Smart Fortwo: Der Metropolen-Flitzer

Doppelte Premiere

Smart fortwo und Smart forfour
Smart fortwo und Smart forfour © Smart

Der Smart startet durch. Neben dem Fortwo schickt die Daimler-Tochter in diesem Monat auch wieder einen Forfour an den Start. Der Kleine beweist bei Testfahrten in Barcelona, dass er ein fast perfektes Stadtauto ist.

Von Frank Mertens

Klein allein reicht längst nicht aus, sagt Smart-Chefin Annette Winkler. Um mit einem Auto wie dem neuen Smart Fortwo Erfolg zu haben, muss man seinen Kunden mehr bieten als ausschließlich geringe Abmessungen. Es geht um Ideen, die die Fahrt durch volle Städte erträglicher machen, die dem Kunden das Gefühl geben, trotz Stopp-und-Go-Verkehrs trotzdem irgendwie noch mobil zu sein.

Wer vor diesen Hintergrund den gerade einmal 2,69 Meter kurzen Smart Fortwo durch die staubelastete Innenstadt von Barcelona lotst und dabei auch auf Abstecher durch enge Seitenstraßen nicht verzichten mag, bekommt aufgrund der Agilität des Kleinstwagens ziemlich schnell eine Ahnung, was Annette Winkler meint, wenn sie den Smart als das ideale Stadtauto bezeichnet.

Länge beim Smart musste beibehalten werden

Deshalb, so berichtet die Smart-Chefin, sei es auch klar gewesen, dass bei dem neuen Smart alles ganz anders sein musste, nur die Länge und der Heckantrieb sollte unangetastet bleiben. Denn nur so ließ sich ein Wendekreis von gerade einmal 6,95 Meter realisieren. Okay, 6,95 Meter hören sich ziemlich abstrakt an. Doch sie sind, wenn man einmal schnell wenden will oder in enge Parkhäuser fährt, eine Ansage. Einen derart kleinen Wendekreis muss man selbst einmal fahrend erleben, um ihn so richtig ein- und dann wertschätzen zu können.

Der Innenraum des Smart Fortwo
Blick auf die Instrumententafel im Smart Daimler

In engen Gassen, wo man mit anderen Autos erst einmal mehrmals vor- und zurücksetzen muss, um wieder in die andere Richtung zu kommen, reicht mit dem Smart dafür meist ein großzügiger Lenkradeinschlag. Ähnlich verhält es sich beim Einparken: wo man mit anderen Autos mit einer Länge um die vier Meter enge Parklücken noch nicht einmal in Erwägung zieht, lässt sich der Fortwo ziemlich problemlos hineinbugsieren. Das hat schon was - und macht einen den Kleinen richtig sympathisch.

Zehn Zentimeter mehr Breite

Zwar ließen die Entwickler bei dem in Kooperation mit Renault entwickelten Smart die Länge unangetastet, aber nicht die Breite: sie wuchs um satte zehn Zentimeter auf nun 1,66 Meter an. Ein Zuwachs, der dem Auto mit Blick auf das Raumgefühl gut getan hat. Bleibt man im Innenraum, kann man den Interior-Designern ein Kompliment für die wertige Anmutung aussprechen. Die mit Stoff bezogene Instrumententafel sieht dabei nicht nur gut aus, sondern fühlt sich auch so an.

Nicht nur schön anzuschauen, sondern auch ausgesprochen funktional, ist das mittig angebrachte Smart-Media-System. Das Navigationsgerät leitet einen dabei nicht nur treffsicher zum Ziel, sondern ermöglicht auch die Vernetzung des Smartphones mit dem Fahrzeug. Das ist wirklich nett, leider nicht ganz billig. Zusammen mit der Klimatisierungsautomatik kostet es für die Ausstattungsvarianten "Passion"und "Prime" 1700 Euro, in der Variante "Proxy" werden auch noch 670 Euro fällig. Wem das zu viel ist, der kann sich auch eine Smartphone-Halterung für 100 Euro ordern.

Natürlich gibt es auch originelle Apps: Dazu gehört beispielsweise eine, mit der man Parkplätze in den verschiedenen Städten finden kann, die gerade so für die Länge eines Smart ausreichen. Jeder Smart-Fahrer hat zudem die Möglichkeit Parkplätze selbst hinzuzufügen und dazu auch ein Bild hochzuladen.

