Skoda Octavia RS: Auf der Überholspur

Überzeugender Kompaktsportler

Der neue Skoda Octavia RS
Der Skoda Octavia RS © Skoda

Skoda schickt den neuen Octavia RS an den Start. Der Kompaktsportler der VW-Tochter vermag insbesondere als Kombi zu überzeugen, wie unser Fahrbericht zeigt.

Von Frank Mertens

Das beste Rezept gegen die Absatzkrise sind neue Modelle – und im Idealfall nicht nur eines, sondern gleich mehrere. Skoda beherzigt diese Devise ihres Vorstandschefs Winfried Vahland auch in diesem Jahr, in dem die VW-Tochter gleich acht Modellneuheiten auf dem Markt bringt. Darunter ist auch der neue Skoda Octavia RS, der als "schnellster Octavia aller Zeiten" angepriesen wird.

Kein Wunder, denn die RS-Version des Skoda-Bestsellers kommt als Zweiliter-Turbobenziner auf eine Leistung von 220 PS und als Zweiliter-Turbodiesel auf 184 PS. Im Vergleich zum Octavia RS kommen die neuen Motoren damit auf zehn Prozent mehr Leistung und das bei einer Kraftstoffeinsparung von bis zu 19 Prozent. Die Leistungsdaten kommen irgendwie bekannt vor? Stimmt! Der Octavia ist mit dem gleichen Turbobenziner wie der VW Golf GTI unterwegs, und auch der Golf GTD ist identisch motorisiert. Doch wer meint, dass es hier keinen Unterschied gibt, weil sich die Konzernmarken artig im Modularen Querbaukasten (MQB) mit seinen Gleichteilen bedienen muss, der irrt. Denn der 2.0 TSI im Skoda Octavia RS kommt als Limousine auf eine Spitzengeschwindigkeit von 248 km/h, das sind drei Stundenkilometer mehr als beim GTI.

Skoda Octavia RS kostet unter 30.000 Euro

Kleinigkeiten, keine Frage. Doch auf die kommt es schließlich bei einem Kompaktsportler wie dem RS an. Auf den Preis übrigens auch: der liegt für die Limousine bei 29.390 Euro (715 Euro mehr als beim GTI) und beim Kombi bei 29.840 Euro. Die Mutter in Wolfsburg bietet ihren Golf Variant übrigens nicht als Sportversion an, entsprechend hat der Kombi von Skoda auch ein Alleinstellungsmerkmal unter den besonders dynamischen Familienkutschen im Konzern. 95 Prozent der Octavia-Kunden in Deutschland entscheiden sich dabei für einen Kombi. Wir haben deswegen auch den Octavia Combi RS als 2.0 TDI (ab 30.540 Euro) mit manuellem Sechsgang-Schaltgetriebe getestet. Auf die Dieselvariante entfielen in Deutschland im Vorjahr 75 Prozent aller Verkäufe.

Das Cockpit im neuen Skoda Octavia RS
Das Cockpit im Octavia RS Skoda

Weshalb gerade der Kombi bei den Kunden derart hoch in der Gunst steht, wird beim Blick auf das Datenblatt klar: denn mit seinem Kofferraumvolumen von 610 Litern bietet er ausreichend Platz für die ganze Familie. Wer die Rückbank umlegt, dem stehen sogar 1740 Liter zur Verfügung. Damit kann man dann entspannt auch den nächsten Baumarkt ansteuern, um sperrige Gegenstände abzutransportieren.

Doch das ist die nur die eine Seite des Octavia RS. Denn seine Attraktivität resultiert aus dem Zusammenspiel zwischen Platz und Sportlichkeit – und das auch beim Design. Da sorgen beispielsweise modifizierte Stoßfänger mit Diffusor, Seitenschweller und in Chrom gehaltenen Auspuffendrohren und 18 Zoll Leichtmetallfelgen für einen dynamischen Auftritt. Doch das sieht alles sehr, sehr zurückhaltend aus. Im Gegensatz zur Limousine, die über einen Heckspoiler auf dem Kofferraumdeckel verfügt. Das wirkt, nun ja, man muss es so sagen, doch etwas prollig. Kein Wunder also, dass insbesondere der Kombi so hoch im Kurs steht. So etwas kann man dann auch selbsterfüllende Prophezeiung nennen.

Serienmäßiges Sportfahrwerk

Doch die wahren Stärken offenbaren sich ohnehin unter der Karosserie des RS, der serienmäßig über ein um 1,5 cm abgesenktes Sportfahrwerk und eine elektronische Differentialsperre verfügt. Optional gibt es auch eine Progressivlenkung, die in engen Kurven das Umgreifen des Lenkrades reduziert. So unterwegs erweist sich der Octavia RS Combi mit dem 184 PS starken Zweiliter-Turbo-Diesel als ausgesprochen sportlicher Begleiter, der dank eines maximalen Drehmoments von 380 Nm für einen ausgesprochen kraftvollen Antritt sorgt – und das über ein Drehzahlband von 1750 bis 3000 Touren. Die manuelle Sechsgangschaltung ist dabei gut abgestimmt, der Schalthebel lässt sich knackig durch die Gassen bewegen.

So unterwegs macht es Spaß, den immerhin 4,68 Meter langen Octavia RS durch enge Kurven zu jagen. Er entledigt sich dieser Aufgabe souverän und lässt dank der Quersperre keinen Moment der Unsicherheit aufkommen. Wer Wert darauf legt, der hat Tempo 100 bei 8,2 Sekunden erreicht, die Spitzengeschwindigkeit ist bei 230 km/h erreicht – mehr braucht man nicht. In Aussicht gestellt wird übrigens ein Durchschnittsverbrauch von 4,6 Litern. Bei den Testfahrten lag dieser Wert bei effizienter Fahrweise bei knapp unter sechs Litern. Und wer es mit dem RS gern sportlicher mag, der sollte sich auf einen Verbrauch von deutlich über sieben Litern einstellen. Daran ändert dann auch das serienmäßige Start-Stopp-System nichts. Aber der RS ist nun auch kein Spritsparmodell, sondern ein Kompaktsportler.

Überzeugende Qualtitätsanmutung

Der Skoda Octavia RS.
Das Heck des Octavia RS Combi Skoda

Über die Qualität der Verarbeitung im Octavia braucht man nicht viel Worte verlieren: sie gibt keinen Anlass zur Kritik – weder die Verarbeitung noch die verwendeten Materialien. Natürlich kann der RS auch mit einer Vielzahl elektronischer Helfer geordert werden: dazu gehören beispielsweise ein aktiver Spurhalteassistent, eine Verkehrszeichenerkennung, eine City-Notbremsfunktion oder ein Einparkassistent.

Wer sich für diese Helferlein entscheidet, muss dafür aber natürlich tief in die Tasche greifen. So kostete das empfehlenswerte Infotainment-System Columbus inklusive Navigationsgerät und Assistenzsystemen 2450 Euro. Mit anderen kleinen Nettigkeiten ist man dann locker bei 35.000 Euro angekommen. Das ist dann schon eine Ansage. Aber dafür bekommt man dann aber auch ein Auto für fast alle Gelegenheiten.