Sportlicher Bruch mit Traditionen

Peugeot RCZ

Der RCZ ist erste Sportwagen der Löwenmarke © Foto: AG/Flehmer

200 Jahre alt musste Peugeot werden, ehe der erste Sportwagen der Löwenmarke auf dem Markt erscheint. Mit dem Audi TT-Konkurrenten RCZ wurde zudem nicht nur mit einer lang anhaltenden Tradition gebrochen.

Von Thomas Flehmer

Alte Menschen treffen manchmal komische Entscheidungen, die die Jüngeren nicht ganz nachvollziehen können und manchmal erst später dahinterkommen, was gemeint war. Ein biblisches Alter hat bereits das Unternehmen Peugeot erreicht, das vor 200 Jahren zunächst Handwerkszeug anbot, ehe Armand Peugeot sich 1889 von dem Familienunternehmen distanzierte und in die Autosparte wechselte. Drei- und vierstellige Zahlen markierten seitdem den Weg der Franzosen. Doch damit ist jetzt Schluss.

Buchstaben statt Zahlen

Zum ersten Mal werden keine Zahlen, sondern drei Buchstaben ein Modell kennzeichnen. Der RCZ ist dabei etwas ganz Besonderes für das Unternehmen, nicht nur allein wegen seines Namens, bei dem ein wenig Historie mitschwingt. RC hießen früher die sportlichen 206 und 207 Rallye Cup, das Z kennzeichnet auch bei anderen Herstellern die sportlichen Modelle. Und einen 104 Z gab es auch schon einmal.

"Der RCZ besitzt eine Ausnahmestellung", sagt Martin Allbertaud. Der Pressesprecher hat dabei nicht untertrieben. Denn ein Sportwagen fehlte bisher noch in der Angebotspalette. Der in Graz bei Magna produzierte 2+2-Sitzer sieht ein wenig aus wie die französische Interpretation eines Audi TT, auch wenn die Ähnlichkeit keinesfalls beabsichtigt war, wie Boris Reimmöller sichtlich genervt beteuert. Der Designer zeichnet sich verantwortlich für das 4,29 Meter lange und gerade mal 1,3 Tonnen leichte Sportgerät. "Vom Konzept gibt es Ähnlichkeiten mit dem TT. Ansonsten hatte ich den TT überhaupt nicht vor Augen." Vor drei Jahren hatte Reinmöller, der seit 2000 im Konzern angestellt ist, einen internen Wettbewerb gewonnen. An der Zeichnung für den RCZ wurde ebensowenig geändert wie an der Studie, die 2007 auf der IAA ihre Weltpremiere beging.

Basisversion mit synthetischem Leder

Der Innenraum ist im sportlichen Schwarz gehalten Foto: Peugeot

Integrieren musste der gebürtige Bochumer nun aber das neue Löwendesign, das in Zukunft alle Modelle zieren wird. Doch das war ein leichtes Spiel gegenüber den beiden Wölbungen, die fließend vom Dach in die Heckscheibe übergehen und dem RCZ damit ein Alleinstellungsmerkmal verleihen. Sie sind vom Rennwagen 908 abgeleitet und sorgen für ein besseres Strömungsverhalten. Das Heck ist etwas zu lang ausgefallen, da macht sich die Verwandtschaft zum 308 bemerkbar, auf dessen Basis der RCZ gewachsen ist. Immerhin sind damit für einen Sportwagen üppige 321 Liter Kofferraum gegeben, die sich auf 639 Liter erweitern lassen, wenn die Rücksitze umgeklappt werden. Sitzen können dort nicht mal Kinder bequem, also sollten die Rückenlehnen gleich umgeklappt werden, dann entsteht auch der Eindruck, in einem reinrassigem Sportwagen zu sitzen.

Denn innen ist alles sportwagentypisch beledert, jedenfalls in den höheren Ausstattungsvarianten. Die Basisversionen schmückt synthetisches Leder, das laut Marketing-Direktor Thomas Schalberger "aber jedenfalls von Laien nicht von echtem Leder unterschieden werden kann." Das Lenkrad ist dagegen für einen Sportwagen etwas zu groß ausgefallen, erst in der Topversion mit dem 1.6 THP mit 200 PS ist ein kleineres verbaut. Die Sitze sind gut konturiert und weisen den nötigen Seitenhalt auf, um die Kurven auch sportlich zu nehmen.

Cruisen oder rasen

Ein langes Heck kennzeichnet den RCZ Foto: AG/Flehmer

Doch so viel bange muss einem aber nicht sein, vor allem nicht im 2.0 HDi FAP mit 120 kW/163 PS. Der Diesel ist so etwas wie die Inkarnation des Karmann Ghia mit Käfer-Motor. Hier beschränkt sich das Sportliche auf die Optik. Beim Gasgeben fehlt der nötige Kick, den man(n) von einem Sportwagen erwarten würde. Sicher sind 340 Newtonmeter maximalen Drehmoments zwischen 2000 und 3000 Umdrehungen sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h nicht schlecht, aber richtige Befriedigung gibt der Selbstzünder dann lediglich dem sparsamen Fahrer. 5,3 Liter werden als Gesamt-Verbrauch für die 100 Kilometer angegeben. Für Freunde der sportlichen Optik und des Cruisens die richtige Wahl im Sortiment.

Wer Sportlichkeit nicht nur von dem schönen Design, sondern auch von dem Fronttriebler erwartet, sollte sich auf den - wie der Diesel - mindestens 28.950 Euro teuren 1.6 l 200 THP mit 147 kW / 200 PS beschränken. Hier werden die Sehnsüchte erfüllt. Der Top-Benziner hat den nötigen Bumms, unterstützt von einem Soundgenerator, der den Insassen auch über die Ohren vermittelt, in einem Sportwagen zu sitzen. Zudem fährt bei Tempo 88 km/h der Heckspoiler in einem Winkel von 19 Grad hoch. Bei Tempo 155 km/h richtet sich der Spoiler höher und rastet in einem Winkel von 34 Grad ein.

5000 Euro unter dem TT

Sehr formschön sind die Wölbungen Foto: Peugeot

Auch wenn der RCZ mit einem Spurtvermögen von 7,6 Sekunden dem großen Konkurrenten TT aus Ingolstadt eine Sekunde hinterher hechelt, reichen die 200 PS vollkommen aus, um mit Freuden die jeweils kommende Kurve anzusteuern. Eine große Spurweite und ein niedriger Schwerpunkt garantieren ein Festsaugen des gerade mal 1,36 Meter hohen Sportcoupes in der Kurve, auch wenn bei anderen Sportwagen - zum Beispiel aus deutschen Landen - der Saugeffekt noch effektvoller erscheint. Aber da müssen auch gleich mehr Scheine über den Ladentisch wandern.

So bleibt der RCZ 1.6 l 200 THP gleich 5000 Euro unter dem vergleichbaren Audi TT. 3000 Fahrzeuge sollen in einem vollen Jahr in Deutschland verkauft werden, 17.000 weltweit. Bereits dieser Wert würde die Verantwortlichen bei Peugeot befriedigen. Das Coupe hat die Anlagen, noch mehr in den Bann zu ziehen. Und spätestens dann würde man die Entscheidung verstehen, in diesen Zeiten mit einem Sportcoupe auf den Markt zu kommen.

Vorheriger ArtikelReifenhandel mit leichtem Absatzplus
Nächster ArtikelÜberraschendes Plus
Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.