Übersicht - und das enorm.

Auch Einparken ist mit dem 4,5 Meter langen Ungetüm kein leichtes Unterfangen.
Geradezu gewaltig ist die Ladekante, die einem erwachsenen Mann fast bis zur Hüfte reicht. Wer Kinder hat, könnte hier glatt eine Rutsche anbauen. Zum Einladen einer Wasserkiste oder schweren Gepäcks ist ein echter Kraftakt vonnöten, und die schwere Kofferraumklappe muss man erst weit nach oben wuchten, bis irgendwann die Dämpfungszylinder unterstützend eingreifen. Der Laderaum fasst zudem nur 321 Liter und ist damit im Klassenvergleich ziemlich dürftig. Erst bei umgelegten Sitzen klettert das Volumen auf akzeptable 1614 Liter.

Großzügiges Angebot im Innenraum

Sehr hohe Ladekante Foto: press-inform

Ebenfalls ungewöhnlich, aber keineswegs unpraktisch ist die Kommandozentrale des Actyon. Armaturenbrett und Lederpolster sind in tiefstem Schwarz gehalten. Schalter und Knöpfe sind griffgünstig und überlegt übers Armaturenbrett verteilt. Hat man allerdings kein CD-Radio mit Fernbedienungstasten am Lenkrad geordert, finden sich an deren Stelle hässliche Plastikblenden.

Das Platzangebot des Actyon ist vorn wie hinten ausgesprochen großzügig. Für 28.250 Euro bekommt man im Top-Modell 200 Xdi s 4x4 eine reichhaltige Ausstattung, die unter anderem Klimaautomatik, Sitzheizung, elektrische Fensterheber, Lederausstattung und Nebelscheinwerfer enthält. Viele Konkurrenten verlangen für solche Annehmlichkeiten deutlich höhere Eintrittspreise - vor allem in Verbindung mit Dieselmotoren.

Schlapper Diesel

Imposante Seitenansicht Foto: press-inform

Womit wir beim Motor wären - leider kein erfreuliches Kapitel in der Actyon-Saga. Alle Modelle werden von einem 2.0-Liter Turbodiesel mit 141 PS und 310 Newtonmetern Drehmoment angetrieben. Vergleicht man das Aggregat mit dem auch nicht gerade prickelnden 140 PS starken 2.0-Diesel im Opel Antara oder Chevrolet Captiva, hat die SsangYong-Maschine trotz des ähnlichen Drehmoments klar das Nachsehen. Der Actyon nagelt laut und unwirsch vor sich hin, die Kraftentfaltung könnte deutlich spontaner sein.

Für die Beschleunigung von 0 auf 100 Km/h benötigt der Koreaner 15 lange Sekunden. Während man mit der Höchstgeschwindigkeit von 163 Km/h noch gut leben kann, stört die fehlende Power beim Überholen. Immerhin liefert die Maschine akzeptablen Schub, sobald 2000 Umdrehungen überschritten sind. Auch der Verbrauch geht noch in Ordnung - 7,8 Liter genehmigt sich der Actyon im Schnitt. Einen Dieselpartikelfilter liefert SsangYong auf Anfrage für 600 Euro nach.

Weiche Abstimmung

Dynamisches Heck Foto: press-inform

Beim Fahrverhalten zeigt der Actyon die typisch weiche Abstimmung vieler SUV. Bodenwellen und Schlaglöcher werden meistens spurlos geschluckt. Auch im leichten Gelände lässt sich der Actyon bequem und mit einer Menge Fahrspaß bewegen. Der Allradantrieb wird im Stand mit einem Drehschalter am Armaturenbrett zugeschaltet, ebenso die Geländeuntersetzung.

Diese und die robuste Leiterrahmen-Konstruktion verleihen dem Koreaner Offroad-Qualitäten, die viele SUV so nicht haben. Dafür fehlt ihm der permanente Allradantrieb, um auf der Straße die Fahreigenschaften zu verbessern. Während der permanente Allradantrieb vieler SUV im Straßenbetrieb meistens fast die ganze Kraft an die Vorderräder verteilt, ist der Actyon ein Hecktriebler. Das sorgt bei dem hohen Fahrzeuggewicht schon mal für ein nervöses Heck, wenn man es in der Kurve ungestüm angehen lässt. Die weiche Fahrwerksabstimmung hat zudem ihre Grenzen, denn bei schnellen Lastwechselreaktionen schaukelt sich der koreanische Spaß-Kreuzer leicht auf. ESP ist bei den Allradmodellen serienmäßig an Bord, beim 2WD kostet es Aufpreis.

Einstieg unter 24.000 Euro

Unterm Strich bietet der Actyon immerhin eine Menge SUV fürs Geld. Das Heckantrieb-Einstiegsmodell 200 Xdi 4x2 kostet 23.970 Euro und ist akzeptabel ausgestattet. Für 28.250 Euro gibt es das bereits erwähnte Komplettpaket inklusive Allradantrieb - da können die meisten Konkurrenten nicht mithalten.