Gutes Raumgefühl

Der Smart Fortwo
Die Sitze bieten guten Seitenhalt Daimler

Doch wie fährt sich der neue Zweisitzer jenseits seiner Wendigkeit? Gut, wirklich gut. Dank des Breitenzuwachs, einer neuer Vorderachskonstruktion, einer optimierten Hinterachse und verlängerter Federwege wuchs der Fahrkomfort spürbar. Der Fortwo wird zum Marktstart Mitte des Monats mit zwei Dreizylindermotoren mit 71 und 90 PS Leistung angeboten, eine 60 PS-Version folgt im kommenden Jahr.

Dabei gefiel uns bei den Testfahrten der 999 ccm kleine Benziner besser als die kräftigere Variante mit 898 ccm. Mit seinem Gewicht von 900 Kilogramm kommt der Smart mit 71 Pferdestärken auf ein maximales Drehmoment von 91 Nm, das bei 2800 Touren anliegt. So motorisiert lässt sich der Dreizylinder durchaus schaltfaul bewegen, wenn man es denn etwas beschaulicher mag. Dabei verzeiht es der Motor auch, dass man in niedrigen Drehzahlbereichen um die 2000 Umdrehungen auch im vierten Gang unterwegs ist.

Wer dies bei der 90 PS-Variante mit seinen 135 Nm (2500 Touren) probiert, bekommt ein nerviges Brummen des hinter einem liegenden Aggregats präsentiert, sodass man ziemlich schnell einen Gang herunterschaltet. Dass widerrum führte bei den Testfahrten im dichten Stadtverkehr von Barcelona trotz eines Start-Stopp-Systems dann auch zu einem Verbrauch von 8,6 Litern. Der Hersteller gibt für diesen Fahrzyklus 4,9 Liter an, als Durchschnittsverbrauch stehen 4,2 Liter im Leistungsblatt.

Hoher Stadtverbrauch

Smart profitiert vom frischen Generationswechsel.
Das Heck des Smart Fortwo Daimler

Führt man sich vor Augen, dass man den Smart primär in der City bewegt, erschreckt einen dieser Wert jenseits der acht Liter dann doch. Der Drittelmix bei der 71 PS-Variante lag nach den Testfahrten übrigens bei 7,1 Litern. Unterwegs ist der Smart mit einem gut abgestimmten manuellen Fünfganggetriebe. Optional steht auch ein Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebe zur Wahl, dass bei gemächlicher Fahrweise einen ordentlichen Job verrichtet, aber beim Beschleunigen nach einer gefühlten Ewigkeit hochschaltet. Das führten die Smart-Verantwortlichen nach dem Auslesen des Fehlerspeichers auf einen defekten Sensor bei den Vorserienfahrzeugen zurück.

Das und der Verbrauch trüben etwas den guten Eindruck, den der Smart nach den Testfahrten in Barcelona hinterließ. Denn das Gesamtpaket des Fortwo ist stimmig, auch wenn der Einstiegspreis von 10.895 Euro ebenso eine Ansage ist wie der kleine Wendekreis. Da Smart zeitgleich mit dem Fortwo auch den Forfour (11.555 Euro) auf den Markt bringt, stehen die Kunden vor einer schwierigen Entscheidung: Fortwo oder Forfour?

Ohne Frage bietet der Viersitzer für einen Aufpreis von 660 Euro mehr Alltagsnutzen. Denn im Fond können zwei Personen einigermaßen bequem sitzen, zumindest für kürzere Strecken. Dass sich die beiden hinteren Türen mit einem Winkel von 85 Grad öffnen lassen, macht das Platz nehmen als auch das Abstellen von Gepäck zu einer einfachen Aufgabe. Dennoch geht man bei Smart davon aus, dass auf den Fortwo zwei Drittel der Verkäufe entfallen. Hier kann man gespannt sein, ob die Kunden dieser Prognose mit ihrer Kaufentscheidung folgen werden. Annette Winkler kann das egal sein. Hauptsache ist, dass sie am Ende überhaupt einen Smart kaufen. Und die Chancen stehen dafür mit diesen beiden neuen Smart nicht schlecht.